Filmbuch: John Carpenter – Horror und Apocalypse
- Walter Gasperi

- 26. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Mit Filmen wie "Assault on Precinct 13" (1976), "Halloween" (1978), "Escape from New York" ("Die Klapperschlange", 1981) und "The Thing" ("Das Ding aus einer anderen Welt", 1982) machte sich John Carpenter einen Namen als Meister des modernen Genrekinos. Das bei "Deadline – Das Filmmagazin" erschienene Buch bietet auf 350 Seiten einen vielschichtigen Einblick in das Œuvre des 1948 geborenen Amerikaners.
Das klassische Genrekino schien in den 1970er Jahren tot zu sein, doch dann kam John Carpenter mit seiner Liebe zu den großen Meistern Howard Hawks und Alfred Hitchcock. Unübersehbar orientierte er sich an deren Filmen, spitzte diese aber mit seinem Minimalismus und der von ihm selbst komponierten Synthesizer-Musik immer wieder meisterhaft zu.
Die Herausgeber Pelle Felsch, Andreas Rauscher und Marcus Stiglegger bieten keine chronologisch geordneten Analysen der Filme Carpenters, sondern lassen vielmehr rund ein Dutzend Autoren in Essays einzelne Aspekte detailliert beleuchten. Auf einen gemeinsamen Streifzug von Felsch, Rauscher und Stiglegger durch Carpenters Œuvre, das sie immer wieder in den Kontext des zeitgenössischen Filmschaffens stellen und Unterschiede aufzeigen, folgt so ein Beitrag von Stefan Jung, der Carpenters Arbeit mit Western-Motiven und dem Frontier-Mythos analysiert.
Während Lioba Schlösser das Männlichkeitsbild in den Filmen dieses Genremeisters detailreich untersucht, blickt Stefan Jung in einem weiteren Essay in detaillierter Analyse von "Someone´s Watching Me!" ("Das unsichtbare Auge", 1978) vor allem auf die Rolle des Voyeurismus in diesem TV-Film, der vielfach als Nebenwerk gilt. Pelle Felsch zeigt dagegen auf, wie sich Belagerungsszenarien und das Sprengen von Systemen durch Carpenters Filme von seinem Debüt "Dark Star" (1974) über die Meisterwerke "Assault on Precinct 13" und "Halloween" bis zu "The Thing" und "In the Mouth of Madness" ("Die Mächte des Wahnsinns", 1994) ziehen.
Sebastian Seidler wiederum arbeitet anhand von "Dark Star" als Gegenversion zu Kubricks sakralem "2001", dem parodistischen "Big Trouble in Little China" (1986), dem satirischen "They Live" (1988) und der "Escape from New York" ("Die Klapperschlange")-Fortsetzung "Escape from L.A." (1996) Carpenters Spiel mit Elementen des Camp heraus.
Dem Blick Mark Schmitts auf den Pessimismus Carpenters, speziell in seiner "Apocalypse"-Trilogie "The Thing", "Prince of Darkness" ("Die Fürsten der Finsternis", 1987) und "In the Mouth of Madness", steht Jakob Larischs Beitrag gegenüber, der anhand von "Halloween", "Christine" (1983) und dem Remake von "Village of the Damned" (1995) anschaulich herausarbeitet, wie der Amerikaner Generationenkonflikte in Horrorfilme verpackt, die immer wieder in einem destruktiven und reaktionären suburbanen Milieu spielen.
Während Herausgeber Andreas Rauscher die Unterschiede zwischen Quentin Tarantinos postmodernem Zitieren und Carpenters ironiefreiem Verfahren der Variation, Abstraktion und Reflexion aufzeigt, spürt Paul Poet der Frage nach, was die Filme Carpenters von ähnlich angelegten Produktionen unterscheidet und zu kulturellen Wegbereitern macht.
Auf Alexander Nyms spannenden Blick auf die Vereinnahmung des als satirische Kritik an der Reagan-Ära angelegten "They Live" in den folgenden Jahrzehnten durch Verschwörungstheoretiker unterschiedlichster Richtungen folgt Sandra Danneils und Sarah Reininghaus´ Vergleich der Charakterisierung des Final Girl im originalen "Halloween" und in David Gordon Greens 40 Jahre später entstandenem Sequel "Halloween" (2018). Die Autorinnen arbeiten mit detailreicher Analyse anschaulich den auch durch die #meToo-Bewegung verstärkten Wandel vom verängstigten Opfer zur entschlossen den Männern entgegentretenden Kämpferin heraus. Dieser Entwicklung vom reagierenden Objekt zum handelnden Subjekt wird dabei der Autoritätsverlust der Männer gegenübergestellt.
Dazu kommen ein Streifzug von Kevin Portz durch die Filmmusik Carpenters bis hin zu seiner zweiten Karriere als Musiker sowie ein ausführlicher Beitrag von Kay Pinno zur vielfach negativen Reaktion der Filmkritiker auf die Filme des Meisterregisseurs, der seit "The Ward" (2010) keinen Film mehr gedreht hat.
Abgerundet wird der durch farbige Filmplakate und -stills zwischen den einzelnen Beiträgen reich bebilderte Band, dem aber eine Nachbesserung durch ein Lektorat nicht schaden würde, durch zehn Fragen von Marcus Stiglegger und Danilo Vogt an den Porträtierten sowie ein Interview von Leonhard Elias Lemke. Als Bonus gibt es zudem die CD " Skull City – The Return of Snake", mit der die Musiker Sven Bergmann und Oliver Bartkowski der Filmmusik John Carpenters ihre Reverenz erweisen.
Pelle Felsch, Andreas Rauscher, Marcus Stiglegger (Hg.), John Carpenter. Horror und Apocalypse, Deadline – Das Filmmagazin, St. Ingbert 2025, 354 S., € 39,80, ISBN 978-3982428819




Kommentare