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  • Walter Gasperi

Vorschau auf das Filmjahr 2023: Neues von Nolan, Scorsese, Ridley Scott, Lanthimos, Glazer und Co.

Aktualisiert: 31. Dez. 2022


Oppenheimer (Christopher Nolan) (c) Universal Pictures

Blockbuster wie die Sequels zu "Indiana Jones" und "Mission Impossible" sowie weitere Marvel-Filme sollen 2023 die Kinokassen zum Klingeln bringen. Aber auch im Arthouse-Bereich darf man von Christopher Nolans "Oppenheimer" über Martin Scorseses "Killers of the Flower Moon" bis zu Aki Kaurismäkis "Fallen Leaves" wieder einiges erwarten.


Gewohnt werden die ersten Monate des neuen Jahres von Filmen bestimmt, die schon letztes Jahr auf Festivals Aufsehen erregten. Schon in der ersten Woche startet so Martin McDonaghs hinreißende schwarze Tragikomödie "The Banshees of Inisherin", die Brendan Gleeson und Colin Farrell zwei große Rollen bietet. Gespannt sein darf man auch auf Park Chan-wooks vielfach hochgelobten Thriller "Decision to Leave – Die Frau im Nebel", Lukas Dhonts feinfühliges Teenager-Drama "Close" und Damien Chazelles Evokation des Hollywood der Stummfilmzeit in "Babylon".


In höchsten Tönen gelobt wird auch Todd Fields "TAR", stark sollen auch "Tori et Lokita" der Dardenne-Brüder oder der französische Oscar-Beitrag "Saint Omer" sein, die schon in Cannes bzw. Venedig ihre Premiere feierten. Als Oscar-Anwärter wird Steven Spielbergs autobiographisch gefärbte Familiengeschichte "The Fabelmans" gehandelt.


Auch Ulrich Seidls "Sparta", der schon vor der Premiere im letzten Herbst wegen angeblich inakzeptabler Zustände bei den Dreharbeiten für heftige Diskussionen sorgte, dann aber als Film sehr positiv aufgenommen wurde, und Ursula Meiers Familiendrama "La Ligne" sollten in den nächsten Monaten ihren Kinostart feiern.


Während diese Filme fix in die Kinos kommen, ist ein Kinoeinsatz bei vielen anderen Filmen, die von Streamingdiensten produziert werden, fraglich. Dies gilt zum Beispiel für David Finchers für Netflix gedrehten Neo Noir-Thriller "The Killer".


Einen definitiven Starttermin haben dagegen schon Denis Villeneuves zweiter Teil von "Dune" (3.11.) und der neue Film von Christopher Nolan, der sich in "Oppenheimer" dem "Vater der Atombombe" Robert Oppenheimer widmet (21.7.) (Trailer). Klingt diese Produktion schon vom Thema her interessant (Trailer), so weckt Greta Gerwigs am gleichen Tag anlaufender "Barbie" vom Titel her nicht unbedingt große Erwartungen, doch der Trailer, weckt doch Lust darauf – auch wenn ein eineinhalbminütiger Clip und der dazu gehörige abendfüllende Film immer zwei Paar Schuhe sind.


Seit langem wartet man auch schon auf die Veröffentlichung von Martin Scorseses für den Streaming-Dienst Apple gedrehten Thriller "Killers of the Flower Moon". Wie der 85-jährige Ridley Scott, von dem nicht nur "Napoleon", sondern auch eine Fortsetzung von "Gladiator" angekündigt wird, scheint auch der 80-jährige Scorsese keine Altersmüdigkeit zu kennen, denn neben "Killers of the Flower Moon" befindet sich unter anderem mit "Roosevelt" auch ein Film über US-Präsident Theodor Roosevelt in Entwicklung.


Nach jahrelangem Schweigen arbeitet auch Altmeister Francis Ford Coppola mit "Megalopolis" wieder an einem neuen Film und auch von Tochter Sofia Coppola wird mit "Priscilla" eine neue Arbeit über die Beziehung von Elvis Presley und Priscilla angekündigt. Während "Megalopolis" freilich noch nicht abgedreht ist befindet sich "Priscilla" ebenso bereits in der Postproduktion wie Michael Manns Biopic über den Rennfahrer und Rennwagenhersteller Enzo Ferrari ("Ferrari").


Gleich zwei Filme könnten dieses Jahr Wes Anderson und Yorgos Lanthimos auf den großen Festivals präsentieren. "Asteroid City" und die Netflix-Produktion "The Wonderful Story of Henry Sugar" des Texaners Anderson sollen sich nämlich ebenso in der Postproduktion befinden wie "Poor Things" und "AND" des griechischen "The Favourite"-Regisseurs.


