Meister der Filmparodie: Mel Brooks wird 100
- Walter Gasperi

- vor 3 Stunden
- 4 Min. Lesezeit

Horrorfilm, Science-Fiction, Western bis hin zu den Meisterwerken von Alfred Hitchcock: Kein Filmgenre war vor dem am 28. Juni 1926 geborenen Mel Brooks sicher, sondern lustvoll und auch mit derb-anarchischem Witz zog er die Vorbilder in Filmen wie "Young Frankenstein" (1974), "High Anxiety" (1977) und "Spaceballs" (1987) durch den Kakao. Das Filmarchiv Austria und das Filmmuseum München widmen dem genialen Komiker, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Theaterproduzenten anlässlich seines 100. Geburtstags im Juni Filmreihen.
Geboren in Brooklyn, New York als Melvin Kaminsky als Sohn eines deutschen Juden und einer Jüdin russischer Herkunft wuchs Mel Brooks nach dem frühen Tod seines Vaters mit seinen drei älteren Brüdern bei seiner alleinerziehenden Mutter auf. Ein Musicalbesuch weckte im Alter von neun Jahren den Wunsch selbst Unterhaltungskünstler zu werden und nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er nach dem Highschool-Abschluss 1944 in Europa kämpfte, begann er seine Karriere als Stand-up Comedian.
Der Fernsehstar Sid Caesar engagierte ihn als Sketch-Schreiber und zusammen mit Carl Reiner nahm er mehrere Schallplatten auf. Gemeinsam schufen sie die Figur des "2000 Year Old Man", der übers Fernsehen und Schallplatten in der gesamten USA bekannt wurde. Mit der Fernsehserie "Get Smart" ("Mini-Max", 1965 – 1970), die er 1965 zusammen mit Buck Henry schuf, schaffte er nicht nur den Durchbruch, sondern entdeckte auch die Parodie als sein bevorzugtes Arbeitsfeld. Mit Witz zog er darin mit dem trotteligen Agenten Maxwell Smart die Filme um den Superagenten James Bond durch den Kakao.
Drei Jahre später folgte mit "The Producers" ("Frühling für Hitler", 1968) sein erster Spielfilm. Gewagt war das Projekt, in dem ein vor dem Ruin stehender Broadway-Produzent mit einem Musical über Hitler gezielt einen Flop landen und Investoren damit übers Ohr hauen will. Wie sich aber das Musical im Film zum Überraschungserfolg entwickelte, so wurde auch der Film, den der Verleih zunächst nur klein starten wollte, ein Hit.
Brooks gewann für sein Drehbuch einen Oscar und mit seinen späteren Emmys für Gastauftritte in der Comedy-Serie "Verrückt nach dir" (1997/98/99), Grammys für das Beste Comedy-Album 1998 für "The 2000 Year Old Man in the Year 2000" (1998) und der Bühnenversion von "The Producers" (2002) sowie dem Tony für "The Producers" (2001) gehört das Multi-Talent zum erlesenen Kreis der sogenannten EGOT-Gewinner, der wichtigsten US-Preise im Bereich Film, Musik, Theater und TV. Gleichzeitig zeigte sich in "The Producers" auch schon sein anarchistischer Humor, seine Lust am Provokativen und auch am derben und geschmacklosen Witz.
Den Höhepunkt seiner Filmkarriere erreichte er in den 1970er Jahren, als ihm nach der Verfilmung des Theaterstücks "The Twelve Chairs" (1970) mit "Blazing Saddles" ("Der wilde wilde Westen", 1974), "Young Frankenstein" ("Frankenstein Junior", 1974), "Silent Movie" (1976) und "High Anxiety" ("Mel Brooks Höhenkoller", 1977) vor Witz sprühende Parodien auf den Western, die Universal-Horrorfilme der 1930er Jahre, die ausgehende Stummfilmzeit und die Filme Alfred Hitchcocks gelangen.
Mit genauem Blick und Einfallsreichtum verkehrte er die ernsten Originale ins Witzige, wenn im Stummfilm "Silent Movie", in dem das einzige Wort ausgerechnet der Pantomime Marcel Marceau spricht, aus dem legendären Wagenrennen in "Ben Hur" eine Verfolgungsjagd mit Rollstühlen wird und in "High Anxiety", dessen Titel schon auf Hitchcocks "Vertigo" anspielt, aus der Messerattacke in "Psycho" ein Angriff mit einer Zeitung und aus den Vogelangriffen in "Birds" Vogelschisse werden.
Nicht weniger als die Weltgeschichte von der Steinzeit über das Römische Reich bis zur Französischen Revolution parodierte er lustvoll in "History of the World, Part I" ("Mel Brooks – Die verrückte Geschichte der Welt", 1981) und auch ein Remake von Ernst Lubitschs Meisterwerk "To Be or Not To Be" wagte er (1983). Im Gegensatz zu Lubitsch rücken dabei zwar Klamauk und derbe Witze ins Zentrum, dennoch "entstand wiederum eine Komödie, die auf akzeptable Weise mit dem Entsetzen Scherz treibt“ (Reclams Filmführer).
Mit "Spaceballs" (1987), "Robin Hood: Men in Tights" ("Robin Hood – Helden in Strumpfhosen" (1993) und "Dracula – Dead and Loving it" ("Dracula – Tot aber glücklich", 1995) folgten weitere Parodien auf das Science-Fiction-Genre, das Revival der Robin-Hood-Filme und die Dracula-Filme, doch trotz Einfallsreichtum blieben die Gags oft schal und ließen den Biss der früheren Filme vermissen.
So zog sich Brooks, der sich auch als Produzent von David Lynchs "The Elephant Man" (1980) und David Cronenbergs Remake des Horrorklassikers "The Fly" (1986) engagierte, vom Kinogeschäft zurück und wendete sich der Bühne zu. Dort feierte er mit Musicalversionen seines ersten Hits "The Producers" (2001) sowie von "Young Frankenstein" (2007) Erfolge.
Fürs Fernsehen wiederum produzierte er die mäßig erfolgreiche Zeichentrickserie "Spaceballs: The Animated Series" (2008) und war an der Entwicklung der Mini-Serie "History of the World, Part II" ("Die verrückte Geschichte der Welt, Teil II", 2023), in der er auch als Schauspieler mitwirkte und die mit Sketchen an den Kinofilm des Jahres 1981 anknüpfte, beteiligt.
Immer wieder wurde Brooks auch für sein Gesamtwerk ausgezeichnet vom Kennedy-Pries 2009 über den Life Achievement Award des American Film Institute 2013 bis zum Ehrenoscar 2024. – Höchste Zeit ist es folglich nicht nur aufgrund des 100. Geburtstags am 28. Juni vor allem das Frühwerk dieses großen Komikers, Schauspielers, Regisseurs, Drehbuchautoren und Theaterproduzenten wiederzuentdecken.
Weitere Informationen zu den Filmreihen im Filmarchiv Austria und im Filmmuseum München finden Sie hier (Filmarchiv Austria) bzw. hier (Filmmuseum München).
Trailer zu "Silent Movie"




Kommentare