47. Filmfestival Max Ophüls Preis: Hauptpreis für "Gropiusstadt Supernova"
- Walter Gasperi

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Mit Ben Voits "Gropiusstadt Supernova" zeichnete die Jury ein kraftvolles, mit starker Bildsprache beeindruckendes Spielfilmdebüt mit dem mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis aus. Weitere Preise gingen im Spielfilmwettbewerb unter anderem an Ali Tamims "Noah" und an Milena Aboyans und Constantin Hatz´ "Wovon sollen wir träumen".
Stark und vielfältig präsentierte sich der Spielfilmwettbewerb des 47. Filmfestival Max Ophüls Preis. Auch der Hauptpreis ging mit Ben Voits "Gropiusstadt Supernova" an ein filmisch aufregendes Debüt. Gerade einmal 13.000 Euro sollen laut Voit, der an der Filmuniversität Babelsberg Spielfilmregie studiert, die Produktionskosten betragen haben.
Auf einen Silvesternachmittag und -abend konzentriert sich der Film. Im Mittelpunkt steht der junge Luan, der an diesem Tag erfährt, dass sein älterer Bruder abgeschoben werden soll und seine Freundin Stella an einer Schauspielschule in den USA angenommen wurde. Um die Trennung von diesen beiden geliebten Menschen zu verhindern, hetzt er durch Berlin-Gropiusstadt, während im Hintergrund Feuerwerkskörper und Raketen den Himmel erhellen.
Von Anfang an beschwört Voit mit nah geführter Kamera und rasantem Schnitt die Hektik der Großstadt, aber später auch die Getriebenheit Luans. Großartig spielt der Debütant mit Licht und Farben und schafft mit ruhigen Szenen auch immer wieder poetisch-melancholische Momente. Frische und Drive entwickelt so der visuell aufregende Film, der schon gespannt auf weitere Filme dieses Regisseurs warten lässt.
Der Drehbuchpreis sowie der Preis für den gesellschaftlich relevanten Film wurde dagegen an Ali Tamim für "Noah" vergeben, den mit "Gropiusstadt Supernova" die kraftvoll zupackende Inszenierung und die Großstadtatmosphäre verbinden.
Der Publikumspreis und der Preis der Ökumenischen Jury geht dagegen an Milena Aboyans und Constantin Hatz´ "Wovon sollen wir träumen". Mit einer starken Szene eröffnen Aboyan, der schon vor drei Jahren mit "Elaha" ein beeindruckendes Debüt gelang, und Hatz ihren Episodenfilm.
In einer Plansequenz schildern sie, wie ein Konflikt an einer Lebensmittelausgabe eskaliert. Fast nur hier treffen eine kurdische Migrantin, eine junge Freigängerin im offenen Strafvollzug und eine verheiratete Polizistin aufeinander. Getrennt wird das Regieduo danach den drei Frauen folgen, gleichzeitig werden durch Nebenfiguren, die in den verschiedenen Episoden kurz auftauchen, die Geschichten doch wieder verbunden.
Mit genauem Blick für Situationen und getragen von den drei großartigen Hauptdarstellerinnen Bayan Layla, Lea van Acken und Luise Aschenbrenner zeichnen Aboyan und Hatz ein differenziertes Bild von innerlich gefangenen Frauen. Während die Polizistin nämlich zunehmend unter ihrem dominanten und rasch die Beherrschung verlierenden Mann leidet, versucht die junge Kurdin einerseits in Deutschland Fuß zu fassen und ist andererseits in Gedanken doch immer wieder in ihrer von Angriffen bedrohten syrischen Heimat. Die Freigängerin wiederum belastet nicht nur das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter, sondern auch schwere Schuldgefühle.
Doch Aboyan / Hatz verbreiten nicht Hoffnungslosigkeit, sondern erzählen bewegend von einer langsamen Befreiung und Selbstfindung, bieten aber keine einfachen Lösungen, sondern lassen ihren Film zwar hoffnungsvoll, aber offen enden.
Den Preis für die beste Regie vergab die Jury an die in Wien wohnende gebürtige Polin Magdalena Chmielewska, die in "Teresas Körper" in fragmentarischer Bildsprache das Porträt einer 67-jährigen Frau zeichnet, deren Leben von Schmerzen bestimmt wird.
Etwas überraschend ist doch, dass "Wolves" des Schweizers Jonas Ulrich nicht nur mit dem Preis der Jugendjury, sondern auch mit dem Preis der Filmkritik ausgezeichnet wurde. Atmosphärisch dicht und authentisch schildert Ulrich zwar das Milieu der Black Metal-Szene, doch die Coming-of-Age Geschichte der 23-jährigen Luana, die vor ihrer Helikopter-Mutter in dieses Milieu flüchtet, in dem sie die Liebe zum Frontsänger lange blind für dessen nazistische Überzeugung macht, bewegt sich doch sowohl inhaltlich als auch formal in allzu bekannten Bahnen.
Preise wurden aber auch in den Kategorien Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm vergeben. – Die gesamte Liste der Preisträger:innen finden Sie hier.
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