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  • AutorenbildWalter Gasperi

32. IFFI - International Film Festival Innsbruck: Einladung zu einer filmischen Weltreise


(c) IFFI

Unter dem Motto "We are not alone" lädt das 32. IFFI vom 6. bis 11.6. 2023 zu einer filmischen Weltreise ein, bei der kritische und aufrüttelnde Filme zu aktuellen Problemen, aber auch amüsante und unbeschwerte Produktionen aus Regionen gezeigt werden, die im alltäglichen Kinoprogramm kaum präsent sind.


Sechs Filme konkurrieren beim 32. IFFI - International Film Festival Innsbruck um den mit 5500 Euro dotieren Preis des Landes Tirol. Von brennender Aktualität ist der ukrainische Beitrag "Butterfly Vision", auch wenn er nicht im aktuellen Ukrainekrieg, sondern vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in den 2010er Jahren spielt. Im Mittelpunkt steht eine Ukrainerin, die nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft erkennen muss, dass sie nach einer Vergewaltigung schwanger ist.


Der Inder Don Palathara entlarvt in "Family" dagegen gesellschaftliche Hierarchien und Machtmissbrauch in Kerala, während Kivu Ruhorahoza in "Father´s Day" von schicksalhaften Beziehungen und Traumata im heutigen Ruanda erzählt. Im Mittelpunkt von Pilar Palomeras "La maternal" steht dagegen eine schwangere, rebellische Teenagerin, die sich in einer Einrichtung für junge Mütter einfinden muss.


Vom Kampf um Gerechtigkeit in Kolumbien erzählt wiederum Laura Mora in ihrem Roadmovie "Los reyes del mundo – The Kings of the World" und in Adirley Queirós ´und Joana Pimentas "Mato seco em chamas – Dry Ground Burning" versucht eine Gruppe von Frauen, die im zweitgrößten Favela Brasiliens eine Raffinerie betreibt, sich gegen eine Biker-Gang zu behaupten und politisch etwas zu bewegen.


Ebenfalls sechs Filme laufen im Dokumentarfilm-Wettbewerb um den mit 3000 Euro dotierten Preis der Stadt Innsbruck. Der Bogen spannt sich hier von Erzählungen junger kolumbianischer Frauen über ihre Erfahrungen und Traumata ("Alis" von Clare Weiskopf und Nicolas von Hemelryck) bis zur Schilderung des Lebens in einem Dorf im Norden Kameruns, das der ständigen Bedrohung durch Boku Haram ausgesetzt ist ("Le spectre de Boko Haram" von Cyrielle Raingou).


Die Künstlerin Jumana Manna dokumentiert in "Al-yad Al-Kadhra - Foragers" nicht nur die Ernte von zwei zentralen Pflanzen der palästinensischen Esskultur, sondern auch Patrouilllen und Verhöre durch israelische Soldaten. Einblick in die Probleme des Kongo werden ebenso geboten ("Nous, Étudiants! – We, Students!" von Rafiki Fariala) wie in den bedrückenden Alltag im kolumbianischen Medellin ("Anhell69" von Theo Montoya) oder ins Leben in einer Goldgräbersiedlung im Süden von Burkina Faso ("Or de vie – A Golden Life" von Boubacar Sangaré).


Sechs Konkurrenten gibt es auch in dem mit 2000 Euro dotierten Publikums-Wettbewerb der tirol kliniken. Das Mockumentary "Die Revolution frisst ihre Kinder!", in dem Jan-Christoph Gockel die Geschichte Burkina Fasos aufarbeitet und mit dem Neokolonialismus abrechnet, kann man hier ebenso entdecken wie Valentina Maurels schon letztes Jahr beim Filmfestival von Locarno preisgekröntes Coming-of-Age-Drama "Tengo suenos eléctricos – I Have Electric Dreams" oder Riley Keoughs und Gina Gammells ungeschönte Schilderung des Lebens im Lakota Reservat Pine Ridge in "War Pony".


In neorealistischem Stil von der prekären Situation einer iranischen Familie, die vom Land nach Teheran gezogen ist, erzählt dagegen Mahmoud Ghaffari in "Rooz-e Sib – The Apple Day", der ebenso im Jugendjury-Wettbewerb um den mit 1500 Euro dotierten Südwind-Filmpreis läuft wie der syrische Spielfilm "Nezouh". Trotz Bürgerkriegshintergrund erzählt Soudade Kaadan darin poetisch und sanft von weiblicher Emanzipation gegen patriarchale Macht. Die Portugiesin Claudia Varejao entführt dagegen in "Lobo e cao – Wolf and Dog" auf die Azoren, die als Naturparadies gelten, für die beiden jugendlichen Protagonist:innen, die auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität sind, aber eine beengende Heimat sind.


Dazu kommen ein Kurzfilmwettbewerb und eine große Retrospektive, die dem heurigen Festival auch das Motto "We are not alone" gegeben hat und auf dem Verhältnis von Tier und Mensch fokussiert. Neben Robert Bressons Klassiker "Au hasard, Balthazar", in dem der Leidensweg eines Esels nachgezeichnet wird, gibt es hier Kurzfilme über eine Hirschfarm in Südungarn ("Pulse" von Robin Petré) oder die Zerstörung des chilenischen Altiplano ("Altiplano" von Malena Szlam) ebenso wie Emma Davies und Peter Mettlers Essayfilm über den Philosophen David Abram, der über den Zusammenhang von Mensch, Natur und Technik nachdenkt ("Becoming Animal").


Speziell an junge Filminteressierte richtet sich ein Programm von sechs Kurzfilmen, die in der Sparte Worldwide Visions gezeigt werden, während in der IFFI-Selektion neben aktuellen Produktionen wie Sergei Loznitsas "The Kiev Trial" und "The Natural History of Destruction" auch ältere Filme wie Juho Kuosmanens großartiger Zugfilm "Hytti Nro 6 – Abteil Nr. 6" oder Karl Saurers "Der Traum vom großen Wasser" gezeigt werden.


So wird an den sechs Festivaltagen nicht nur ein vielfältiges Programm geboten werden, sondern vor allem werden auch zahlreiche Filme zu sehen sein, die abseits vom IFFI fast nirgends gezeigt werden. – Den Blick auf diese Nischen und Ränder der globalen Filmproduktion zu richten, ist ein kaum zu überschätzendes Verdienst des Innsbrucker Filmfestivals.


Weitere Informationen zum gesamten Programm und den Spielterminen finden Sie hier.

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