35. FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern: Eröffnung mit Dieter Schumanns "Garten der Hoffnung"
- Walter Gasperi

- vor 3 Stunden
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Als Gegenpol zu Hass und Konflikten beschwört Dieter Schumann in seinem Dokumentarfilm "Garten der Hoffnung", mit dessen Weltpremiere das 35. FILMKUNSTFEST MV startete, ein friedliches und bereicherndes Miteinander verschiedener Kulturen, sozialer Schichten und Generationen.
Feierlich wurde das 35. FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin mit Reden unter anderem der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und – anlässlich des Gastlands Island – des isländischen Botschafters S.E. Auđunn Atlason und gerahmt von Musik der isländischen Band Lon im prächtigen, vor 90 Jahren eröffneten Filmpalast Capitol eröffnet.
Nicht nur Drehbuchstipendien an Henning Beckhoff und Christian Petzold, der krankheitsbedingt nur eine Video-Botschaft schicken konnte, wurden verliehen, sondern auch der WIR-Vielfaltspreis. Dass dieser an "Garten der Hoffnung" von Dieter Schuman ging, der an diesem Abend erst die Weltpremiere feierte, kann nicht verwundern, denn ein bewegenderes Plädoyer für ein bereicherndes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, sozialer Schichten und Generationen wird man kaum finden.
Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich der 1953 im Bezirk Schwerin geborene Dieter Schumann mit Geschichte und Gegenwart seiner Heimat. Noch in DDR-Zeiten bot er in "flüstern & SCHREIEN – Ein Rockreport" (2018) Einblick in die Underground Musikszene des Arbeiter- und Bauernstaats und dokumentierte in den folgenden Jahrzehnten in "Wadans Welt – Von der Würde der Arbeit" (2010) den Niedergang der Wismarer Wadan Werft ebenso wie in "Neben den Gleisen" (2016) die Begegnungen von Menschen in einem ehemals an der deutsch-deutschen Grenze gelegenen Bahnhofskiosk.
In "Garten der Hoffnung" fokussiert Schumann nun ganz auf dem Schweriner Plattenbaugebiet Großer Dreesch – oder vielmehr auf der Brache zwischen den Wohnblöcken, die von den Bewohner:innen zu einem Gemüse- und Blumengarten umgestaltet wird.
Diese Umgestaltung ist dabei immer ein Bild für die Schönheit und Kraft der menschlichen Vielfalt. Denn in diesen kleinen Nachbarschaftsgärten ackern nicht nur in dieser Region aufgewachsene Menschen, sondern auch ein alter Afghane, ein geflohener Syrer oder eine Ukrainerin, die eigentlich Künstlerin ist. In ruhigem Rhythmus wechselt Schumann, dessen Liebe zu seinen zahlreichen Protagonist:innen im warmherzigen Blick immer spürbar ist, zwischen Bildern der Gartenarbeit und Erzählungen, der einzelnen Menschen, die berührend teils im Garten, teils in ihren Wohnungen Einblick in ihr Leben und Schicksal bieten.
Altersarmut wird hier ebenso sichtbar wie die Schwere des Verlusts eines Sohnes oder der Frau und der Schmerz über die jahrelange Trennung von der Familie aufgrund von Flucht oder die Trauer über den Verlust der Heimat aufgrund des Ukraine-Kriegs. Dem Bedrückenden steht aber immer wieder die Gartenarbeit – und vor allem die dort stattfindenden Feste mit Grillen und Musik gegenüber, mit denen diese bunte Gemeinschaft gefeiert wird, in der auch Kommunikationsprobleme mittels Zeichensprache überwunden werden.
Etwas zu bruchlos und glatt mag diese fast schon utopische Feier eines harmonischen und sich gegenseitig bereichernden Zusammenlebens sein, doch gerade in Zeiten von Hassreden und des Aufbaus von Feindbildern setzt dieser empathische Dokumentarfilm gleichsam als Leuchtturm der Menschenliebe und Menschlichkeit einen starken Gegenpol.




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