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  • Walter Gasperi

Filmbuch: Big Ideas – Das Filmbuch


Der bei Dorling Kindersley in der Reihe "Big Ideas. Einfach erklärt" in aktualisierter Auflage erschienene Band zum Thema Film lädt zu einem Streifzug durch 120 Jahre Filmgeschichte ein: Einfache Darstellung, reiche Bebilderung und übersichtlicher Aufbau machen das Buch zu einer idealen Lektüre für Jugendliche und Einsteiger.


Zu unterschiedlichsten Themen erscheinen in der Reihe "Big Ideas. Einfach erklärt" bei Dorling Kindersley Bücher. Der Bogen spannt sich vom Astronomie-Buch über das Bibel-Buch bis zum Mathematik-Buch und dem Wirtschafts-Buch. Der Aufbau ist dabei immer gleich: Gliederung in kurze und übersichtliche Kapitel, reiche Bebilderung und knappe, leicht verständliche Darstellung. Ideal sind diese Bücher damit für Jugendliche und Einsteiger. Wer tiefer in die Materie eintauchen will, muss freilich zu anderen Publikationen greifen.


Dies gilt auch für "Das Filmbuch". Auf 350 Seiten wird in sechs Kapiteln ein chronologischer Streifzug durch die Filmgeschichte geboten. Auf eine Einführung, die kurzen Einblick in die Anfänge des Films, aber auch in dessen Faszination und den Aufbau des Buches bietet, folgt in "Visionäre" der Blick auf die Stummfilmzeit, in "Goldene Zeiten in Schwarz-Weiss" die Jahre von 1931 bis 1949 und in "Furcht & Staunen" die 1950er Jahre. Unter dem Titel "Rebellion" werden zentrale Filme der 1960er und frühen 1970er Jahre vorgestellt, "Engel & Monster" ist die Zeit von 1975 bis 1991 überschrieben, ehe mit "Kleine Welt" der Bogen bis zur Gegenwart geschlagen wird.


Jedes Kapitel wird mit einer zweiseitigen Einleitung eröffnet, die mit Zeitleiste und knapper Darstellung einen Überblick über die jeweilige "Epoche" bietet. Anschließend folgt die Vorstellung bedeutender Filme aus diesen Jahren.


Zeitlich spannt sich der Bogen von Georges Méliès´ "Die Reise zum Mond" (1902) bis zu Bong Joon-hos Cannes- und Oscar-Sieger "Parasite" (2019). Insgesamt werden 117 Filme meist auf zwei, manchmal auf vier und manchmal auf einer Seite vorgestellt. In knapper Darstellung werden jeweils der Inhalt und Aufbau vermittelt sowie das Bedeutende, Besondere oder Revolutionäre wie der expressionistische Stil von "Das Cabinet des Dr. Caligari", die Jump Cuts von "Außer Atem" die Merkmale von Dogma 95 bei "Das Fest" oder die Verwandlung von Travis Bickle in "Taxi Driver" beleuchtet.


Die Darstellung wird mit reicher Bebilderung und Grafiken aufgelockert, Fact-Boxen bieten jeweils knappe Informationen zu Regisseur oder Hauptdarsteller:in, eine weitere Fact-Box liefert wesentliche Credits (Genre, Regie, Drehbuch, Stars) und stellt den jeweiligen Film in den filmhistorischen Kontext und auch auf weitere sehenswerte, inhaltlich verwandte Filme oder Filme des gleichen Regisseurs oder Hauptdarstellers wird hingewiesen. Auch mit kurzen Zitaten von Regisseur, Schauspieler:in, Filmfigur oder Filmkritiker wird die Darstellung aufgelockert und teilweise wird die Handlung des Films zusätzlich mittels Zeitleiste vermittelt.


Was die Auswahl der Filme betrifft, werden zahlreiche Klassiker von bedeutenden Regisseuren präsentiert. Carl Theodor Dreyers "Die Passion der Jungfrau von Orleans" wird ebenso vorgestellt wie "Casablanca", Douglas Sirks "Was der Himmel erlaubt", Hitchcocks "Vertigo", de Sicas "Fahrraddiebe", Bunuels "Der diskrete Charme der Bourgeoisie", Linklaters "Boyhood" oder Cuarons "Gravity".


Blockbuster und Kassenschlager wie "The Sound of Music - Meine Lieder, meine Träume", "Das Boot", "Der weiße Hai" und "Star Wars" werden ebenso berücksichtigt wie Chris Markers experimenteller "La jetée - Am Rande des Rollfelds" oder weniger bekannte Filme wie Andy Warhols "Chelsea Girl" oder Nuri Bilge Ceylans "Es war einmal in Anatolien".


Insgesamt ist aber – wie im alltäglichen Kino- und Fernsehprogramm - die USA-Lastigkeit nicht zu übersehen. Afrika ist gerade einmal mit Gillo Pontecorvos "Die Schlacht um Algier" vertreten, Lateinamerika nur mit Glauber Rochas "Gott und der Teufel im Land der Sonne", Walter Salles´ "Central Station" und Fernando Meirelles` "City of God" und Osteuropa einzig mit Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin", Andrzej Wajdas "Asche und Diamant" und Andrej Tarkowskis "Stalker".


Sind hier Lücken aufgrund einer begrenzten Seitenzahl noch durchaus nachvollziehbar, so ist es doch etwas befremdlich, dass in heutigen Zeiten, in denen gerade bei der Umfrage der britischen Fachzeitschrift Sight and Sound Chantal Akermanns "Jeanne Dielman" zum besten Film aller Zeiten gewählt wurde, nur ein einziger (!) Film einer Frau berücksichtigt wurde. Zudem handelt es sich dabei "The Hurtlocker", der mit Kathryn Bigelow zwar von einer Frau gedreht wurde, aber doch weniger für ein weibliches als vielmehr für ein intensives und nervenzerrendes männliches Action-Kino steht.


Einzig im Nachspann, in dem auf 14 Seiten rund 80 weitere Meisterwerke knapp und ohne Bilder vorgestellt werden, finden sich mit Maya Derens "Meshes of the Afternoon", Céline Sciammas "Porträt einer jungen Frau in Flammen" Chloé Zhaos "Nomadland" drei weitere Filme von Frauen.


Sieht man von diesem Manko ab, das in der nächsten Auflage unbedingt behoben werden sollte, bietet "Das Filmbuch", das mit einem Register zu Personen und Filmtiteln auch das Nachschlagen leicht macht, mit den ausgewählten Filmen einen sehr guten Einstieg in die Filmgeschichte und weckt auch große Lust, die vorgestellten Meisterwerke selbst zu sichten und zu entdecken.


Wer freilich einen fundierten und vielschichtigen Einblick in die Thematik gewinnen will, muss zu anderen Werken wie beispielsweise Thomas Christens dreibändiger Einführung in die Filmgeschichte oder für die französische Filmgeschichte zu Klassiker des französischen Films in Einzeldarstellungen greifen.


Big Ideas. Das Film-Buch: Berühmte Filme einfach erklärt, Dorling Kindersley Verlag, München 2022. 352 S., € 26,95, ISBN 978-3-8310-4583-9

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