Vorschau auf das Filmjahr 2022: Geballte Ladung an Arthouse-Filmen


Licorece Pizza (Paul Thomas Anderson)

Alle reden von den Blockbustern, von Action-Krachern wie "Mission Impossible 7", James Camerons "Avatar 2", weiteren Comicverfilmungen und Fortsetzungen, die 2022 in die Kinos kommen werden. Aber auch im Arthouse-Bereich darf man zahlreiche neue Filme von Starregisseuren ebenso wie von jüngeren Talenten erwarten


Schon im Januar wird Paul Thomas Andersons "Licorece Pizza" starten, in dem der Amerikaner von einem Coming-of-Age im Los Angeles der 1970er Jahre erzählt. Mit "Spencer" wird auch Pablo Larrains auf ein Weihnachtswochenende reduziertes Porträt Lady Dianas schon zu Jahresbeginn starten und auch weitere Festivalhits des letzten Jahres wie Joachim Triers "The Worst Person in the World" oder Audrey Diwans Venedig-Sieger "L´événement" werden nicht allzu lange auf sich warten lassen. Pedro Almodóvars "Madres paralelas - Parallele Mütter" ist in der Schweiz schon zu sehen, in Österreich und Deutschland soll der neue Wurf des Spaniers im Frühjahr in die Kinos kommen.


Ebenfalls schon in den nächsten Monaten werden auch Guillermo del Toros Film noir-Remake "Nightmare Alley" sowie Kenneth Branaghs Nordirland-Drama "Belfast", das zu den Oscar-Anwärtern zählt, starten. Waren diese Filme schon auf dem einen oder anderen Festival zu sehen oder liefen schon in den US-Kinos an, so wird selbstverständlich auch die Premiere zahlreicher Filme erwartet, die sich derzeit in Post-Produktion befinden.


Gespannt sein darf man so, was Robert Eggers mit dem Wikingerfilm "The Northman" auf sein faszinierendes Psychodrama "The Lighthouse" folgen lässt. Lange wartet man auch schon auf die Präsentation von Terrence Malicks "The Way of the Wind", in dem es um Jesus gehen wird. Glanzvolles Ausstattungskino könnte Baz Luhrmanns Biopic über Elvis Presley bieten ("Elvis") und auch "Nope", der neue Horrorfilm von "Get Out" und "Us"-Regisseur Jordan Peele hat schon einen Starttermin (22. Juli).


Spekuliert wird selbstverständlich schon über mögliche Premieren bei der Berlinale und in Cannes. Von Claire Denis wird "Fire" erwartet und auch von Quentin Dupieux, dem Meister des absurden Humors, soll es einen neuen Film mit dem Titel "Incredible, But True" geben. Aus Deutschland wird mit "Music" ein neuer Film von Angela Schanelec erwartet und Christian Petzold arbeitet an einem neuen Projekt mit dem Titel "Die Glücklichen".


Von mehreren früheren Cannes-Siegern vermutet man, dass sie ihre Filme wieder an der Côte d´Azur vorstellen werden. Nach "The Square" präsentiert Ruben Ostlund mit "Triangle of Sadness" eine schwarze Komödie um zwei Models, in Nuri Bilge Ceylans "On Barren Weeds" soll sich dagegen ein Istanbuler Lehrer in einem abgelegenen Teil der Türkei mit Vorwürfen der Belästigung von Schülerinnen konfrontiert sehen.


Der Japaner Hirokazu Kore-eda hat in Südkorea mit südkoreanischer Besetzung mit "Baby, Box, Broker" einen Film über die Ablegung von Babys in Babyklappen gedreht, während der Koreaner Park Chan-Wook sich sechs Jahre nach dem brillant konstruierten und betörend schönen "Die Taschendiebin" mit dem Mystery-Thriller "Decision to Leave" im Kino zurückmelden soll.


Acht Jahre ist es schon her, dass David Cronenberg mit "Maps to the Stars" seinen letzten Film vorlegte, nun befindet sich mit "Crimes of the Future" ein neuer Horrorfilm in Postproduktion. Noch im Kino ist Wes Andersons "The French Dispatch", doch der Texaner arbeitet schon an der Fertigstellung der romantischen Komödie "Asteroid City", die in Spanien gedreht wurde.


