• Walter Gasperi

Zurückhaltendes Spiel, starke Präsenz: Mads Mikkelsen


Mads Mikkelsen (Michael Kohlhaas, 2013)

Arthouse-Film und Blockbuster, Durchschnittsbürger und wortkarger Action-Held – So unterschiedlich die Rollen sind, Mads Mikkelsen überzeugt immer und entwickelte sich damit zu einem der meistprämierten Schauspieler Europas. Das Stadtkino Basel widmet dem 56-jährigen Dänen derzeit eine Filmreihe.


Als Spätberufenen muss man Mads Mikkelsen bezeichnen, denn erst mit 31 Jahren startete er seine Filmkarriere. Zunächst widmete sich der am 20. November 1965 in Kopenhagen als Sohn einer Krankenschwester und eines Bankkaufmanns geborene Däne dem Ausdruckstanz, arbeitete acht Jahre lang als professioneller Tänzer und tourte mit Musicals wie "Chicago" durch sein Heimatland.


Erst danach besuchte er die Schauspielschule am Theater von Aarhus und gab nach Nebenrollen in zwei Kurzfilmen 1996 sein Langfilmdebüt in Nicolas Winding Refns hartem Drogenthriller "The Pusher". Nicht der einzige Film mit Winding Refn wird das bleiben, denn Mikkelsen zeichnet auch aus, dass er immer wieder mit den gleichen Regisseur zusammenarbeitet.


So spielte er auch in Winding Refns folgendem Film "Bleeder" (1999), in dem ein bedrückendes Porträt von gewalttätigen Kopenhagener Herumtreibern gezeichnet wird, und im Drogendrama "Pusher II" (2004) übernahm er schon die Hauptrolle und verlieh dem Kleinganoven Tonny ungewöhnlich viele Facetten. Auf seine Stimme ganz verzichten musste er schließlich in Winding Refns bildgewaltigem und brutalen Wikingerfilm "Wahlhalla Rising" (2009). Mit seiner Präsenz beeindruckt er als stummer Einauge dabei nicht nur das Publikum, sondern auch eine Gruppe von Wikingern, denen er mit seinen Visionen den Weg in ein unbekanntes Land weist.


Gleichzeitig zu diesen harten Rollen brillierte er aber auch als Durchschnittsbürger in Dogma-Filmen Susanne Biers. In "Open Hearts" (2003) spielte er so einen verheirateten Arzt, der in einen Gewissenskonflikt stürzt, als er sich in die Freundin eines seiner Patienten verliebt, und in "Nach der Hochzeit" (2006) wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als er nach Jahren von Indien nach Dänemark zurückkehrt, um Geld für sein indisches Waisenhaus aufzutreiben.


Durch das zurückhaltende, aber konzentrierte Spiel des Dänen gewinnen diese Figuren Glaubwürdigkeit und Intensität. Auch Thomas Vinterberg konnte darauf bauen, als er Mikkelsen in "Jagten" ("Die Jagd", 2012) einen Kindergartenpädagogen spielen ließ, auf den eine regelrechte Hetzjagd einsetzt, als er beschuldigt wird, ein Kind sexuell missbraucht zu haben. Nicht weniger überzeugend verkörperte er aber auch zuletzt in "Druk" ("Der Rausch", 2020) einen ausgebrannten Lehrer, der glaubt, gemeinsam mit Kollegen durch ein Experiment mit kontrolliertem Alkoholkonsum neue Lebensfreude finden zu können.


Gegenpol zu diesen alltäglichen Dramen stellen die schrägen Tragikomödien von Anders Thomas Jensen dar, in denen Mikkelsen großartig immer wieder ganz spezielle Männer spielte. Auf einen Kleinkriminellen, dessen Kindheitstrauma langsam zu Tage tritt, in "Flickering Lights" ("Blinkende Lichter", 2000), folgte in "Dänische Delikatessen" (2003) ein Metzger, der Menschenfleisch an seine Kunden verkauft, und in "Adams Apples" ein grenzenlos gütiger Pfarrer, der von einem Neonazi, der resozialisiert werden soll, auf eine harte Probe gestellt wird. Zuletzt brillierte Mikkelsen unter der Regie von Jensen in der pechschwarzen Komödie "Riders of Justice" ("Helden der Wahrscheinlichkeit", 2020) als wortkarger traumatisierter Soldat, der unter seiner gefühlskalten Schale langsam Emotionen durchschimmern lässt.


Parallel zu dieser dänischen Karriere war Mikkelsen aber bald auch schon international unterwegs. In Antoine Fuquas im frühen Mittelalter spielendem Abenteuerfilm "King Arthur" (2004) verkörperte er Tristan, auch im Mythologie-Spektakel "Clash of the Titans" ("Kampf der Titanen", 2010), in "The Three Musketeers" ("Die drei Musketiere", 2011), in "Doctor Strange" (2016) und in Star Wars-Film "Rogue One: A Star Wars Story" (2016) wirkte er in Nebenrollen mit. Nachdrücklich in Erinnerung bleibt er aber vor allem als starker Bond-Bösewicht in "Casino Royale" (2006).


Aber auch im internationalen Autorenfilm ist Mikkelsen präsent, verkörperte eindrücklich einen in seiner Verbissenheit jedes Maß vergessenden Kämpfer der Gerechtigkeit in Arnaud des Pallières bildmächtigem "Michael Kohlhaus" (2013) und übernahm eine Nebenrolle in Julian Schnabels Van Gogh-Film "At Eternitys Gate" ("Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit").


Seine Wandlungsfähigkeit schlug sich auch in zahlreichen Auszeichnungen nieder. Nur die Spitze sind hier der Europäische Filmpreis 2010 für seinen "Europäischen Beitrag zum Weltkino" und der Europäische Filmpreis für den Besten Darsteller für seine Leistung in "Druk" ("Der Rausch"). – Gespannt sein darf man jedenfalls, wie diese Karriere, in der es bislang keine Unterbrechungen und keine Rückschläge zu geben scheint, weiter verlaufen wird.


Spielzeiten und detaillierte Informationen zur Filmreihe im Stadtkino Basel finden Sie hier.


Trailer zu "Michael Kohlhaas"