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Diagonale ´26: Vorschau auf das Festival des österreichischen Films

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 6 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Vom 18. bis 23. März steht die steirische Landeshauptstadt Graz wieder ganz im Zeichen des österreichischen Films. Mit 149 Spiel-, Dokumentar-, Kurz-, Animations- und Experimentalfilmen wird die Diagonale wieder einen Überblick über das aktuelle österreichische Filmschaffen bieten. Gleichzeitig wird aber auch wieder in mehreren historischen Specials Einblick in spezielle Aspekte der österreichischen Filmgeschichte geboten.


Eröffnet wird die heurige Diagonale mit Markus Schleinzers bei der Berlinale uraufgeführtem historischem Drama "Rose". Mit großem Stilwillen und einer herausragenden Sandra Hüller in der Hauptrolle erzählt Schleinzer darin von einer Frau, die sich während und nach dem Dreißigjährigen Krieg als Mann ausgibt, um in der patriarchalen Gesellschaft ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.


Im Rahmen der Eröffnungsfeier in der Helmut List Halle wird auch der Große Diagonale-Schauspielpreis 2026 an die Schauspielerin Hilde Dalik verliehen. Die 1978 geborene Wienerin spielte nicht nur in zahlreichen Fernsehserien wie "SOKO Wien", "Der Bergdoktor", "Tatort" und vor allem "Vorstadtweiber", sondern unter anderem auch in den Kinofilmen "Contact High" (2009), "Maikäfer flieg" (2016) und zuletzt "Perla" (2025).


Im Wettbewerb um den mit 15.000 Euro dotierten Großen Diagonale-Preis Spielfilm des Landes Steiermark laufen elf Filme. Weltpremiere feiern hier Sebastian Brauneis´ Musical "AMS – Arbeit muss sein", in dem sich eine Gruppe Arbeitsloser gegen die Bürokratie stellt, sowie Matthias van Baarens Drama "Licht, kein Licht", das Fragen von Schuld und Zurechnungsfähigkeit aufwirft.


Maria Petschnig erzählt in ihrem Langfilmdebüt "Beautiful and Neat Room" humorvoll von den Schwierigkeiten des WG-Zusammenlebens in einem engen Appartement in Brooklyn, während Abu Bakr Shawky mit "The Stories" eine in Wien und Kairo spielende Culture Clash-Komödie vorlegt. Aber auch Magdalena Chmielewskas beim heurigen Max Ophüls Preis Filmfestival preisgekröntes Debüt "Teresas Körper", in dem sich die Regisseurin mit der psychischen Erkrankung ihrer Mutter beschäftigt, läuft in dieser Sektion.


Starke Konkurrenz gibt es für diese Filme nicht nur mit dem Eröffnungsfilm "Rose", sondern auch mit den schon in den Kinos angelaufenen "Mother´s Baby" von Johanna Moder, "Vier minus drei" von Adrian Goiginger, "White Snail" von Elsa Kremser und Levin Peter sowie "Welcome Home, Baby" von Andreas Prochaska.


16 Filme wurden für den ebenfalls mit 15.000 Euro dotierten Dokumentarfilmwettbewerb ausgewählt. Sieben davon werden in Graz ihre Weltpremiere feiern. Gespannt sein darf man auf "Wahlkampf", für den Harald Friedl SPÖ-Chef Andreas Babler und sein Team durch das Wahljahr 2024 begleitete, und auf "Meeting Götz", in dem Gregor Centner und Birgit Baumann den rechtsextremen Autor und Aktivisten Götz Kubitschek porträtieren.


Mehrere Regisseur:innen fokussieren auf ihrer eigenen Familie. So begleitete Massoud Bakhshi für "All My Sisters" über 18 Jahre seine beiden Nichten im Iran mit der Kamera und Tolga Karaaslan porträtiert in "Baba, What´s Your Plan?" ihren türkischstämmigen Vater und sein Warten auf die Invaliditätspension. Jola Wieczorek wiederum beschäftigt sich in "Die noch unbekannten Tage" mit der Flucht ihrer Eltern aus Polen.


Schon bei der Berlinale Weltpremiere feierten dagegen "WAX & GOLD", in dem Ruth Beckermann ausgehend von einem von Kaiser Haile Selassie erbauten Hotel in Addis Abeba in Gesprächen Vergangenheit und Gegenwart Äthiopiens erforscht, und "A Russian Winter", in dem Patric Chia sich der oppositionellen russischen Diaspora in Paris widmet.


