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Strahlende Schönheit: Claudia Cardinale

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

"Il Gattopardo": Claudia Cardinale und Alain Delons in Luchino Viscontis grandiosem Epos
"Il Gattopardo": Claudia Cardinale und Alain Delons in Luchino Viscontis grandiosem Epos

Die 1960er Jahre waren die große Zeit der Claudia Cardinale. Mit Federico Fellini drehte sie ebenso wie mit Luchino Visconti und Sergio Leone. Auf rund 150 Filme brachte es die gebürtige Tunesierin, die in Komödien ebenso strahlte wie in Gangster- und Kriegsfilmen. Das Kinok in St. Gallen widmet dem am 23. September 2025 im Alter von 87 verstorbenen Star im Januar eine Filmreihe.


In Luchino Viscontis großem Geschichtsepos "Il gattopardo" ("Der Leopard", 1963) verkörperte sie als Tochter eines sizilianischen Bürgermeisters das Neue, das das Alte hinwegfegen wird. "Die Dinge müssen sich ändern, um die gleichen zu bleiben" ist zwar das Motto des Fürsten Don Fabrizio (Burt Lancaster), doch auch diesem ist klar, dass die Dinge sich so ändern werden, dass nichts mehr bleibt, wie es war.


Unvergesslich ist in diesem Film der Tanz Burt Lancasters mit Claudia Cardinale, in dem sich der Niedergang des Adels und der Aufstieg eines Bürgertums spiegelt, das gleichzeitig wiederum selbst geadelt werden will durch die Hochzeit mit dem Neffen (Alain Delon) des Fürsten.


Gerade einmal 25 Jahre alt war die am 15. April 1938 in Tunis als Tochter eines sizilianischen Emigranten und einer französischen Mutter geborene Schauspielerin damals, hatte aber schon in rund 20 Filmen gespielt. Sechs Jahre zuvor hatte ein Schönheitswettbewerb in Tunis um das schönste italienische Mädchen in Tunesien, bei dem sie als Siegerin eine Reise zum Filmfestival nach Venedig gewann, ihr Leben völlig verändert.


Claudia Cardinale blieb nämlich in Italien, begann in Rom am Centro Sperimentale di Cinematografia zu studieren, bis sie der Filmproduzent Franco Cristaldi, mit dem sie von 1966 bis 1975 auch verheiratet war, entdeckte. Er nahm sie nicht nur unter Vertrag, sondern reglementierte damit auch ihr Leben.


Sie verpflichtete sich nämlich nicht nur, sich nicht die Haare schneiden zu lassen, nicht zuzunehmen und nicht zu heiraten, sondern musste auch ihren Sohn, den sie als 18-Jährige nach einer Vergewaltigung geboren hatte, verleugnen und als ihren kleinen Bruder ausgeben. Erst als er 19 wa,r wurde er von Cardinales zweitem Ehemann Pasquale Squiteri adoptiert.


Auch ihre Stimme bekam das Publikum zunächst nicht zu hören. Da sie zwar Französisch, Arabisch und den sizilianischen Dialekt ihrer Eltern sprach, Italienisch aber erst mit 18 zu lernen begann, und ihre Stimme zudem rau war, wurden ihre Dialoge anfangs nachsynchronisiert.


Mit ihrem Aussehen freilich konnte sie von Anfang an den Männern die Augen verdrehen, einem der Diebe in Mario Monicellis "I soliti ignoti" ("Diebe haben´s schwer", 1958) ebenso wie Jean-Paul Belmondo in Philippe de Brocas schwungvollem Abenteuerfilm "Cartouche" ("Cartouche, der Bandit", 1962).


Immer wieder holte sie Luchino Visconti. Auf einen kleinen Auftritt in "Rocco e suoi fratelli" ("Rocco und seine Brüder", 1960) über den glanzvollen "Il gattopardo" und die Familientragödie "Vaghe stelle dell´Orsa" ("Sandra – Die Triebhafte", 1965) bis zu "Gruppo di famiglia in un interno" ("Gewalt und Leidenschaft", 1974).


Den Höhepunkt ihrer Karriere stellte wohl das Jahr 1963 dar, als sie nicht nur in "Il gattopardo" spielte, sondern auch unter der Regie von Federico Fellini und Blake Edwards. In Fellinis Meisterwerk "Otto e mezzo" ("Achteinhalb"), in dem man erstmals ihre Stimme hörte, erschien sie dem an einer Schaffenskrise leidenden Regisseur in seinen Träumen als die ideale Frau. Glamour verbreitete sie dagegen in Edwards´ hinreißender Komödie "The Pink Panther" ("Der rosarote Panther", 1963) als Prinzessin Dala.


Auch dem Ruf Hollywoods folgte die Diva, die in ihrem Aussehen mädchenhafte Unschuld mit weiblicher Erotik verband, und spielte in "Circus World" (Henry Hathaway, 1964) an der Seite von John Wayne und Rita Hayworth ebenso wie im Kriegsfilm "Lost Command" ("Sie fürchten weder Tod noch Teufel"; Mark Robson, 1966) mit Anthony Quinn und Alain Delon und die einzige Frauenrolle neben Burt Lancaster, Lee Marvin und Robert Ryan in Richard Brooks Western "The Professionals" ("Die gefürchteten Vier", 1966).


Die markanteste Rolle in den späten 1960er Jahren gab ihr aber Sergio Leone. Wie bei Brooks spielte sie auch in "C´era una volta il West" ("Spiel mir das Lied vom Tod", 1968) die einzige größere Frauenrolle. Stärke und Unabhängigkeit beweist sie in diesem klassischen Italo-Western, wenn sie sich als kämpferische Witwe gegen die mächtige Eisenbahngesellschaft stellt und an den Plänen ihres ermordeten Verlobten festhält. Wie Visconti mit der Ballszene in "Il gattopardo" bescherte ihr auch Leone, unterstützt freilich von der Musik Ennio Morricones, einen unvergesslichen Kinomoment, wenn sie mit der Kutsche durchs Monument Valley zur Farm fährt.


Auch in den folgenden Jahrzehnten spielte Claudia Cardinale in zahlreichen, aber kaum großen Filmen. In Erinnerung bleiben freilich ihre Auftritte als Ehebrecherin in Franco Zeffirellis TV-Serie "Jesus von Nazareth" (1977) und als Bordellbesitzerin in Werner Herzogs "Fitzcarraldo" (1981). In letzterem strahlte als Geliebte des von Klaus Kinski gespielten exzentrischen Abenteurers, der von einer Oper im Amazonasdschungel träumt und dafür ein Schiff über einen Berg ziehen lässt.


Ruhig war es um Claudia Cardinale in den letzten Jahrzehnten geworden, auch wenn sie ihre letzte Filmrolle erst 2022 im Filmdrama "L’île du pardon" spielte, für das sie nochmals in ihre tunesische Heimat zurückkehrte. Unvergessen bleiben aber die Rollen und die betörende Ausstrahlung dieser Ikone des Kinos, die am 23. September 2025 im Alter von 87 Jahren verstarb.



Filmbeschreibungen und Spieldaten im Kinok St. Gallen finden Sie hier.



Ausschnitt aus der Ballszene in "Il Gattopardo" ("Der Leopard")



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