• Walter Gasperi

16. Zurich Film Festival: Galapremieren, Stars und viel junges Kino


Mit 165 Filmen, davon 23 als Weltpremieren, drei Wettbewerben, Preisen für renommierte Filmschaffende und diversen Schwerpunkten will das Zurich Film Festival (24.9. – 4.10. 2020) Corona trotzen. Auch zahlreiche Stars werden an der Limmat erwartet. – Der Kartenvorverkauf startet am Montag, den 14. September.


Erstmals findet das Zurich Film Festival heuer unter der künstlerischen Leitung des früheren NZZ-Filmkritikers Christian Jungen statt. Sein Ziel ist es mit einem physischen Event mit einem umfassenden Programm ein Zeichen des Optimismus zu setzen und die Kinos, die durch Corona unter Druck geraten sind, zu unterstützen. Um eine sichere Durchführung zu garantieren wurde deshalb ein umfassendes Schutzkonzept erstellt.


Profitiert hat Zürich bei der Programmierung der Schweizer Filme sicherlich von der Absage des Filmfestivals von Locarno. So können als Weltpremieren nicht nur Bettina Oberlis "Wanda, mein Leben", der als Eröffnungsfilm gezeigt wird, und Stefan Haupts "Zürcher Tagebuch" präsentiert werden, sondern im Wettbewerb Fokus mit Karin Heberleins "Sami Joe und ich, Pascal Hofmanns "Not Me – A Journey With Not Vital", Christian Kochs "Spagat" sowie Nina Stefankas "Miraggio" auch vier Filme von noch unbekannten Regisseuren. – In anderen Jahren hätte man die eine oder andere Produktion sicher schon im Sommer in Locarno im Wettbewerb oder auf der Piazza gesehen.


Eyecatcher des Zurich Film Festivals sind sicher immer die Galapremieren, bei denen große Filme des aktuellen Weltkinos ihre Schweizer Vorpremiere feiern. Freuen darf man sich hier unter anderem auf den Venedig-Eröffnungsfilm "Laki", in dem Daniele Luchetti eine Ehe- und Familiengeschichte erzählt, oder auf Viggo Mortensens Regiedebüt "Falling". Auch Moritz Bleibtreu legt mit "Cortex", in dem für den Protagonisten Realität und Traum zunehmend verschwimmen, sein Regiedebüt vor.


Auf große Beachtung stieß schon bei der Berlinale "Shirley", in dem Josephine Decker vom Leben der US-Schriftstellerin Shirley Jackson erzählt. Zur starken Riege der Frauen, die für fast 40% der Festival-Filme als Regisseurinnen verantwortlich zeichnen, zählen auch Regina Kings "One Night in Miami", in dem von einer Begegnung von Muhammed Ali, Malcolm X, einem Sänger und einem Footballstar im Jahr 1964 erzählt wird, oder Chloé Zhaos "Nomadland" und Miranda Julys "Kajillionaire".


Im Fokus Wettbewerb konkurrieren zwölf erste, zweite oder dritte Regiearbeiten aus den deutschsprachigen Ländern um den mit 25.000 Schweizer Franken dotierten Preis. Neben den schon erwähnten Schweizer Filmen sind hier unter anderem auch Visar Morinas meisterhaftes Psychodrama "Exil" und "Oeconomia", in dem Carmen Losmann kritisch den Kapitalismus unter die Lupe nimmt, zu sehen.


In der Sparte Spielfilm Wettbewerb konkurrieren 14 internationale erste, zweite oder dritte Regiearbeiten um den ebenfalls mit 25.000 Schweizer Franken dotierten Preis. Während "Apples" des Griechen Christos Nikou und "The Disciple" des Inders Chaitanya Tamhane soeben bei den Filmfestspielen von Venedig auf Beachtung stießen, begeisterte Eliza Hittmans Abtreibungsdrama "Never Rarely Sometimes Always" schon bei der Berlinale. Gespannt sein darf man auch auf "Charter", Amanda Kernells Nachfolgefilm zu "Sameblod – Das Mädchen aus dem Norden" oder den dänischen Action-Thriller "Shorta", der die Polizeigewalt in einem Außenbezirk von Kopenhagen thematisiert.


Im Dokumentarfilm Wettbewerb konkurrieren schließlich zwölf Produktionen. Der Bogen spannt sich hier von "I am Greta", in dem die Klimaaktivistin Greta Thunberg porträtiert wird, bis zu "Maya", in dem die Geschichte eines Tigers in einem iranischen Zoo erzählt wird.


Stars lockt man immer wieder mit der Verleihung von Ehrenpreisen an die Limmat. Den Golden Icon Award, die höchste Auszeichnung des Festivals, erhält so heuer die französische Schauspielerin Juliette Binoche, während Iris Berben mit einem Goldenen Auge für ihre Karriere geehrt wird.


Rolf Lyssy, dessen multikulturelle Feelgood-Komödie "Eden für jeden" im Rahmen der Galapremieren uraufgeführt wird, wird mit dem Career Achievement Award ausgezeichnet und zudem mit einer zehn Filme umfassenden Retrospektive gewürdigt. Der "A Tribute to…Award" wird schließlich an die französische Schauspielerin, Drehbuchautorin, Regisseurin Maiwenn verliehen, deren vier bisherigen Regiearbeiten sowie ihr brandneuer Film "DNA" gezeigt werden.


Eine weitere Programmschiene ist "Neue Welt Sicht: Frankreich", die mit 14 Filmen Einblick ins junge französische Kino bietet. Entdecken kann man hier unter anderem Bertrand Mandicos wilden filmischen Trip "Les garcons sauvages" oder Yann Gonzalez´ Giallo-Thriller "Un couteau dans le coeur".


Beispiele für den Kampf für soziale Gleichheit, Anerkennung zeigt die Reihe "Hashtag GetUPStandUp", während die Schiene "Borderlines" Filme präsentiert, die sich mit aktuellen Themen des Weltgeschehens, mit Menschenrechten und humanitären Projekten und Konflikten zwischen Individuum und Staat auseinandersetzen.


Auch an den 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt im kommenden Jahr wird mit fünf Filmen erinnert, während im "ZFF für Kinder" mit zehn Filmen bei einem ganz jungen Publikum die Lust aufs Kino geweckt werden soll.


Dazu kommen mit den ZFF Masters moderierte Gespräche mit Rolf Lyssy, Juliette Binoche, Til Schweiger, Maiwenn und Ray Parker jr. sowie die ZFF Talks, in denen Fachpersonen aus unterschiedlichen Berufssparten Filme aus dem Festivalprogramm als Aufhänger nehmen, um über brisante Themen aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Politik zu diskutieren.


Trailer zum 16. Zurich Film Festival