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  • AutorenbildWalter Gasperi

Diagonale ´23: Neues vom österreichischen Film

Aktualisiert: 26. März 2023


Das Grazer Filmfestival Diagonale bietet vom 21. bis 26. März mit 115 Spiel-, Dokumentar-, Kurz-, Animations- und Experimentalfilm wieder einen Überblick über das aktuelle österreichische Filmschaffen. Gleichzeitig wird in mehreren historischen Specials aber auch Einblick in spezielle Aspekte der österreichischen Filmgeschichte geboten. – Der Kartenvorverkauf startet am 15. März.


Eröffnet wird die heurige Diagonale, die letztmalig von Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber geleitet wird, mit der Weltpremiere von Viktoria Schmids siebenminütigem experimentellem Kurzfilm "NYC-RGB" sowie der anschließenden Österreichpremiere von Patric Chihas bei der Berlinale uraufgeführtem Spielfilm "Das Tier im Dschungel". Bei der Präsentation dieser "pulsierenden Ode and die großstädtische Clubkultur und die befreiende Macht des Sichverlierens im Rausch des Tanzes, des Lebens und der Liebe" (Diagonale Presseaussendung) werden auch zahlreiche Mitglieder des Filmteams anwesend sein.


Im Rahmen der Festivaleröffnung wird auch der "Große Diagonale-Schauspielpreis 2023" an Margarethe Tiesel verliehen, die in Barbara Alberts "Nordrand" (1999) ebenso mitspielte wie in Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" (2012), Fatih Akins "Der Goldene Handschuh" (2019) oder Wolfgang Murnbergers Brenner-Krimi "Das ewige Leben" (2015).


Im Wettbewerb um den Großen Diagonale-Preis des Landes Steiermark für den besten Spiel- und den besten Dokumentarfilm sowie zahlreiche weitere Preise konkurrieren 115 Produktionen. Weltpremieren stehen hier neben Filmen, die schon in den Kinos liefen wie Marie Kreutzers "Corsage", David Wagners packendem Debüt "Eismayer", Lena Lauritschs bildmächtigem Science-Fiction-Film "Rubikon", Adrian Goigingers "Der Fuchs", Tizza Covis und Rainer Frimmels großartigems semidokumentarischem Porträt der Tochter des Italo-Western Stars Giuliano Gemma "Vera" oder Ruth Beckermanns Dokumentarfilm "Mutzenbacher".


Österreichpremiere feiern in Graz dagegen unter anderem mit "Böse Spiele – Rimini Sparta" die vernetzte und erweiterte Fassung von Ulrich Seidls Spielfilmen "Rimini" und "Sparta" sowie mit "Alma und Oskar" Dieter Berners Spielfilm über die leidenschaftliche Beziehung zwischen Alma Mahler und Oskar Kokoschka.


Aber auch auf Achmed Abdel-Salams Horrorfilm "Heimsuchung", in dem eine Frau mit ihrer Tochter ins Haus ihrer Kindheit zurückkehrt, wo sie bald verdrängte Erinnerungen einholen, sowie Chris Raibers Liebesdrama "Sterne unter der Stadt" darf man gespannt sein.


Sebastian Brauneis präsentiert mit "Die Vermieterin" laut Festivalinfo eine Mischung aus Wohnungsmarktkrimi und Mietrechtsmusical, während im Mittelpunkt von Franziska Pflaums Langfilmdebüt "Mermaids Don´t Cry" eine Supermarktverkäuferin steht, die für Meerjungfrauen schwärmt und versucht Geld für eine teure Meerjungfrauenflosse aufzutreiben. Radikales Kino der Entschleunig darf man von Ludwig Wüsts neuem Spielfilm "I AM HERE!" erwarten und Johannes Grenzfurthner legt mit "Razzennest" einen satirischen Horrorfilm vor.


Im Dokumentarfilmbereich setzt Marko Doringer in "Mein Leben – Dein Leben" seine sehr persönliche Spurensuche fort, indem er seine Freunde und Freundinnen besucht, aber sich auch mit der Eltern- und Großeltern-Generation auseinandersetzt. Bianca Gleissinger setzt sich dagegen in "27 Storeys – Alterlaa Forever" mit dem titelgebenden Wiener Wohnpark auseinander, in dem 10.000 Menschen leben.


Nikolaus Geyrhalter widmet sich in dem schon letztes Jahr in Locarno uraufgeführten "Matter Out of Place" dem weltweiten Umgang mit Müll und Katharina Mückstein zeigt in "Feminism WTF" auf, welche Themenvielfalt unter dem Begriff "Feminismus" aktuell verhandelt wird. In die Geschichte tauchen Christian Krönes und Florian Weigensamer ein, die in "A Boys Life" die Odyssee des erst neunjährigen Daniel vom Ghetto im litauischen Kaunas über sechs Konzentrationslager bis nach Palästina nachzeichnen.