Auch der neue Shooting-Star des Autorenfilms Ryusuke Hamaguchi arbeitet nach dem gefeierten "Drive My Car" schon an seinem neuen Film "Our Apprenticeship", der in Paris gedreht wurde. Aber auch von Altmeister Jean-Luc Godard wird ein neuer, derzeit noch titelloser Film erwartet. Gespannt sein darf man aber auch auf Kelly Reichardts "Showing up", auf den Umgang des "The Green Knight"-Regisseurs David Lowery mit der Peter Pan-Geschichte in "Peter and Wendy" oder auf "Poor Thing" von Yorgos Lanthimos und Andrew Dominiks Auseinandersetzung mit Marilyn Monroe in "Blonde" sowie Alejandro González Iñárritus “Bardo (or False Chronicle of a Handful of Truths)”.


Während die belgischen Regiebrüder Jean-Pierre & Luc Dardenne mit "Tori et Lokita" die Regelmäßigkeit, mit der sie alle zwei oder drei Jahre einen neuen Film vorstellen, fortzusetzen scheinen, liegt Abderrahmane Sissakos "Timbuktu" schon sieben Jahre zurück. Nun aber soll es mit "The Perfumed Hill" einen neuen Film des Mauretaniers geben. Lange Abstände liegen auch zwischen den Filmen des Briten Jonathan Glazer und ungewiss ist, ob neun Jahre nach seinem grandiosen "Under the Skin" nun wirklich sein Holocaust-Film "The Zone of Interest" fertig wird.


Während der Russe Andrei Zvyagintsev ("Leviathan"), der sein englischsprachiges Debüt "What Happens" in den USA drehte, schon zu den renommierten Meistern zählt, könnte sein Landsmann Kantemir Balagov nach dem Kritikererfolg mit "Beanpole" mit seinem dritten Spielfilm "Monica" der große internationale Durchbruch gelingen.


Neues wird mit "La Chimera" auch von Alice Rohrwacher angekündigt und auch "L´envol" von Pietro Marcello, dem zuletzt mit der Jack-London-Verfilmung "Martin Eden" ein großartiger Film gelang, soll sich in den Postproduktion befinden. Florian Zeller lässt auf den bejubelten "The Father" "The Son" folgen und gespannt wartet man auch auf den neuen, "RMN" betitelten Film des rumänischen Cannes-Siegers Cristian Mungiu.


Gespannt sein darf man 2022 aber auch auf James Grays "Armageddon Time" sein, in dem der Regisseur semiautobiographisch von seiner Kindheit im New Yorker Stadtteil Queens in den 1980er Jahren erzählt. Martin Scorsese widmet sich dagegen in "Killers of teh Flower Moon" einer Mordserie an reichen Angehörigen des Indianerstammes der Osage im Indianerreservat Osage County in Oklahoma in den 1920er Jahren. David Fincher soll mit "The Kiler", der von Netflix produziert wird, an "Seven" anknüpfen und ins Hollywood der Stummfilmzeit soll Damien Chazelle mit "Babylon" eintauchen, der Ende 2022 anlaufen soll.


Aber auch der neue Film von Ulrich Seidl sollte nun doch endlich seine Premiere feiern. Gedreht wurde "Böse Spiele" schon 2017/18, als Termin für die Fertigstellung wird vom österreichischen Filminstitut Frühjahr 2019 angegeben, dennoch scheint dieser Spielfilm über zwei Brüder, die von ihrer Vergangenheit eingeholt werden, immer noch nicht fertig zu sein.


In Produktion befindet sich aber auch "Club Zero", in dem sich Jessica Hausner mit dem extremen Ernährungskult beschäftigt, sowie Barbara Alberts Verfilmung von Julia Francks Roman "Die Mittagsfrau". Die Schweizerin Ursula Meier arbeitet dagegen mit "La Ligne" an einem Spielfilm über eine Frau, die nach einem Angriff auf ihre Mutter mit einem Annäherungsverbot belegt ist und alles versucht um ihre Tat wiedergutzumachen.


Nur ein kleiner Streifzug ist das freilich durch das, was 2022 im Kino zu erwarten ist – und manches wird wohl auch erst 2023 fertig werden. Manche Filme werden wohl auch enttäuschen, aber auch auf zahlreiche Überraschungen durch Regisseure und Filme, die hier nicht genannt wurden, kann gehofft werden.