35. FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern – Eine Vorschau
- Walter Gasperi

- vor 1 Stunde
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Morgen (5.5.) beginnt in Schwerin das 35. FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern. Bis 10. Mai werden 118 Filme, davon 16 Welt- und 18 Deutschlandpremieren gezeigt. Besonders geehrt wird der Weltstar Armin Mueller-Stahl und ins Filmschaffen des heurigen Gastlands Island wird mit 15 Filmen und einem umfangreichen Rahmenprogramm Einblick geboten.
Eröffnet wird das 35. FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern mit der Weltpremiere von Dieter Schumanns "Garten der Hoffnung". Der Mecklenburger Regisseur porträtiert in seinem Dokumentarfilm das bereichernde Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Ländern und sozialen Schichten in einer Schweriner Plattenbausiedlung.
In vier Wettbewerben werden Preise im Wert von insgesamt 50.200 Euro vergeben. Im Spielfilmwettbewerb konkurrieren zehn Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unter anderem um den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis "Der fliegende Ochse".
Mit "Gropiusstadt Supernova" von Ben Voit kann man hier den mit einem minimalen Budget gedrehten Siegerfilm des heurigen Max Ophüls Filmpreis ebenso entdecken wie das Schweizer Feelgood-Movie "Hallo Betty", in dem Pierre Monnard von der Erfindung der Kochfigur Betty Bossy durch die Werbetexterin Emmi Creola-Maag erzählt. Mit "Our Girls" gibt es aber auch ein österreichisch-niederländisches Drama, in dem die Freundschaft zweier Ehepaare durch einen Unfall ihrer beider Teenager-Töchter Risse bekommt.
Ein neuer Film der Altmeisterin Ulrike Ottinger fehlt mit "Die Blutgräfin", der mit Isabelle Huppert, Birgit Minichmayr und Lars Eidinger hochkarätig besetzt ist, ebenso wenig wie mit "Der Heimatlose" Kai Stänickes bei der heurigen Berlinale viel beachtetes Debüt. Gespannt sein darf man aber auch auf Erik Bernasconis im Tessin der 1970er Jahre spielenden Coming-of-Age-Film "Becaaria" und Sophie Heldmans im Edinburgh des frühen 19. Jahrhundert angesiedeltes Historiendrama "The Education of Jane Cumming".
Dazu kommen mit Kilian Armando Friedrichs "Ich verstehe ihren Unmut" ein Sozialdrama um eine Reinigungskraft, mit Abu Bakr Shawkys "The Stories" eine zwischen Ägypten und Österreich pendelnde Familiengeschichte und mit Faraz Shariats "Staatsschutz" ein Thriller um eine junge Staatsanwältin, die im Fall eines rassistischen Anschlags auf eigene Faust ermittelt.
Im Dokumentarfilmwettbewerb trifft der Eröffnungsfilm "Garten der Hoffnung" unter anderem auf "Die noch unbekannten Tage", in dem Jola Wieczorek feinfühlig die Migration ihrer Familie von Polen nach Österreich in den 1980er Jahren aufarbeitet, und auf "Melt", in dem Nikolaus Geyrhalter in seinem unverkennbaren Stil in großartigen kommentarlosen Totalen die Folgen des Klimawandels aufdeckt.
Während Lena Karbe in "Innere Emigranten" den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die russische Gesellschaft nachspürt, zeichnet Lutz Pehnert in "Kommunist" die Geschichte von Erwin Krenz nach, der kurz vor dem Ende der DDR zum ersten Mann des Staates wurde. Daniela Magnani Hüller wiederum kehrt in "Was an Empfindsamkeit bleibt" 14 Jahre, nachdem sie einen versuchten Femizid durch einen Mitschüler überlebt hat, zu den prägenden Momenten und Menschen von damals zurück. Martin Gressmann spürt dagegen in "Weißer Rauch über schwarze Pumpe" der Veränderung eines ehemaligen Braunkohle- und Industriezentrums der DDR seit der Wende nach.
Preise werden aber auch im Kurzfilm- und im Kinder- und Jugendfilmwettbewerb verliehen. In letzterem spannt sich das Filmangebot von "Cyberpunk Romance", in dem Joscha Douma vom Kontrollverlust in einer technisierten Zukunft erzählt, bis zum Pferdefilm "Pferd am Stiel".
Einblick in die Karriere des Weltstars Armin Mueller-Stahl, der in Schwerin mit dem "Goldenen Ochsen" ausgezeichnet wird, bietet eine Hommage mit zehn Filmen. Mit der Auswahl der Filme vom DEFA-Klassiker "Nackt unter Wölfen" von Frank Beyer (1965) bis zu David Cronenbergs Thriller "Easter Promises" (2007) und von Bernhard Sinkels "Der Kinoerzähler" (1993) über Costa-Gavras "Music Box – Die ganze Wahrheit" (1989) bis zu Matthias Gabriels Dokumentarfilm "Armin Mueller-Stahl – Es gibt Tage" (2018), der den Schauspieler als Geiger und Maler zeigt, wird ein eindrückliches Bild einer vielfältigen und herausragenden Karriere vermittelt.
Ergänzt werden die Filme dabei auch durch die Ausstellungen "Armin Mueller-Stahl – Zwischen den Bildern" im Staatlichen Museum Schwerin und "Filme, Farben, Formen" im Schleswig-Holstein-Haus, die den Schauspieler als bildenden Künstler präsentieren, durch das Konzert "Es gibt Tage …" mit der Armin Mueller-Stahl-Band sowie ein Werkstattgespräch mit dem Filmjournalisten Knut Elstermann.
Dazu kommt ein Schwerpunkt zum Gastland Island, der mit neun Langfilmen und sechs Kurzfilmen Einblick in das Filmschaffen des Inselstaates bietet. Neben aktuellen Produktionen wie Hlynur Palmasons "The Love That Remains" oder Rúnar Rúnarssons Kurzfilm "O" kann hier auch der zweiteilige Stummfilm "Die Leute auf Borg" (wieder)entdeckt werden, der 2020 zu seinem 100. Jubiläum restauriert und mit einer neuen Musik versehen wurde.
Ergänzt wird dieser filmische Blick auf Island durch ein Rahmenprogramm, das unter anderem ein Konzert mit isländischer Folk-Musik, eine Lesung mit dem deutsch-isländischen Autor Kristof Magnusson, eine Fotoausstellung von Anke Berger und Volker Janke, eine Märchenlesung für Kinder und einen Vortrag zum Thema "Island im Spiegel des Dokumentarfilms" bietet.
Dazu kommen weitere Programmschienen mit Filmen, die in Mecklenburg-Vorpommern gedreht wurden, und mit Produktionen des NDR sowie das französische Schulfilmfestival Cinéfête, Sonderveranstaltungen, Talks und eine Masterclass mit Christoph Petzold, der ebenso wie Henning Beckhoff ein Drehbuchstipendium erhält.
Weitere Informationen und den Festivalkatalog zum Download finden Sie hier.



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