Filmbuch: Krimi: Die Geschichte hinter Fritz Langs "M – eine Stadt sucht einen Mörder"


Der Autor Thibault Vermot und der Zeichner Alex W. Inker verknüpfen in ihrer schwarzweißen Graphic Novel die Geschichte des Serienmörders Peter Kürten mit der fiktionalisierten Entstehung von Fritz Langs Klassiker "M": Ein spannender Mix aus Krimi und filmgeschichtlichen Informationen.
Während Arnaud Delalande und Éric Liberge in der 2023 erschienenen Comic-Biographie zu Fritz Lang Leben und Schaffen des Meisterregisseurs bis zu seiner Emigration in die USA 1933 nachzeichneten, konzentrieren sich Thibault Vermot und Alex W. Inker auf die Entstehung des Klassikers "M" und verbinden diese mit einer realen Mordserie in Düsseldorf.
Fiktion und Realität fließen dabei ineinander, wenn Vermot / Inker den fiktiven Kommissar Lohmann, den Fritz Lang für "M" nach dem Vorbild des Berliner Kriminalpolizisten Fritz Gennat entwarf, Lang im Berlin des Jahres 1929 aufsuchen lassen, um ihm ein Dokument über einen Kindermord in Düsseldorf zu übergeben.
Die Beziehung zwischen Lohmann und Lang steht im Zentrum der Graphic Novel. In der Fiktion des Buchs sollen sich der Kommissar und der Regisseur seit den Ermittlungen zum Tod von Langs erster Frau im Jahr 1920 kennen. Nie wurde geklärt, ob diese mit einer Pistole Selbstmord begangen hat oder von Lang erschossen wurde.
Wie dieser Todesfall kurz gestreift wird, so werden auch vier Theorien zu Langs Verlust eines Auges präsentiert, während sich die Handlung auf zwei Ebenen entwickelt. Auf der einen Seite wird Einblick in die Dreharbeiten zu Langs Science-Fiction-Film "Die Frau im Mond", bei dem er den Countdown erfand, geboten, andererseits wird in textlosen Seiten allein mit Bildern zunächst ein Kindermord in Düsseldorf und später ein Angriff auf eine Frau geschildert.
Unklar bleibt allerdings, wieso Lohmann den berühmten Regisseur immer wieder aufsucht und ihn mit Informationen zur Düsseldorfer Mordserie, die mit der Verhaftung und Hinrichtung des "Vampirs von Düsseldorf" Peter Kürten endet, zu seinem Krimi "M" geradezu zu drängen versucht.
Dennoch bleibt die Graphic Novel durch die knappe Erzählweise spannend und bietet gleichzeitig interessante Einblicke in die Entstehung dieses Meisterwerks. Auf Langs Bestreben den Ton innovativ und nicht nur illustrierend einzusetzen wird hier ebenso eingegangen, wie auf seinen Perfektionismus sowie auf die Entdeckung von Peter Lorre als Darsteller des Mörders und Ilse Landguts als Darstellerin des ersten Opfers.
Schlaglichtartig zeichnen Vermot / Inker mit Besuchen von Clubs und Boxkämpfen sowie dem Hinweis auf die Frustration vieler Männer nach dem Ersten Weltkrieg, in dem ihnen die Frauen ihre Jobs wegnahmen, ein düsteres Bild des Berlins der späten Weimarer Republik. Gleichzeitig knüpfen sie einerseits mit Bildern von Berliner Hochhäusern an "Metropolis" an und zitieren andererseits mit dem Schatten des Mörders, der auf eine Litfaßsäule fällt oder Peter Lorres Verteidigungsrede vor dem Gremium der Verbrecher "M".
Aufgesetzt und überflüssig wirkt dagegen der Verweis auf Murnaus gleichzeitige Fertigstellung seines Südseefilms "Tabu" in Hollywood, hat dieser doch absolut nichts mit Langs Film zu tun.
Kurz gehalten ist auch das Ende mit Langs Emigration, nachdem Goebbels ihm nach Machtübernahme der Nationalsozialisten die Leitung des Reichsfilmwesens angeboten hat, und die Internierung des Juden Lohmann in einem KZ und Deportation, während Langs Butler als Wachpersonal und Soldat zum Handlanger des NS-Regime wird. Plakativ, aber doch wirkungsvoll werden so knapp unterschiedliche Schicksale in der NS-Zeit präsentiert.
Insgesamt bleibt der Informationsgehalt der 280 Seiten dürftig, aber immerhin wird ausgesprochen kurzweilige und spannende Lektüre geboten, die durch eine Filmographie zu Fritz Langs "deutscher Phase" abgerundet wird.
Thibault Vermot, Alex W. Inker, Krimi: Die Geschichte hinter Fritz Langs "M – eine Stadt sucht einen Mörder", Splitter Verlag, Bielefeld 2026, 280 S., € 39,80, ISBN 978-3-68950-102-0




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