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Filmbuch: Steven Spielberg – Die Graphic Novel Biographie

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 1 Stunde
  • 3 Min. Lesezeit
"Steven Spielberg - Die Graphic Novel Biographie": Schlaglichtartiger Streifzug durch das Werk des Erfolgsregisseurs
"Steven Spielberg - Die Graphic Novel Biographie": Schlaglichtartiger Streifzug durch das Werk des Erfolgsregisseurs

Der französische Comic-Zeichner Amazing Ameziane lässt Steven Spielberg selbst im Schnelldurchlauf einen chronologischen Einblick in sein filmisches Schaffen bieten: Eine unterhaltsame, aber auch oberflächliche Graphic Novel.


Nach Graphic Novels über Quentin Tarantino und Martin Scorsese widmet sich Amazing Ameziane nun Steven Spielberg. Obwohl das Œuvre dieses Regisseurs mit 35 bis 36 Spielfilmen aber deutlich umfangreicher als das von Quentin Tarantino (9 Kinofilme) und von Martin Scorsese (26 Spielfilme + zahlreiche Dokumentarfilme) ist, ist das Buch dazu mit 190 Seiten gerade einmal halb so umfangreich wie das zu Tarantino (380 Seiten) und auch kürzer als das zu Scorsese (240 Seiten).


Wie in den anderen beiden Bänden erzählt auch hier der Porträtierte selbst seine Geschichte. Auf ein Vorwort von Ameziane, in dem der Comic-Zeichner über seine persönliche Entdeckung der Filme Spielbergs und seine kindliche und jugendliche Begeisterung für Jaws" ("Der weiße Hai", 1975) und "Raiders of the Lost Ark" ("Jäger des verlorenen Schatzes", 1981) berichtet, folgt ein kurzer Einstieg, in dem Harrison Ford Spielberg zu einer Preisverleihung auf die Bühne bittet. Dieser Rahmen bleibt aber in der Luft hängen und dient nur dazu, die Erzählung zu motivieren, denn es wird nicht einmal erklärt, welchen Preis Spielberg hier erhält.


Chronologisch zeichnet Spielberg nun seine Geschichte nach. Nur er kommt zu Wort, keinen Dialog gibt es. Deutlich an "The Fabelmans" (2022) erinnern dabei die Ausführungen zu seiner Kindheit und seiner frühen Filmbegeisterung. Als Beispiel für seine Fernseharbeiten werden kurz die "Columbo"-Folge "Murder by the Book" ("Tödliche Trennung" (1971) und der Durchbruch mit "Duel" (1971) vorgestellt, ehe auf den ersten Kinofilm "Sugarland Express" (1974) der Welterfolg "Jaws" (1975) folgt.


Breit wird dabei der ungewöhnliche Dreh auf dem Meer und nicht im Studio, sowie der nicht funktionierende mechanische Hai und das entsprechende Bonmot "The Shark is not Working" behandelt. Hingewiesen wird auch auf den Einsatz des Vertigo-Effekts, aber tiefer geht Ameziane hier so wenig wie bei anderen Filmen. Dafür bettet er Spielberg in die Community des New Hollywood ein, bietet Einblick in seine Zusammenarbeit mit George Lucas bei "Raiders of the Lost Ark" und ein Testscreening von "Star Wars" für ihn, Brian De Palma und John Milius.


Schwarzweißen Panels bei Ausführungen zum Hintergrund stehen immer wieder großflächige und farbintensive Bilder gegenüber, in denen Filmszenen nachgestellt werden. Allerdings haben die Bilder weitgehend illustrativen Charakter. Wenig bringt so eine Doppelseite mit Musiknoten aus "Close Encounters of the Third Kind" ("Unheimliche Begegnung der Dritten Art", 1977) oder sogar zwei Doppelseiten mit einem türkisen Meer zu "The Adventures of Tintin" ("Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn", 2011).


Die Erzählung wird ganz vom Text getragen. Dieser spannt sich von kurzen Anmerkungen bis zu seitenlangen, bildlosen Ausführungen über die Produktion von "Raiders of the Lost Ark" oder Spielbergs Freundschaft zu Stanley Kubrick und das gemeinsame Projekt "Aritifical Intelligence: AI" (2001).


Nur kursorisch werden die einzelnen Filme behandelt. Mal geht Ameziane auf die Besetzung ein, mal auf technische Probleme, die zu lösen waren, oder auf das Streben nach Realismus bei "Schindler's List" ("Schindlers Liste", 1993) und "Saving Private Ryan" ("Der Soldat James Ryan", 1998). Aber auch andere interessante Details werden geboten. So erfährt man, dass Spielberg eine Szene von De Palmas "Scarface" drehte und als Regisseur von "Rain Man" vorgesehen war, dann aber darauf verzichten musste, um "Indiana Jones and the Last Crusade" ("Indiana Jones und der letzte Kreuzzug", 1989) zu drehen.


Leichthändig verknüpft Ameziane auch das Private mit der filmischen Arbeit, wenn er auf die starke persönliche Prägung von "Close Encounters of the Third Kind" hinweist und den düsteren Ton von "Indiana Jones and the Temple of Doom" ("Indiana Jones und der Tempel des Todes", 1984) mit Eheproblemen von Spielberg und Lucas erklärt.


Im Kern erzählt der Franzose mit dem Weg Spielbergs von spektakulären Unterhaltungsfilmen zu ernsten Produktionen auch eine Entwicklungsgeschichte vom kleinen über das große Kind zu einem Mann, der sich mit seinen jüdischen Wurzeln auseinandersetzt. Gestützt wird diese biographische Entwicklung dabei durch zahlreiche Porträtbilder des sukzessive alternden Spielberg, die sich durch diese Graphic Novel ziehen.


Aber auch Redundanzen bleiben nicht aus. Zweimal wird beispielsweise die Geschichte um Spielberg und Scorsese bezüglich "Schindler´s List" und "Cape Fear" erzählt oder – allerdings in unterschiedlichen Versionen - berichtet, wie Spielberg seinen Agenten Michael Ovitz an Scorsese vermittelte.


Im Detail bietet diese Graphic Novel so durchaus Einiges und vermittelt auch einen starken Eindruck von der Vielfalt von Spielbergs Œuvre, in dessen kommerziellen Erfolg am Ende mit einer Auflistung von Einspielzahlen Einblick geboten wird. Insgesamt bleibt die Darstellung aber mehr schlaglichtartig als tiefschürfend. Als unterhaltsamer Einstieg funktioniert dieser Schnelldurchlauf durch das Schaffen eines der erfolgreichsten Filmregisseure aller Zeiten so durchaus, wer aber einen detailreichen Einblick in die einzelnen Filme erwartet, wird enttäuscht sein.


Amazing Ameziane, Steven Spielberg. Die Graphic Novel Biographie, Splitter Verlag, Bielefeld 2026, 192 S., € 35, ISBN 978-3-68950-143-3

 

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