Im Wettbewerb um den besten Kurzspielfilm kann man 14 bis zu 64 Minuten lange Filme, davon sieben Weltpremieren, entdecken, während in der Sektion Kurzdokumentarfilm 12 Produktionen, darunter neun Weltpremieren, konkurrieren. Dazu kommen 29 Filme, davon 13 Welt- und elf Österreichpremieren, im Wettbewerb innovativer Film.


Neben der Rundschau über das aktuelle österreichische Filmschaffen wird bei der Diagonale aber auch die Filmgeschichte gepflegt. So widmet sich ein Special unter dem Titel "Neue Unsicherheiten" dem österreichischen Dokumentarfilm der 90er Jahre. Nikolaus Geyrhalters Langzeitbeobachtung "Das Jahr nach Dayton" (1997), in dem der Regisseur eine Handvoll Menschen beim Wiederaufbau ihres Lebens nach dem Ende des Bosnienkriegs begleitet, wird dabei ebenso gezeigt wie "Totschweigen" (1994), in dem Margareta Heinrich und Eduard Erne den Massenmord an 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter:innen kurz vor Kriegsende 1945 im burgenländischen Rechnitz aufarbeiteten.


Egon Humer wiederum dokumentierte in "Postadresse: 2640 Schlöglmühl" (1990) die Folgen der Schließung einer Papierfabrik, die als eine der wichtigsten Arbeitgeberinnen der Region galt, während Gerhard Benedikt Friedl im Kurzfilm "Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte" (1997) den Wandel einer ganzen Stadt mit dem Schicksal einer Familie verband. Unter anderem können aber auch Barbara Alberts Porträt vier junger Menschen, die den Krieg in Sarajewo überlebten ("Somewhere", 1997), Nina Kusturicas Suche nach ihrer Jugendfreundin ("Draga Ljiljana", 2000) und Rainer Frimmels Porträt des Lebens des Wiener LKW-Fahrers Peter Haindl ("Aufzeichnungen aus dem Tiefparterre", 2000) in diesem Rahmen (wieder)entdeckt werden.


Das von Synema, einer Wiener Gesellschaft für Film und Medien, kuratierte Special "Girls Will Be Boys" bietet dagegen mit drei Filmen Einblick in Frauen in Hosenrollen im Kino der Zwischenkriegszeit. Dolly Haas verwandelt sich hier in "Der Page vom Dalmasse-Hotel" (1933) in einen Jungen, Renate Müller gibt sich in "Viktor und Viktoria" (1933) als Damenimitator aus, und Franziska Gaal wird zu "Peter, das Mädchen von der Tankstelle" (1934).


Aber auch der Duisburger Filmwoche ist anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens mit vier Filmen ein Schwerpunkt gewidmet. Neu ist die Film- und Gesprächsreihe "Und in der Mitte", die heuer mit fünf Filmen den Blick auf das Wirtshaus lenkt. Der Bogen spannt sich hier von Erich Neubergs "Der Himbeerpflücker" (1965) über Elizabeth T. Spiras "Alltagsgeschichte – Am Stammtisch. Ein Heimatfilm" (1988) bis zu Paul Harathers "Indien" (1993).


Dazu kommen eine umfassende Werkschau der Kurzfilme der Filmemacherin, Musikerin und Performerin Billy Roisz sowie des Isländers Hlynur Pálmason. Dessen Kurzfilme "A Painter" (2013), "Seven Boats" (2014) und "Nest" (20022) werden dabei ebenso zu sehen sein wie die großartigen Dramen "Winter Brothers" (2017), "A White, White Day" (2019) und "Godland" (2022) bis hin zu seinen neuesten Arbeiten "The Love That Remains" (2025) und "Joan of Arc" (2025). Zudem hält Pálmason eine Masterclass.


Neben dem Filmprogramm bietet die Diagonale aber auch wieder ein reiches Rahmenprogramm von Branchentreffen über das Street Cinema Graz mit einer Kurzfilmwanderung, bei der heuer im Lendviertel an Hauswänden und in Hinterhöfen temporäre Orte des Kinos geschaffen werden, bis zu einer Nightline mit Live-Konzerten und DJs.  



Weitere Informationen und das gesamte Programm finden Sie hier.


  

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