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Filmbuch: Dämonen auf Raumpatrouille - Geschichte des deutschen fantastischen Films Bd. 1

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 13 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Dämonen auf Raumpatrouille - Geschichte des deutschen fantastischen Films Bd. 1": Faktenreich, aber dennoch nicht überzeugend
"Dämonen auf Raumpatrouille - Geschichte des deutschen fantastischen Films Bd. 1": Faktenreich, aber dennoch nicht überzeugend

Rund 300, zwischen 1897 und 1944 entstandene Filme stellt Rolf Giesen in dem bei Fenomena Filmbücher erschienenen ersten Band zum deutschen fantastischen Film vor: Die Faktenfülle ist überwältigend, aber nicht nur die Auswahl der Filme irritiert.


Der 1953 geborene Rolf Giesen ist zweifellos ein Experte im Bereich des fantastischen Films, des Trickfilms und des Horrorfilms. Zahlreiche Bücher hat er dazu in den letzten Jahrzehnten publiziert, sodass er in den 1980er Jahren sogar den Spitznamen "Dr. Horror" erhielt.


Übervoll an Informationen ist auch "Dämonen auf Raumpatrouille", doch schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis, das chronologisch die vorgestellten Filme auflistet, irritiert. Klassiker wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1919/20), "Nosferatu" (1922), "Metropolis" (1925-1927), "Der Golem" (1914/15) und "Der Student von Prag" (1913 / 1926 / 1935) fehlen selbstverständlich nicht, doch kann man auch Märchenfilme wie die 1897 entstandenen Grimm-Verfilmungen "Hänsel und Gretel" und "Rapunzel", Langs "Nibelungen" (1922-1924), den Troja-Film "Helena" (1923/1924), Murnaus "Faust" (1925/26) oder Bibelfilme wie Robert Wienes "I.N.R.I." (1923) diesem Genre zuordnen?


Noch überraschender ist aber doch, dass in diesem Kontext auch Sherlock Holmes´ Krimis um den Hund von Baskerville (1914/15; 1920 und 1929) oder Edgar Wallaces "Der Hexer" (1932) sowie Abenteuerfilme wie Joe Mays "Die Herrin der Welt" (1919) und Fritz Langs "Die Spinnen" (1919/20) und schließlich nicht nur Langs "Mabuse"-Filme (1922 und 1933), sondern auch dessen "M" hier Aufnahme fanden.


Dazu kommen dann auch noch beispielsweise G. W. Pabsts "Geheimnisse einer Seele" (1926) und Shakespeares "Sommernachtstraum" (1925) ebenso wie Experimentalfilme wie Walter Ruttmanns "Lichtopus 1" (1921), ein animierter Werbefilm für Zigarren ("Ein Gang durch die moderne Oberst-Fabrik", 1932) sowie der Animationsfilm "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" (1925).


Bei letzterem wird aber immerhin spannend aufgedeckt, wie "Biene Maja"-Autor Waldemar Bonsel als bekennender Antisemit in der Geschichte um die kleine Biene in der Arbeit mit Feindbildern und der Idee des Aufgehens der einzelnen Biene in der Gemeinschaft nationalsozialistische Ideologie transportierte. Insgesamt sind analytische Blicke auf die Filme aber eher dünn gesät.


Teilweise beschränkt sich die Filmvorstellung nur auf einen Satz wie "Im Zentrum des Films steht ein Wahrsager" ("Im Bann der Suggestion", S. 142), auf die Kurzbiographie eines Crewmitglieds (z.B.: "Die Tochter Ahasvers", 1921; S. 154; "Dr. Scarobosco, Der große Unheimliche", 1923; S. 219) oder widmet sich mit zeitgenössischen Zeitungsberichten nur dem Eklat bei der Premiere, ohne auf den Film einzugehen ("Der Würger", S.241).


Statt detaillierter Analyse bietet Giesen dafür immer wieder Kurzbiographien zu Regisseur, Schauspieler:innen oder anderen Crewmitgliedern. Auch Abschweifungen fehlen dabei nicht, wenn bei der Vorstellung von "Nosferatu", dem Giesen 35 Seiten widmet, auch auf vier Seiten das Leben des britischen Okkultisten Aleister Crowley, der mit dem Film im Grunde nichts zu tun hat, nachgezeichnet wird oder eine ganze Seite dem Flugzeugabsturz der Produzenten im Jahr 1936 gewidmet wird.


Auffallend ist auch, in welchem Ausmaß die Darstellung durch Quellen bestritten wird. Nicht nur bei "Zwischen Abend und Morgen" (1923, S. 214f.) und "Der Geldteufel" (1923, S. 214f.) besteht so die Filmvorstellung (nahezu) ausschließlich aus ausführlichen Zitaten aus zeitgenössischen Filmkritiken, sondern auch bei Henrik Galeens Remake von "Der Student von Prag" (1926, S. 261ff.) beschränkt sich Giesen weitgehend auf den Nachdruck einer damaligen Filmkritik und eines ausführlichen Kommentars des Regisseurs zum dramaturgischen Konzept.


Die Fülle an Zitaten verweist zwar auf eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, doch eine schlüssige Verbindung der Quellen mit eigenen Gedanken zu einer aufregenden Darstellung der Geschichte des fantastischen Films in Deutschland vermisst man doch schmerzlich.


So vielfältig auch die Einblicke beispielsweise in den Trick- und Märchenfilm der NS-Zeit sind, so bleibt Giesen doch meist an der Oberfläche und geht selten in die Tiefe. Entwicklungslinien und Querverbindungen werden nur selten hergestellt, auf die formale Gestaltung wird kaum eingegangen und auch die Einbettung in den gesellschaftlich-politischen Hintergrund erfolgt nur sporadisch.


Wie ein Steinbruch bietet dieses – wohl aus Kostengründen - nur spärlich mit kleinen Schwarzweißbildern aufgelockerte Buch in der Fülle der präsentierten Filme und in den ausführlichen Credits zu jedem einzelnen davon zwar eine wichtige Fundgrube, mit der man weiterarbeiten kann, doch als eigenständige Publikation überzeugt Giesens neueste Arbeit nicht.  Rolf Giesen, Dämonen auf Raumpatrouille - Geschichte des deutschen fantastischen Films Bd. 1, Fenomena Filmbücher, Braunschweig 2025, 416 S., € 35 ISBN 978-3-00-082553-8

 

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