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  • AutorenbildWalter Gasperi

Cannes 2024: Von Coppola und Lanthimos bis zu George Millers "Furiosa: A Mad Max Saga"

In den letzten Wochen wurden noch einige Filme für das 77. Filmfestival von Cannes (14. – 25. 5. 2024), das morgen startet, nachnominiert. Im Wettbewerb um die Goldene Palme kommen so neue Filme von Mohammad Rasoulof und Michel Hazanavicius zum spannenden Mix aus Almeistern und jüngeren Regisseuren dazu: Den über 80-jährigen Regielegenden Francis Ford Coppola, Paul Schrader und David Cronenberg stehen mit Coline Fargeat, Payal Kapadia und Agathe Riedinger drei noch weitgehend unbekannte Regisseurinnen gegenüber.


Gespannt sein darf man unter den Neuzugängen vor allem auf "The Seed of the Sacred Fig" von Mohammad Rasoulof. Nach dem Berlinale-Sieg mit "There Is No Evil" vor vier Jahren steigt Rasoulof damit in den Wettbewerb des bedeutendsten Festivals ein. Gleichzeitig legt er sich aber mit diesem Film, in dem es um einen Richter des Revolutionsgerichts geht, der sich mit den landesweiten Protesten auseinandersetzen muss, offensichtlich mit den iranischen Behörden an. Denn das Regime drängte darauf den Film zurückzuziehen und verurteilte Rasoulof vor wenigen Tagen zu acht Jahren Haft und Auspeitschung (!). - Rasoulof, der schon 2010 zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, die nicht vollzogen wurde, und schon im Juli 2022 verhaftet worden war, ist inzwischen nach Europa geflohen.


Erstmals seit "Waltz With Bashir" im Jahr 2008 wurde mit Michel Hazanavicius´ "Precious Cargoes" ein Animationsfilm in das Palmen-Rennen eingeladen. Aber auch der noch unbekannte Rumäne Emanuel Pârvu könnte mit "Three Miles to the End of the World" im Wettbewerb Akzente setzen.


Aber auch in den Nebenreihen gab es einige Nachnominierungen wie Oliver Stones Dokumentarfilm "Lula", Arnaud Desplechins "Spectateurs", Lou Yes Covid-Doku "An Unfinished Film" und Alexandre De La Patellière and Matthieu Delaporte "The Count of Monte Christo" wurden nachnominiert.


Eröffnet wird das 77. Filmfestival von Cannes - wie schon gemeldet - mit Quentin Dupieux´ neuer Komödie "Le Deuxième Acte", bei der sich der Franzose mit 77 Minuten gewohnt kurz hält und wohl auch wieder schräg-absurde Kinokost bieten wird.


Während in den letzten Jahren der Wettbewerb immer mit einem Schaulaufen ehemaliger Cannes-Sieger auftrumpfte, kann heuer einzig Francis Ford Coppola schon auf eine Goldene Palme - in seinem Fall sogar auf zwei, nämlich für "The Conversation" 1975 und für "Apocalypse Now" 1979 - verweisen.


Für größte Spannung sorgte dabei schon im Vorfeld die Frage, ob sein Science-Fiction-Epos "Megalopolis" in Cannes präsentiert werden wird. Kein Film wird wohl für mehr Aufsehen sorgen als diese Rückkehr des 85-jährigen Regisseurs der "The Godfather"-Trilogie und "Apocalypse Now". Nach den ersten Test-Screenings ist freilich anzunehmen, dass Coppolas erster Film seit 13 Jahren auch an der Côte d´Azur polarisieren wird, denn die Bandbreite erster Stimmen reichen von "experimentell" und "Meisterwerk" über "verwirrend" und "Arbeit eines Verrückten" bis zu "ein Film für ein Museum".


Während David Cronenberg mit "The Shroud" wohl den Body-Horror bietet, für den der Kanadier bekannt ist, darf man gespannt sein, was die Britin Andrea Arnold nach ihrem Dokumentarfilm "Cow" mit ihrem Spielfilm "Bird" präsentiert. Yorgos Lanthimos könnte es dagegen gelingen mit "Kinds of Kindness" nach dem Löwen-Gewinn letzten Herbst in Venedig mit "Poor Things" nun auch gleich die Goldene Palme zu holen.


