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Klassiker der Filmgeschichte

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • 11. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit
"Klassiker der Filmgeschichte": Kurzweiliger Streifzug, der intensiveres Interesse an der Filmgeschichte wecken kann.
"Klassiker der Filmgeschichte": Kurzweiliger Streifzug, der intensiveres Interesse an der Filmgeschichte wecken kann.

Ein im Splitter Verlag erschienener Hybrid aus Graphic Novel und Sachbuch stellt auf 192 Seiten dreißig mehr oder weniger kanonische Filmklassiker und Hintergründe dazu vor: Ein unterhaltsamer Einstieg in die Filmgeschichte, der Lust auf mehr wecken kann.


Etwas irritierend ist der Aufbau von "Klassiker der Filmgeschichte", bei dem Elsa Gambin und Alexis Thébaudeau für die Texte und 28 Grafiker:innen für die Illustrationen und Cartoons verantwortlich zeichnen. Auf einen ersten Durchlauf durch die Filmgeschichte mit 15 Filmen folgt nämlich in einem zweiten Teil ein weiterer Durchlauf mit nochmals 15 Filmen. Geschuldet ist dieser Aufbau dem Umstand, dass das Buch in Frankreich in zwei Einzelbänden erschien.


Die Anordnung der Filme ist chronologisch, gleichbleibend sind Umfang und Art der Präsentation. Auf einen einseitigen Einstieg zum jeweiligen Film folgen drei Comic-Seiten, in denen ein spezieller Aspekt oder Probleme bei der Produktion beleuchtet werden, ehe auf zwei weiteren Seiten schlaglichtartig Informationen zu Regisseur:innen, Schauspieler:innen oder Hintergrund des Films geboten werden. Zu den Comics kommen dabei auf der Bildebene auch noch historische Fotos, Filmstills und Filmplakate.


Der Bogen der vorgestellten Filme spannt sich im ersten Teil von Georges Méliès´ "Die Reise zum Mond" (1902) über Fritz Langs "Metropolis" (1927) und Jean-Luc Godards "Außer Atem" (1960) bis zu Steven Spielbergs "Der weiße Hai" (1975), George Lucas´ / Irvin Kershners "Star Wars – Das Imperium schlägt zurück" (1980) und Anthony & Joe Russos "Avengers: Endgame" (2019).


Mit der Mischung aus echten Klassikern und Blockbustern will man offensichtlich ein möglichst breites Publikum ansprechen. Auffallend ist auch die der Herkunft des Buchs geschuldete starke Präsenz des französischen Kinos. Dieses ist nicht nur mit "Außer Atem", sondern auch mit Bertrand Bliers "Die Ausgebufften" (1974) und Jean-Marie Poirés außerhalb Frankreichs wohl kaum bekannter Weihnachtskomödie "Da graust sich ja der Weihnachtsmann" (1982) vertreten.


Der Mix aus Meilensteinen und populären Filmen bestimmt auch den zweiten Teil, wenn nun nicht nur Auguste und Louis Lumière, sondern auch die Filmpionierin Alice Guy gewürdigt wird und neben Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" (1925) , Orson Welles´ "Citizen Kane" (1941) und Thomas Vinterbergs "Das Fest" (1998) beispielsweise auch Gérard Ourys "Die große Sause" (1966), Joe Dantes "Gremlins" (1984), Garry Marshalls "Pretty Woman" (1990) und James Camerons "Avatar" (2009) vorgestellt werden.


Wie oft bei solchen Streifzügen durch die Filmgeschichte fällt auch hier die Dominanz des US-Kinos auf, während beispielsweise Deutschland, Italien und das gesamte Asien jeweils gerade mal mit einem Film berücksichtigt werden ("Metropolis", "Fahrraddiebe", "Die sieben Samurai") und das osteuropäische, lateinamerikanische und afrikanische Kino vollständig fehlt.


Ergibt sich daraus zwangsläufig, dass Meisterregisseure wie Ingmar Bergman, Federico Fellini, Michelangelo Antonioni, Carl Theodor Dreyer, Friedrich Wilhelm Murnau, Andrej Tarkowski, Robert Bresson oder Yasujiro Ozu nicht vertreten sind, so überrascht doch, dass auch kein einziger Film von allgemein bekannten Regisseuren wie Stanley Kubrick, Martin Scorsese, John Ford, Christopher Nolan und Charlie Chaplin, obwohl dieser auf dem Buchcover sehr präsent ist, Aufnahme fand.


Akzeptiert man diese Auswahl, bietet das Buch mit seiner abwechslungsreichen Erzählweise aber eine unterhaltsame Lektüre. In die Tiefe gehen können die Texte angesichts ihrer Kürze kaum, bieten aber immer wieder knappe, oft auch anekdotische Hintergrundinformationen beispielsweise zur Entstehung des Neorealismus oder der Nouvelle Vague ebenso wie zu Hitchcocks Umgang mit der Zensur oder zu Besetzungsproblemen.


So funktioniert "Klassiker der Filmgeschichte" vor allem als Appetizer, der bei jungen Filmfans und bei älteren Einsteigern die Lust auf eine intensivere Beschäftigung mit der Filmgeschichte wecken kann.



Klassiker der Filmgeschichte, Splitter Verlag, Bielefeld 2023, 192 S., € 35, ISBN 978-3987211591

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