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79. Locarno Film Festival: Weltpremieren, Stargäste und linkes Hollywood-Kino – Eine Vorschau

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 9 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
79. Locarno Film Festival: Das Tessiner Filmfestival bietet wieder einen vielfältigen Mix.
79. Locarno Film Festival: Das Tessiner Filmfestival bietet wieder einen vielfältigen Mix.

103 Weltpremieren bietet das heurige Locarno Film Festival (5. - 15.8. 2026). Dazu kommen Klassiker anlässlich der Verleihung von mehreren Preisen, ausgewählte Dokumentarfilme in der Semaine de la critique und eine Retrospektive, die sich unter dem Titel "Red & Black – Hollywood Left and the Blacklist" dem linken US-Kino vor und während der McCarthy-Ära widmet.


Eröffnet wird das 79. Locarno Film Festival mit dem Spielfilm "Les yuex verts", in dem Fanny Liatard und Jérémy Trouilh nach ihrem viel beachteten Erstling "Gagarine – Einmal schwerelos und zurück" von einer Flüchtlingsfamilie erzählen, die fürchten muss, aus dem französischen Dorf, in dem sie leben, deportiert zu werden.


Die Auswahl für die Abendvorstellungen auf der rund 8000 Zuschauer:innen fassenden Piazza Grande scheint wieder den gewohnten Mix zu bieten. Neben den beiden Cannes-Filmen "Paper Tiger" von James Gray und "Congo Boy" von Rafiki Fariala, Petra Volpes Sundance-Teilnehmer "Frank & Louis" und der Kino-Vorpremiere von Olivia Wildes "The Invite" werden als Hauptfilme ausnahmslos Weltpremieren gezeigt.


Als zweite Filme folgen dann – mit Filmstart um oder nach Mitternacht - Klassiker wie David Lynchs "Wild at Heart", Martin Scorseses "Taxi Driver" und Kevin Costners "Dances with Wolves". – Letzterer dürfte dabei eine echte Herausforderung an das Durchhaltevermögen des Publikums darstellen, soll er doch in einer erweiterten, rund vierstündigen Fassung gezeigt werden.


Als Hauptfilm darf am Lago Maggiore mit Dario Albertinis "Armony" ein italienischer Film so wenig fehlen wie für die zahlreichen deutschsprachigen Tourist:innen mit "Ich ist ein anderer" von Felix Randau, der vor neun Jahren schon seinen Ötzi-Film "Der Mann aus dem Eis" am gleichen Ort präsentierte, eine deutsch-österreichische Koproduktion.


Bekanntere Namen in dieser Sektion sind die Franzosen Martin Provost, der nach dem Künstlerfilm "Die Bonnards" mit "Demain je tombe amoureux" ein Beziehungsdrama vorlegen soll, und Marc Fitoussi, der mit "Ni vue, ni connue" eine Komödie präsentieren soll.


Dazu kommen mit "Down the Arm of God" eine in einer texanischen Kleinstadt spielende französisch-amerikanische Koproduktion, in der der Österreicher Peter Brunner von einem jungen Pastor erzählt, der während eines harten Winters Obdachlosen hilft, sowie Sergio Castro-San Martin "Il cileno".


Im 17 Filme umfassenden Wettbewerb um den Goldenen Leoparden fällt nicht nur die Abwesenheit der USA, sondern auch die relativ schwache Präsenz des Gastgeberlandes Schweiz auf, das nur mit "O Jacaré" des Locarno-Stammgasts Basil da Cunha ("Manga d´Terra") vertreten ist.


Ebenfalls schon Locarno-Erfahrung haben der koreanische Schnellfilmer Hong Sangsoo, der "Nun Dul Dega Eomne" ("Nowhere to Lay My Eyes" präsentieren wird, die Deutsche Ann Oren, die vor vier Jahren den experimentellen Spielfilm "Piaffe" zeigte und heuer mit "Objet A" eingeladen wurde, sowie der Kanadier Denis Côte, der "Violence du corps de l´autre" ("Nobody´s Violence") zeigt.


Deutschland ist in dieser Sektion auch mit Isabelle Stevers "I Rarely Wake Up Dreaming" vertreten, dazu kommen aus Europa zwei italienische, eine französische und eine rumänische Produktion. Starke Präsenz zeigt das asiatische Kino mit Filmen aus Indien, Singapur und Vietnam und auch auf Entdeckungen aus Lateinamerika darf man mit "A Margem Do Rio" ("The Riverbank") der Brasilianer Matheus Farias und Enock Carvalho und "Princesa Burro" ("Donkey Princess") der Chilenen Cristóbal León und Joaquín Cocina hoffen.


Weitgehend unbekannte Namen dominieren den 15 Filme umfassenden Parallelwettbewerb Cineasti del presente, dessen geographische Bandbreite sich von Großbritannien über die Schweiz, die Ukraine und Singapur bis nach Brasilien und Kolumbien spannt. Dazu kommt die Sektion Pardo di Domani, die in einem internationalen und einem nationalen Wettbewerb, ganz auf den Nachwuchs fokussiert.


Für Starpräsenz sollte die Verleihung von Ehrenpreisen sorgen. So wird Darren Aronofsky mit dem Ehrenleoparden ausgezeichnet, während Isabella Rossellini mit dem Excellence Award geehrt wird. Der Vision Award geht heuer an den Maskenbildner Rick Baker und der Leopard Club Award an die Französin Virginie Efira. Dazu kommt der Life Achievement Award für Asia Argento.


Begleitet werden diese Auszeichnungen immer mit Vorführungen von Filmen der oder mit den Geehrten. Aronofskys umstrittenen Filme "Mother!" und "The Fountain" kann man so in diesem Rahmen ebenso nochmals sehen oder entdecken wie John Landis "An American Werewolf in London", für den Rick Baker die Masken schuf. Aber auch mehrere Regiearbeiten von Isabella Rossellini und Ryusuke Hamaguchis heuer in Cannes uraufgeführter "Soudain" (All of a Sudden"), in dem Virginie Efira eine Hauptrolle spielt, stehen auf dem Programm.


Mit sieben Filmen wird im Panorama Suisse auch ein kleiner Einblick ins aktuelle Schweizer Filmschaffen geboten. Neben Spielfilmen wie Marie-Elsa Sgualdos starkem Frauendrama "À bras-le-corps" ("Silent Rebellion") und Milagros Mummenthalers "Las Corrientes" laufen hier unter anderem auch Gregor Brändlis Dokumentarfilm "Elephants & Squirrels" und Damien Hausers Mockumentary "Memory of Princess Mumbi".


Ganz dem Dokumentarfilm widmet sich wieder die vom Verband Filmjournalismus Schweiz kuratierte Semaine de la Critique, für die wieder sieben Produktionen ausgewählt wurden.


Wie gewohnt wird in Locarno aber auch die Filmgeschichte gepflegt. Neben Hommagen an Roger Corman, der mit "Frankenstein Unbound" geehrt wird, und an den japanischen Animationsfilmer Isao Takahato, von dem sein Meisterwerk "Die letzten Glühwürmchen" gezeigt wird, sticht die Retrospektive heraus.


Unter dem Titel ""Red & Black – Hollywood Left and the Blacklist" soll hier mit rund 50 Filmen, deren Bandbreite sich von Fred Zinnemanns Klassiker "High Noon" bis zu Lewis Milestones wenig bekanntem "The North Star" spannt, ein umfassender Einblick in das linke US-Kino vor und während der McCarthy-Ära geboten werden.  



Weitere Informationen zum 79. Locarno Film Festival, inklusive das Programm finden Sie hier.

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