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  • AutorenbildWalter Gasperi

Marmorne Schönheit: Catherine Deneuve


Potiche (Das Schmuckstück, François Ozon, 2010) (c) Filmcoopi Zürich

Seit über 60 Jahren ist Catherine Deneuve im Filmgeschäft und hat in rund 140 Filmen gespielt. Anlässlich ihres 80. Geburtstags am 22. Oktober widmet das St. Galler Kinok dieser Leinwandikone im Oktober eine Filmreihe.


Sie hat die Schönheit einer griechischen Statue, wie in Stein gemeißelt wirken ihre ebenmäßigen Züge. Dass Catherine Deneuves Gesicht 1985 auch für die Büste der Marianne, die in jedem französischen Rathaus steht, als Modell diente, kann nicht verwundern. Wenig überraschend ist auch, dass sie von 1969 bis 1977 in den USA das Gesicht von Chanel war und unter anderem für Produkte von Yves Saint Laurent (1993) und L´Oréal (2001) warb.


In ihrer marmornen Schönheit strahlt diese Grande Dame des französischen Kinos aber auch Kälte und Unnahbarkeit aus. Sie sei der Mann, der er gerne gewesen wäre, sagte Gerard Depardieu einmal über sie und François Truffaut schwärmte: "Sie ist so schön, dass ein Film, in dem sie spielt, auch ohne Geschichte auskommt."


Ihr Privatleben weiß die Tochter eines Film- und einer Theaterschauspielerin zu schützen. Bekannt sind nur die frühen Beziehungen zu Roger Vadim, der "die Deneuve" wie zuvor Brigitte Bardot entdeckte und mit ihr in der Hauptrolle "La vice et la vertu" ("Laster und Tugend", 1963) drehte, sowie mit Marcello Mastroianni, dem Vater von Deneuves 1972 geborener Tochter Chiara Mastroianni, und dem britischen Modefotografen David Bailey.


Berühmt wurde sie mit Jacques Demys Musical "Les Parapluies de Cherbourg" ("Die Regenschirme von Cherbourg", 1964). Ausgelassen spielte sie noch mit ihrer älteren Schwester Françoise Dorléac im Nachfolgefilm "Les demoiselles de Rochefort" ("Die Mädchen von Rochefort, 1967), legte das Jungmädchenimage aber spätestens nach dem Unfalltod ihrer Schwester 1967 ab.


Roman Polanski ließ seinen Star im beklemmenden "Repulsion" ("Ekel", 1965) an einer psychischen Krankheit zerbrechen, Luis Buñuel sie in "Belle de jour" (1967) mit Schlamm bewerfen und in Tony Scotts "The Hunger" ("Begierde", 1982) verkörperte sie eine bisexuelle Vampirin. Auch wenn sie damit eine Festlegung auf ein Rollenklischee vermied, so spielte sie, von solchen Ausnahmen abgesehen, doch meistens selbstbewusste und selbstbestimmte, aber in ihrer Kälte auch undurchschaubare Frauen.


In François Truffauts "Le dernier Metro" ("Die letzte Metro", 1980) führt sie während des Zweiten Weltkriegs für ihren jüdischen Mann, der sich verstecken muss, ein Theater und unterhält neben der Ehe auch eine Liebesbeziehung zu einem Schauspieler. 30 Jahre später war sie in François Ozons "Potiche" (""Das Schmuckstück", 2010) nur anfangs eine biedere Hausfrau, die sich mit Joggen, Kochen und Poesie die Zeit vertreibt, denn bald übernimmt sie für ihren kranken Gatten nicht nur die Regenschirmfabrik, sondern auch die Gefühle zu einem Jugendfreund erwachen wieder.


Wie Ozon mit dieser Rolle so weckte auch Lars von Trier in "Dancer in the Dark" (2000) mit einer Musicalszene in einer Fabrik Erinnerungen an "Les parapluies de Cherbourg". Lang ist die Liste der großen Regisseure, mit denen sie zusammenarbeitete und reicht von Leos Carax (Pola X", 1999) über Manoel de Oliveira ("Je rentre à la maison", 2003) bis zu Hirokazu Kore-eda, in dessen "La verité" (2019) sie eine ihrer zahlreichen Mutterrollen spielte. Ein Kontinuum stellt aber André Techiné dar, in dessen Filmen sie von "Hôtel des Amériques" ("Begegnung in Biarritz", 1982) bis "L´adieu à la nuit" ("Abschied von der Nacht", 2019) – also über 37 Jahre – immer wieder Hauptrollen spielte.


Sie ist zwar bei weitem nicht der einzige weibliche Star des französischen Kinos, doch keine andere kann auf eine so lange und so reiche Karriere zurückblicken. Tritt sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen auf wie in Ozons "8 Frauen" (2002) ist es fast zwangsläufig sie, die dem Film den Stempel aufdrückt.


Vielfach wurde sie ausgezeichnet. Als Höhepunkte können gelten die Oscar-Nominierung 1993 für ihre Verkörperung einer Kautschuk-Plantagenbesitzerin im Melodram "Indochine" (1992), 1998 der Goldene Ehrenbär der Berlinale, 2005 in Cannes die Ehrenpalme für ihr Lebenswerk, 2013 der Europäische Filmpreis für ihr Lebenswerk und 2022 in Venedig der Goldene Löwe als Ehrenpreis für ihr Lebenswerk.


Auch heute setzt sich diese Ikone des Kinos nicht zur Ruhe. Im Mai eröffnete sie nicht nur das Filmfestival von Cannes, sondern zierte auch das Plakat des Festivals und in Emmanuelle Bercots "De son vivant" ("In Liebe lassen", 2021) brillierte sie zuletzt als Mutter, die ihren knapp 40-jährigen krebskranken Sohn beim Sterben begleiten muss: Mag sie auch gealtert sein und mussten die Dreharbeiten dieses Sterbedramas wegen eines leichten Schlaganfalls des Stars auch unterbrochen werden, so strahlt ihr Gesicht doch immer noch zeitlose Schönheit und Eleganz aus, die auch in ihren zahlreichen Klassikern weiterleben wird.


Weitere Informationen und Spieldaten zur Filmreihe im Kinok St. Gallen finden Sie hier.


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