Wer bislang Claudia Müllers Dokumentarfilm "Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen" verpasst hat, kann diesen in Graz nachholen. Seine Uraufführung feiert dagegen "Archiv der Zukunft", in dem Joerg Burger das Naturhistorische Museum in Wien porträtiert. Zu einer Reise durch die Wiener Musikszene von Voodoo Jürgens über Nino aus Wien bis Kerosin95 lädt dagegen Philipp Jedicke mit "Vienna Calling" ein.


Nicht übersehen sollte man aber auch den bei der Berlinale preisgekrönten Dokumentarfilm "De Facto", in dem sich Selma Deborac in minimalistischer Inszenierung mit "Täterschaft sowie den Möglichkeiten und Grenzen des Dokumentarischen im Kontext von Verbrechen gegen die Menschlichkeit" (filmdienst.de) auseinandersetzt. Aber auch das umfangreiche Kurzfilmprogramm sowie die Reihe mit aktuellen innovativen Filmen sind sicherlich für spannende Entdeckungen und Überraschungen gut.


Die Schiene zur Person widmet sich dem 1968 geborenen Filmemacher und Drehbuchautor Goran Rebic, der sich in seinen Kurz-, Dokumentar- und Spielfilmen mit dem Zerfallsprozess Jugoslawiens und der Donau als europäischer Lebensader ebenso auseinandersetzte wie mit der Arbeitsmigration nach Wien oder der Unabhängigkeit und dem Bürgerkrieg in Georgien. Gerahmt werden die Vorführungen dabei von vertiefenden Gesprächen, dem Werkstattgespräch "Ich bin Geschichte – Filmen zwischen den Zeiten" sowie einer Listening Session.


Dazu kommen zwei historische Specials. Unter dem Titel "Finale" werden Filme gezeigt, die sich Endzeitdarstellungen und Abgründen widmen. Der Bogen spannt sich hier von Andreas Prochaskas Alpenwestern "Das finstere Tal" über Marvin Krens Zombiefilm "Rammbock" bis zu Michael Glawoggers Dokumentarfilm "Frankreich, wir kommen!", der von der Reise der österreichischen Nationalmannschaft zur Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich und den Spielen gegen Chile, Kamerun und Italien erzählt.


Das historische Special "Action! Action", das von SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien verantwortet wird, richtet den Fokus dagegen auf den Kritiker und Regisseur Bernhard Frankfurter (1946 – 1999). In jahrelanger Arbeit gelang es SYNEMA den Nachlass von Frankfurter zu sichern und aufzuarbeiten, sodass es nun erstmals eine mehrteilige Schau zu Ehren des gebürtigen Grazers gibt. Auf Schieflagen und den Wandel der österreichischen Industrielandschaft fokussierte Frankfurter mit Filmen über die Akkordarbeit von Näherinnen ("Frauen von G", 1977) und den Niedergang des Erzabbaus in der Steiermark ("Erz Schmerz", 1984) ebenso wie auf der Emigration von Filmschaffenden während der NS-Zeit ("On the Road to Hollywood", 1982) oder dem Auschwitz-Arzt Josef Mengele (SS-Nr. …. (Ein SS-Arzt in Auschwitz), 1984).


Weiters gibt es die Schiene "In Referenz", in der heuer unter dem Titel "Magic Marisa" die Schauspielerin Marisa Mell, die in den 1960er und 1970er Jahren als österreichische Sophia Loren galt, mit vier Filmen vorgestellt wird. In dieser Schiene werden aber auch Ludwig Wüsts bisher unveröffentlichte Studien "ABC" in Bezug zu dessen Wettbewerbsfilm "I AM HERE!" und Reinhard Juds Dokudrama "Kameni Grad – Stadt aus Stein" in Bezug zum Bernhard Frankfurter-Special gesetzt.


Dazu lädt eine Ausstellung im Graz Museum zur intensiveren Auseinandersetzung mit Marisa Mell ein, während es in der Kunsthalle Graz David Reumüllers installatives Filmsetszenario und im Kunsthaus Graz eine Ausstellung Anna Spanlangs, die für den Diagonale ´23-Trailer verantwortlich zeichnet, gibt. Aber auch ein Filmangebot für Kinder fehlt nicht.



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Weitere Informationen zur Diagonale sowie das komplette Programm finden Sie hier.


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