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Venedig 2026: Neues von Werner Herzog, Martin McDonagh, Lee Chang-Dong und Danny Boyle

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • 25. Juli
  • 3 Min. Lesezeit
Filmfestival Venedig 2026: Renommierte Regisseure, aber nur eine Frau und wenig Hollywood-Kino
Filmfestival Venedig 2026: Renommierte Regisseure, aber nur eine Frau und wenig Hollywood-Kino

Das Line-up des 83. Filmfestivals von Venedig (2.9. – 12.9. 2026) wartet mit neuen Filmen bekannter Regisseure auf, doch schwach vertreten ist nicht nur Hollywood, sondern auch die Frauenquote mit nur einer Regisseurin bei 20 Wettbewerbsfilmen irritiert.


Eröffnet werden die 83. Filmfestspiele von Venedig – wie schon länger bekannt – mit Danny Boyles Adaption des Theaterstücks "Ink", in dem der Aufstieg der britischen Boulevardzeitschrfit "The Sun" unter dem australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch nachgezeichnet wird.


Neben Boyles Biopic konkurrieren weitere 19 Filme um den Goldenen Löwen. Auffallend ist, dass sich darunter mit "A Woman Unkown" der Dänin May el-Toukhy nur ein Film einer Frau befindet. Festivaldirektor Alberto Barbera erklärte dies damit, dass dies der einzige Film einer Regisseurin gewesen sei, der eine dem Festival entsprechende Qualität besitze.


Der zweite Punkt, der beim Line-up auffällt, ist die weitgehende Abwesenheit Hollywoods. Während in vergangenen Jahren Venedig immer wieder genutzt wurde, um große US-Produktionen zu lancieren, findet sich heuer nur Casey Afflecks Gothic-Mystery-Film "Company" im Löwenrennen. Das kann einerseits daraus resultieren, dass Filme wie David Finchers "Cliff Booth" oder Aaron Sorkins "The Social Reckoning" nicht rechtzeitig fertig wurden, andererseits kann es auch sein, dass die großen US-Studios seit den vernichtenden Festival-Kritiken 2024 für "Joker: Folie à Deux" lieber auf Premieren auf den großen europäischen Festivals verzichten. Das scheint beispielsweise für Alejandro G. Iñárritus "Digger" und für Andrew Haighs "The Long Winter" zu gelten.


So bleibt mehr Platz für europäisches und asiatisches Autorenkino. Gespannt sein darf man auf Martin McDonaghs kurz vor dem chilenischen Militärputsch 1973 spielende schwarze Komödie "White Horse Nine" ebenso wie auf "Possible Love", mit dem der Koreaner Lee Chang-Dong hoffentlich an seinen herausragenden Thriller "Burning" anknüpft.


Der Japaner Hirokazu Kore-eda präsentiert mit "Look Back" nach dem beim Filmfestival von Cannes sehr verhalten aufgenommenen "Sheep in the Box" heuer schon den zweiten Film auf einem großen Festival, während Werner Herzog seinen neuen Spielfilm "Bucking Fastard" eigentlich beim Festival von Cannes zeigen wollte, auf die dortige Teilnahme aber verzichtete, als sein Film nicht im Wettbewerb, sondern "Außer Konkurrenz" gezeigt werden sollte. – Gleiches scheint sich nun mit Mike Leighs "Tender Loving Care" abzuspielen, den der britische Altmeister angeblich zurückzog, als seinem Film "nur" ein Platz außerhalb des Wettbewerbs angeboten wurde.


Gewohnt stark vertreten ist am Lido di Venezia das italienische Kino. Neben Altmeister Nanni Moretti, der mit "It Will Happen Tonight" eingeladen wurde, laufen mit Andrea Pallaoros "The Echo Chamber", Paolo Strippolis "L´estranea" und Edoardo de Angelis "The Fire Inside You" drei weitere italienische Produktionen im Löwenrennen.


Starke Präsenz zeigen aber auch die Franzosen. Der Bogen spannt sich hier von Cedric Kahns "15/18" und Stéphane Brizés "A Good Little Soldier", die angeblich beide von Cannes abgelehnt wurden, über Nicolas Parisers "A peu avant minuit" bis zum Thriller "Bunker" des "The Father"-Regisseurs Florian Zeller. Während von diesen Produktionen eher klassisches Kino zu erwarten ist, könnten der Japaner Shinya Tsukamoto mit " Mr. Nelson, Did You Kill People?" sowie der Russe Ilya Khrzhanovsky mit dem zweiten Film seines Mammut-Projekts "DAU" für eine avantgardistische Note im Wettbewerb sorgen.


Dazu kommen mit "Kami Nour – A Bit of Light" ein neuer Film des Iraners Ali Asgari, der schon mit "Until Tomorrow", "Irdische Verse" und "Divine Comedy" zu beeindrucken verstand, sowie mit dem psychologischen Krimi "Primetime" das Spielfilmdebüt des US-Amerikaners Lance Oppenheim.


Geographisch auffallend ist das völlige Fehlen Lateinamerikas und Afrikas sowie die sehr schwache Präsenz Osteuropas und der Umstand, dass Italien und Frankreich mit acht Filmen 40% des Wettbewerbs bestreiten.


Nicht übersehen darf man bei den großen Festivals aber immer auch die Nebensektionen. Skepsis ist freilich angebracht, wenn Filme berühmter Regisseur:innen "Außer Konkurrenz" gezeigt werden. Das gilt heuer beispielsweise für Paul Schraders "The Basics of Philosophy", Kornel Mundruczos "Place to Be" und Gianni Amelios "Nessun Dolore".


Ausgestochen werden könnten diese Spielfilme von den Dokumentarfilmen, die in dieser Sektion gezeigt werden. Neben den Porträtfilmen "Musk" von Alex Gibney und From Inside Out – The Architecture of Peter Zumthor" von Wim Wenders feiern hier unter anderem auch "Union Town" der Veteranin Barbara Kopple, " Everest: The Other Side" der "Free Solo"-Regisseur:innen Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin, Victor Kossakovskys "Holy Wood Dust" sowie Luca Guadagninos siebenstündige Bernardo Bertolucci-Doku "Joie de vivre" ihre Weltpremiere.


Raum für Entdeckungen bietet schließlich die Sektion "Orrizonti", in der erste und zweite Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt werden. Hier ist auch Österreich mit Manuel Wetschers und Xavier Teras Langfilmdebüt "Eklipse – The Colour of the Sun" vertreten.



Weitere Informationen zum Filmfestival von Venedig finden Sie hier.

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