top of page

Crossing Europe 2026: Konträre filmische Erzählweisen

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 1 Stunde
  • 2 Min. Lesezeit
Crossing Europe Linz 2026: "Ninja Motherf*cking Destruction" von Lotta Schwerk" und "Justa" von Teresa Villaverde
Crossing Europe Linz 2026: "Ninja Motherf*cking Destruction" von Lotta Schwerk" und "Justa" von Teresa Villaverde

Spannend ist bei Filmfestivals auch immer wieder, wie unterschiedliche filmische Erzählweisen aufeinanderprallen: Während so in der Jugendschiene YAAS! Mit Lotta Schwerks "Ninja Motherf*cking Destruction" ein Film läuft, der von seiner jugendlichen Frische lebt, wird in der Sektion European Panorama Fiction mit Teresa Villaverdes "Justa" klassisches Arthouse-Kino geboten.


2019 wurde beim Crossing Europe Film Festival Linz die Programmschiene YAAS! geschaffen, die speziell ein jugendliches Publikum ansprechen soll. So werden folglich auch die Filme von Oberstufenschüler:innen kuratiert und auch die Jury wird von Teenagern gebildet. Mit Schulvorstellungen wird dabei zudem ein zusätzliches Publikum gewonnen und im Idealfall über das Festival hinaus Lust auf Kino abseits des Mainstreams geweckt. Zudem wird mit einem Videoprojekt Jugendlichen die Möglichkeit geboten, in Kooperation mit der Kunstuniversität Linz während des Festivals in Teams eigene Kurzfilme zu realisieren.


Die für das Programm ausgewählten Filme widmen sich dabei nicht nur immer jugendlichen Lebenswelten, sondern erzählen vielfach auch auf ganz eigene, unverbrauchte und frische Art. Teilweise ist das freilich auch sehr begrenzten Budgets und dem autodidaktischen Zugang der Filmemacher:innen zu verdanken. Ganz ohne Förderung und ohne Ausbildung an einer Filmschule drehte so Lotta Schwerk über einen Zeitraum von acht Jahren ihren Spielfilm "Ninja Motherf*cking Destruction".


Erzählt wird in 79 Minuten die Geschichte der bewegten Freundschaft von Leonie und Marlene, die zumindest Risse bekommt, als Leonie sich in die psychisch labile Naomie verliebt. Stark fragmentiert und sehr sprunghaft ist die Handlung angesichts des sich über Jahre spannenden Handlungsrahmens, aber dicht und authentisch fängt Schwerk mittels der nah geführten und bewegten Kamera von Fion Mutert sowie dem unverschämt natürlichen Spiel ihrer Hauptdarstellerinnen das Lebensgefühl und die Orientierungssuche dieser jungen Erwachsenen ein.


Die Kraft der Freundschaft bei psychischen Problemen, aber auch die Belastung durch die Situation der Freundin werden so ebenso angeschnitten, wie die Suche nach dem Platz im Leben mit Einzug in eigene Wohnung, Studium oder Job in einem Lebensmittelladen und anschließender Ausbildung in einem landwirtschaftlichen Betrieb.


Einen Gegenpol zu diesem vitalen und lebensnahen Kino kann man in "Justa" der Portugiesin Teresa Villaverde sehen. Ganz im Gegensatz zum unbekümmerten Zugriff Schwerks auf ihre Protagonistinnen ist jede Einstellung des im engen 4:3 Format gedrehten Films überlegt gewählt und genau kadriert. Auch Farbgebung und Lichtsetzung sind so abgestimmt, dass viele Einstellungen wie Gemälde wirken.


Wenn "Justa" einsetzt ist der große Waldbrand, der im Sommer 2017 in Portugal mindestens 65 Menschen das Leben kostete, schon vorüber. Verkohlte und entwurzelte Bäume künden von den Folgen für die Natur, doch Villaverde richtet den Blick auf mehrere Überlebende unterschiedlicher Generationen, die durch die Katastrophe Angehörige verloren und selbst Verletzungen davongetragen haben.


Der Bogen spannt sich von der erblindeten Seniorin, deren Mann im Feuer umgekommen ist, über den Mann, dessen Körper mit Brandnarben übersät ist, und seine Tochter Justa, die psychologische Betreuung erhält, bis zu einem jungen Mann, der seine Eltern verloren hat.


In ruhigen und langen Einstellungen erzählt Villaverde in Manier des klassischen Slow Cinema von der Stille nach der Katastrophe und der langwierigen, aber nicht unmöglichen Suche nach einem neuen Aufbruch und einem Weiterleben. - Ein Film, der Geduld verlangt, aber gerade durch seine langsame Erzählweise Kraft und nachhallende Wirkung entwickelt.

bottom of page