Immer zu überraschen versteht auch der Franzose Jacques Audiard, der nach dem Liebesfilm "Les Olympiades – Wo in Paris die Sonne aufgeht" mit "Emilia Perez" eine Musical-Komödie um einen mexikanischen Drogenbaron vorlegt. Zu den spannendsten jüngeren US-Regisseuren gehört dagegen Sean Baker, bei dessen "Anora" es sich um eine romantische Dramödie um eine Sexarbeiterin handeln soll.


Der Italiener Paolo Sorrentino soll sich in "Parthenope" nach "The Hand of God" ein weiteres Mal mit seiner Heimatstadt Neapel auseinandersetzen. Gespannt sein darf man auch auf "Grand Hotel", mit dem der Portugiese Miguel Gomes, um den es nach seiner 2015 präsentierten Trilogie "1001 Nicht" recht still geworden ist, in den internationalen Festival-Zirkus zurückkehrt.


Neben einem weiteren Altmeister wie Paul Schrader, in dessen "Oh, Canada" Richard Gere und Uma Thurman die Hauptrollen spielen, zeichnet den Wettbewerb eine starke Präsenz jüngerer Regisseure und von – für Cannes viel – fünf Regisseurinnen aus.


Speziell vor dem Hintergrund des Wahlkampfs um die US-Präsidentschaft klingt so "The Aprrentice" spannend, setzt sich Ali Abassi darin doch mit Donald Trumps Leben in den 1980er Jahren auseinander. Während der Brasilianer Karim Ainouz ("The Invisible Life of Eurídice Gusmão") schon letztes Jahr mit "Firebrand" um die Goldene Palme konkurrierte und heuer mit "Motel Destino" wieder eingeladen wurde, kehrt der Chinese Jia Zhangke sechs Jahre nach "Ash Is the Purest White" mit "Caught by the Tides" an die Côte d´Azur zurück.


Zählen diese Regisseure ebenso wie der Russe Kirill Serebrennikov, der "Limonov" präsentiert, zu den Stammgästen in Cannes, so wurde mit "All We Imagine as Light" auch das Debüt der Inderin Payal Kapadia in das Palmenrennen aufgenommen.


Auch aus dem gewohnt stark präsenten Frankreich sind neben Audiard mit Christophe Honoré und seinem "Marcello Mio" sowie Gilles Lellouche mit "Beating Hearts" zwar bekannte Namen vertreten, aber dazu kommen mit Coralie Fargeat, deren "The Substance" blutiges Genrekino bieten soll, und Agathe Riedinger, die mit "Wild Diamond" angeblich an die Filme der Dardenne-Brüder anknüpft, auch zwei noch weitgehend unbekannte Regisseurinnen. Gespannt sein darf man aber auch, was der Schwede Magnus von Horn nach seinem starken Debüt "Sweat" mit "The Girl with the Needle" nachlegt.

 

So richtig krachen lässt es das Festival der Festivals wie gewohnt außerhalb des Wettbewerbs mit den Weltpremieren von George Millers "Furiosa: A Mad Max Saga" und Kevin Costners erstem Teil seiner vierteiligen Western-Saga "Horizon", in der die Eroberung des amerikanischen Westens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachgezeichnet wird. Dazu kommen mit "Rumours" der neue Film des Kanadiers Guy Maddin und "She´s Got No Name" des Hongkong-Chinesen Peter Ho-sun Chan.


Spannend sind in Cannes freilich oft auch die Nebenreihen. So läuft in der Sektion "Un Certain Regard" beispielsweise mit "The Village Next to Paradise" das Langfilmdebüt des in Österreich lebenden Somaliers Mo Harawe. In der Schiene "Cannes Premiere" finden sich unter anderem Leos Carax' mittellanger Film "C´est Pas Moi" und Alain Guiraudies "Miséricorde" und in den "Special Screenings" Sergei Loznitsas "The Invasion".


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