Filmbuch: Das wildeste Auge – Horror und Science Fiction all´italiana (1957 – 1994)
- Walter Gasperi

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Von Meisterwerken von Mario Bava und Dario Argento bis zu billigen Trash-Produktionen: Christian Keßler bietet mit der knappen Vorstellung von rund 250 Filmen eine wahre Fundgrube für Guilty Pleasures.
Das abgründige Kino hat es dem deutschen Filmkritiker und Autor Christian Keßler angetan. Nach Büchern unter anderem über den italienischen Gangster- und Polizeifilm ("Bleigewitter über Cinecittà"), über das italienische Thrillerkino ("Gelb wie die Nacht") und den amerikanischen Film noir ("Hollywood Blackout") hat er nun sein 1998 erstmals erschienenes Buch über den italienischen Horrorfilm überarbeitet und um den Science-Fiction-Film ergänzt.
Auf 380, mit Filmplakaten und Aushangfotos reich bebilderten Seiten stellt Keßler auf jeweils ein bis zwei Seiten chronologisch rund 250 Filme vor. Die 1980er Jahre nehmen dabei mit knapp 160 Seiten den größten Raum ein, gefolgt von den 1960er und 1970er Jahren mit jeweils rund 90 Seiten. Neben Filmen berühmter Regisseure wie Mario Bava, Dario Argento oder Lucio Fulci gibt es dabei auch viele unbekannte Vielfilmer wie Antonio Margheriti, Riccardo Freda oder Umberto Lenzi zu entdecken.
Bei jeder Filmbeschreibung folgen auf eine kurze Inhaltsangabe Informationen zum Regisseur, zu Produktion, Schauplätzen und Schauspieler:innen, zu Kameraarbeit oder Musik. Zum Charakter der Filme passt Keßlers flotter, um nicht zu sagen flapsiger Schreibstil, der mit zahlreichen (nord)deutschen, umgangssprachlichen oder auch veralteten Ausdrücken wie beispielsweise "Knattersack" (S. 43), "Hupfdohlen" (S.60) oder "Metze" (S. 43) gewürzt ist.
Mit seiner eigenen Meinung hält der Autor dabei nie hinter den Berg, doch immer ist seine Leidenschaft für diese Filme spürbar. Da ist dann nicht nur von einem "tollen Film, der aber nur ganz hartgesottenen Zuschauern anzuraten ist" die Rede ("Nonnen bis aufs Blut gequält", S. 131), sondern beispielsweise auch von einem "exzellent gemachten Kotzbrocken von Film" ("Nackt und zerfleischt", S. 197) oder von einer "Supergurke" ("Die Leichenfabrik des Dr. Frankenstein", S. 125).
Aber auch die Empfehlung "IQ- Punkte, die man im Idealfall besitzt, für die Laufzeit in einem Glas Wein zu versenken, gerne auch drei oder vier" fehlt nicht, obwohl gleichzeitig betont wir "Auf eine etwas perverse Art macht 'Yeti' sogar Spaß" ("Yeti – Der Schneemensch", S. 166). Aber auch diesen Filmen kann Keßler vielfach etwas abgewinnen, vor allem die Musik wird meistens gewürdigt und immer wieder betont er bei einzelnen Filmen, dass sie durchaus Spaß bereiten können, wenn man sie als Trash und nicht als irgendetwas Ernstzunehmendes betrachtet.
Horror nimmt gegenüber der Science-Fiction ein deutliches Übergewicht ein, gemeinsam ist aber zahlreichen Filmen, dass man auf US-Hits aufsprang. Von "Star Wars" über "Alien" und natürlich Romeros "Zombie"-Filmen bis zu "Conan", "Mad Max", "Der Exorzist" und "Am Anfang war das Feuer" wurde in Italien so ziemlich alles ungeniert und bis in einzelne Einstellungen hinein kopiert. Deutlich kleiner war dabei freilich das Budget, sodass Keßler zu "Gunan, König der Barbaren" mutmaßt, "daß mein letzter Döner nicht mehr gekostet hat" als dieser Film (S. 1982).
Immer wieder zeigt der Autor dabei auch sein immenses und breit gefächertes filmhistorisches Wissen, wenn er nicht nur Querverbindungen zu Klassikern des Genres herstellt, sondern auch zu Filmen von Carl Theodor Dreyer oder Ingmar Bergman. Aber auch der Blick auf die Schauspieler:innen ist spannend, wirkten doch in diesen Billigproduktionen nicht nur deutsche Mimen wie Klaus Kinski, Elke Sommer, Christiane Rücker und die Österreicherinnen Krista Nell und Marisa Mell mit, sondern in kleinen Rollen auch Hollywood-Stars wie Joseph Cotten, Donald Sutherland, Telly Savalas oder Christopher Plummer.
Bedauern kann man einzig, dass Hinweise auf DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichungen fehlen. Andererseits würden diese angesichts häufiger Wechsel der Labels und ständiger Neuerscheinungen auch nicht allzu viel Sinn machen.
So ist Keßler insgesamt ein großartiges Nachschlagewerk zum italienischen Horror- und Science-Fiction-Film der 1950er bis 1990er Jahre gelungen, das das Ziel ein ""Ratgeber voller Anregungen für unzählige spannende und grausige Filmerfahrungen" (S. 6) zu sein voll und ganz erfüllt. Christian Keßler, Das wildeste Auge. Horror und Science Fiction all’italiana (1957–1994), Martin Schmitz Verlag, Berlin 2025, 360 S., € 36, ISBN 978-3-949875-02-1




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