• Walter Gasperi

Versteckte Perlen: 30. Weltfilmtage Thusis


Zum 30. Mal finden vom 28.10. bis 1.11. im graubündischen Thusis die Weltfilmtage statt. – Nicht US-Produktionen stehen beim kleinen, aber feinen Festival auf dem Programm, sondern starkes Kino aus den Ländern des Südens und Ostens.


Manche der 25 Filme sind schon in den Schweizer oder auch den österreichischen und deutschen Kinos gelaufen, dennoch bieten die Weltfilmtage mit ihrem dichten Programm, das sich vor allem aus dem Angebot des Trigon-Filmverleihs speist, auch die Möglichkeit zu Entdeckungen oder laden zum Nachholen von Verpasstem ein.


Erfolgreich liefen so schon in den Programmkinos und Filmclubs Elia Suleimans knochentrockene Komödie "It Must Be Heaven" ("Vom Gießen des Zitronenbaums"), in der der Regisseur aus seiner palästinensischen Heimat aufbricht, nur um festzustellen, dass der Irrsinn in anderen Regionen der Welt nicht kleiner ist als in seiner Heimat. Ebenso erfolgreich lief "The Perfect Candidate", in dem Haifaa Al Mansour von einer saudi-arabischen Ärztin erzählt, die sich politisch zu engagieren beginnt.


Nur in der Schweiz angelaufen ist bislang dagegen Pablo Larrains mitreißender "Ema y Gastón". Mit betörend schönen Bildern punkten "Balloon" des Tibeters Pema Tseden und "Notre-Dame du Nil" von Atiq Rahimi. Während Tseden von einer Bauernfamilie zwischen Tradition und Moderne und zwischen Spiritualität und Realität erzählt, schildert Rahimi, wie sich 1973 in Ruanda in einem abgelegenen katholischen Mädcheninternat die Spannungen zwischen Hutus und Tutsis hochschaukeln, bis sie in gewalttätige Ausschreitungen münden.


Einen grimmigen Einblick in Klassengegensätze und Ausbeutung im Peru der 1990er Jahre bietet dagegen Melina León in ihrem bildstarken Debüt "Canción sin nombre", während der Sudanese Amjad Abu Alala in "You Willl Die at 20" von der Einengung des Lebens durch bedingungslosen Glauben an religiöse Regeln erzählt.


Einblick in das Spannungsfeld zwischen westlichen Alpinisten und der Welt der nepalesischen Sherpas bietet dagegen Eliza Kubarska in ihrem Dokumentarfilm "The Wall of Shadows". Esen Isik wiederum erzählt in ihrem Spielfilm "Al Shafq – Wenn der Himmel sich spaltet" von der religiösen und politischen Radikalisierung eines jungen, in der Schweiz aufgewachsenen Türken, der schließlich in den heiligen Krieg aufbricht.


Gespannt sein darf man auch auf Mohammad Rasoulofs Berlinale-Sieger "There Is No Evil" oder die Vorpremieren der argentinischen Gaunerkomödie "El robo del siglo" oder des guamaltekischen Spielfilms "Nuestras madres", in dem Cesar Diaz von einem jungen Forensiker erzählt, der hilft, Menschen zu identifizieren, die während des Bürgerkriegs verschwunden sind.


Weitere Informationen finden Sie unter www.weltfilmtage.ch