Auch die jungen Horror-Meister Ari Aster ("Midsommar") und Robert Eggers ("The Lighthouse") haben mit "Beau is Afraid" (Aster), der vormals als "Disappointment Blvd" angekündigt wurde, und einem Remake von "Nosferatu" (Eggers) neue Filme in der Pipeline.


Für die Berlinale wird unter anderem mit Premieren von Christian Petzolds "Roter Himmel", in dem vier Menschen durch Waldbrände in einem Ferienhaus an der Ostsee eingeschlossen werden, und Aki Kaurismäkis "Fallen Leaves" spekuliert. Aber auch Francois Ozons "Madeleine", Angela Schanelecs "Music" und André Téchinés "Les pieds sur terre" gelten als potentielle Kandidaten für den Wettbewerb um den Goldenen Bären.


Für Cannes rechnet man dagegen unter anderem mit den Premieren von Nuri Bilge Ceylans "Kuru Otlar Üstüne" und Jonathan Glazers mit Spannung erwartetem Holocaust-Film "The Zone of Interest". Aber auch Jessica Hausners "Club Zero", Alice Rohrwachers schon letztes Jahr angekündigter "La Chimera" und Steve McQueens Zweiter Weltkriegs-Film "Blitz" gelten als mögliche Kandidaten für das mondäne Festival an der Côte d´Azur. Auch Hirokazu Koreeda könnte in diesem Rahmen nach Ausflügen nach Frankreich mit "La Vérité" und nach Südkorea mit "Broker" mit "Monster" wiederum einen japanischsprachigen Film präsentieren.


Während Terrence Malicks Christus-Film "The Way of the Wind" dem Vernehmen nach noch weit von der Fertigstellung entfernt ist, und Paul Thomas Anderson erst im Sommer einen neuen Film drehen soll, befindet sich Todd Haynes´ "May/December", der von einem Paar mit großem Altersunterschied erzählt, ebenso in der Postproduktion wie Roman Polanskis "The Palace", der am Silvesterabend 1999 in einem Schweizer Luxushotel spielt.


Neun Jahre nach "Timbuktu" soll es mit "The Perfumed Hill" auch endlich wieder einen neuen Film des Mauretaniers Abdherramane Sissako geben und auch Jeff Nichols hat sieben Jahre nach "Loving" mit "The Bikeriders", der von den Mitgliedern eines Motorradclubs im amerikanischen Mittelwesten erzählt, einen neuen Film abgedreht. 30 Jahre liegt dagegen der letzte abendfüllende Film des Spaniers Victor Erice zurück, der nun aber mit "Cerrar los ojos" an einem neuen Spielfilm arbeitet, der 2023 in die spanischen Kinos kommen soll.


Neue Filme von den Altmeistern Ken Loach, Nanni Moretti und dem japanischen Animé-Meister Hayao Miyazaki sind mit "The Old Oak", "Il sol del avvenire" und "How Do You Live?" ebenso zu erwarten wie Brady Corbets Architekten-Drama "The Brutalist" oder Lynne Ramseys Margaret Atwood-Verfilmung "Stone Mattress".


Überaschen könnte David Lowery nach seinem famosen "The Green Knight" auch mit seinem Peter Pan-Film "Peter Pan and Wendy" und "Love Lies Bleeding" der 32-jährigen Britin Rose Glass, deren Debüt "Saint Maud" vor zwei Jahren in England begeistert aufgenommen wurde, das aber nie den Weg in die Kinos im deutschsprachigen Raum schaffte.


Aufgrund der Quellenlage sehr US-lastig ist diese Vorschau, nur dürftig sind Informationen über neue Filme aus den anderen Kontinenten. Bekannt ist aber, dass Andreas Dresen mit "In Liebe, eure Hilde" an einem Film über eine Liebesgeschichte in der NS-Widerstandsgruppe "Die rote Kapelle" arbeitet. Vor der Fertigstellung sollte auch "Des Teufels Bad" stehen, in dem Veronika Franz und Severin Fiala von einem Kindsmord im Oberösterreich des 18. Jahrhunderts erzählen.


Außer Frage steht auch, dass wieder zahlreiche spannende Produktionen aus Lateinamerika und Asien zu erwarten sind. Schon lange in Entwicklung ist so "Shulan River" des Taiwanesen Hou Hsiao-Hsien und mit "Misanthrope" soll sich ein neuer Film des Argentiniers Damián Szifron, der vor acht Jahren mit "Wild Tales" begeisterte, in Postproduktion befinden. Dazu werden aber freilich auch zahlreiche Filme von Regisseur:innen kommen, die noch nicht so bekannt sind, die aber 2023 ihren internationalen Durchbruch schaffen könnten.

Trailer zu "Barbie"



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