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Vier minus drei

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 10 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"Vier minus drei": Valerie Pachner brilliert in Adrian Goigingers bewegendem Drama um einen schweren Verlust
"Vier minus drei": Valerie Pachner brilliert in Adrian Goigingers bewegendem Drama um einen schweren Verlust

Eine Clownin verliert durch einen Autounfall ihren Mann und ihre beiden gemeinsamen Kinder. Wie lebt man nach so einem Verlust weiter? – Adrian Goiginger gelang mit seiner Verfilmung von Barbara Pachl-Eberharts autobiographischem Bestseller ein ebenso feinfühliges wie bewegendes Drama, das von einer herausragenden Valerie Pachner in der Hauptrolle getragen wird.


Mehrfach dienten dem Salzburger Adrian Goiginger schon reale persönliche Geschichten als Grundlage für seine Filme. In seinem Langfilmdebüt "Die beste aller Welten" (2017) verarbeitete er seine eigene Kindheit als Sohn einer heroinsüchtigen Mutter, in "Der Fuchs" (2022) erzählte er bewegend von seinem Urgroßvater und dessen Freundschaft zu einem Fuchs während des Zweiten Weltkriegs.


Während er bei diesen Filmen ebenso wie bei der Felix-Mitterer-Verfilmung "Märzengrund" (2022) und der Tragikomödie "Rickerl – Musik is höchstens a Hobby" (2023) auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, beschränkte er sich bei "Vier minus drei" auf die Regie. Wieder diente mit dem Erlebnisbericht von Barbara Pachl-Eberhart, die 2008 bei einem Autounfall ihren Mann und ihre beiden gemeinsamen Kinder verloren hatte, ein reales Ereignis als Ausgangspunkt, das Drehbuchautor Senad Halilbašić und Goiginger mit großem Feingefühl für die Leinwand adaptierten.


Kurz sind die Momente des Glücks am Beginn, wenn man Barbara (Valerie Pachner) bei einem Auftritt als Klinikclownin Heidi Appenzeller und ihren Mann Heli (Robert Stadlober) bei einer Nummer mit einem roten Ballon sieht, der bald unglaublich schwer ist, dann wieder ins Unermessliche wächst und Heli zu erdrücken droht. Doch schon versetzt ein Anruf einer Bekannten, die von einem Unfall an einem unbeschrankten Bahnübergang berichtet, in den ein gelber Clownbus verwickelt sein soll, Barbara in Unruhe.


Besorgt versucht sie durch Anrufe näheres zu erfahren, ehe sie Gewissheit erhält, dass ihr Mann bei dem Unfall umgekommen ist und ihre beiden kleinen Kinder Thimo und Fini schwerverletzt ins Krankenhaus geflogen wurden. Dort werden bald auch sie sterben – und Barbara bleibt allein zurück.


Wie mit diesem Beginn Glück und tiefster Schmerz aufeinandertreffen, so bestimmen diese Gegensätze den gesamten Film. Immer wieder brechen kurze Erinnerungen an zentrale Momente im gemeinsamen Leben herein von der ersten Begegnung mit Heli, der von einer großen Karriere als Clown träumt, über die Hochzeit und die Geburt des ersten Kindes bis zum Einzug im halbverfallenen Haus in der Oststeiermark, das Heli von einer Tante geerbt hat.


Kein reines Glück wird aber hier beschworen, sondern auch ein heftiger Konflikt fehlt nicht. Dass diese Szenen nicht in Kitsch abgleiten, ist aber auch dem Umstand zu verdanken, dass Goiginger sie nicht breit ausformuliert, sondern kurz hält und auch keine Chronologie entwickelt, sondern diese Rückblenden vielmehr assoziativ aneinander reiht.


Diesen vorwiegend in warme Farben und Licht getauchten Flashbacks, stehen die von kaltem Licht dominierten Szenen in der Gegenwart gegenüber. Statt sich dem Verlust zu stellen, versucht Barbara ihn zu verdrängen, will bald wieder mit ihrer Arbeit als Klinikclown beginnen oder geht in eine Disco, um einen Mann aufzureißen.


In jeder Szene ist die von Valerie Pachner gespielte Barbara präsent. Großartig und mit vollem Körpereinsatz spielt sie diese verzweifelte Frau, die bald so tut, als ob das Leben einfach weitergeht, dann wieder in einen erschütternden Schreikrampf ausbricht. Intensität entwickelt "Vier minus drei" dabei auch durch die Arbeit von Kameramann Paul Sprinz mit der Handkamera, die mit ihrer Nähe und leichten Unruhe den Gefühlen Barbaras Unmittelbarkeit verleiht und sie intensiv nachvollziehbar macht.


Bittersüß wird "Vier minus drei" dabei auch durch den Gegensatz von lustigen Clowns und dem zutiefst tragischen Ereignis. Am einprägsamsten und ergreifendsten spielt Goiginger damit, wenn beim Begräbnis auf Einladung Barbaras eine Clowntruppe Helis Lieblingssong "Old Dan Tucker" spielt und die Verstorbenen mehr gefeiert als betrauert werden. Beeindruckend sicher hält Goiginger seinen zutiefst bewegenden, aber nie sentimentalen Film in diesem Spannungsfeld von schwerem Verlust und Glück, lässt weinen, aber auch lachen, und vermittelt am Ende auch Hoffnung auf einen Neubeginn und eine Überwindung des Schmerzes.


Denn wie Heli in seiner Clownnummer mit dem Ballon vom Spannungsfeld von Wünschen und Realität erzählt, so lernt auch Barbara langsam die Realität zu akzeptieren und mit einem aufsteigenden roten Ballon auch den unerfüllbaren Wunsch von einer Rückkehr der Verstorbenen hinter sich zu lassen.



Vier minus drei

Österreich / Deutschland 2026

Regie: Adrian Goiginger

mit: Valerie Pachner, Robert Stadlober, Jonas Recklie, Victoria Wild, Conrado Molina, Jona Widling, Stephanie Heinrich, Stefanie Reinsperger

Länge: 120 min.



Läuft derzeit in den österreichischen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn und im Kino GUK in Feldkirch. - Ab 16.4. in den deutschen Kinos.



Trailer zu "Vier minus drei"



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