Der Teufel trägt Prada 2
- Walter Gasperi

- vor 3 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

20 Jahre nach ihrem Rückzug vom Modemagazin "Runway" kehrt Anne Hathaway als Journalistin in die Redaktion zurück, in der Meryl Streep als zynische Chefin inzwischen um ihre Position bangen muss: Gleiches Team und gleicher Stil wie beim Original, doch mehr melancholischer Kommentar zum Wandel der Medienwelt als bissige Satire.
2006 gelang "Sex and the City"-Regisseur David Frankel mit der Verfilmung von Lauren Weisbergers Roman "Der Teufel trägt Prada" (Rezension siehe am Beitragsende) ein Kassenschlager. Schon 2013 erschien Weisbergers Fortsetzung "Die Rache trägt Prada. Der Teufel kehrt zurück", doch bis zur Verfilmung sollten noch elf Jahre vergehen, denn Meryl Streep zeigte zunächst wenig Interesse.
Erst 2024 gelang es Frankel, für den wieder Aline Brosh McKenna das Drehbuch schrieb, die damaligen Hauptdarsteller:innen Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci zu versammeln und durch Neuzugänge wie Kenneth Branagh, Lucy Liu und einen Kurzauftritt von Lady Gaga zu ergänzen.
Unvermittelt setzt "Der Teufel trägt Prada 2" mit der Verleihung eines Preises an die inzwischen erfolgreiche Wirtschaftsjournalistin Andy (Anne Hathaway) ein. Mit der gleichzeitigen Kündigung der gesamten Redaktion der Zeitschrift per SMS bringt Frankel aber auch schon den Wandel der Medienwelt ins Spiel. Andy erhält freilich rasch wieder einen Job in der Redaktion der an die "Vogue" angelehnten, fiktiven Modezeitschrift "Runaway", wo sie den Schaden eines Skandals begrenzen soll. Dabei trifft sie wieder auf die Chefredakteurin Miranda (Meryl Streep), die nichts von ihrem Zynismus verloren hat, aber nicht mehr so fest im Sattel sitzt und um ihre Position fürchten muss.
Nicht nur mit den Figuren und deren Besetzung, sondern auch stilistisch knüpft die Fortsetzung direkt ans Original an. Immer wieder präsentiert Florian Ballhaus, der schon beim ersten Film die Kamera führte, aus unterschiedlichen Perspektiven und bei unterschiedlichen Tageszeiten die Skyline von New York und die Protagonistinnen dürfen zahlreiche prächtige oder auch ausgefallene Kleider und Handtaschen vorführen.
Doch nicht nur Augenfutter wird geboten, sondern mit sichtlichem Vergnügen spielt auch das bestens harmonierende Ensemble, während der schnelle Schnitt von Mark Livolsi, unterstützt von der Musik des ebenfalls vom Original übernommenen Theodore Shapiro für hohes Erzähltempo sorgt. Eine perfekt geölte Kinomaschine wird hier geboten, die auch durch die geschliffenen Dialoge am Laufen gehalten wird.
Ernster ist aber insgesamt die Tonlage und wirklich zu lachen, gibt es nicht viel. Nicht gegeneinander kämpfen hier Miranda und Andy, sondern müssen sich vielmehr miteinander gegen äußere Kräfte behaupten. Denn nicht nur schwindende Leserzahlen durch digitale Medien bedrohen die Existenz der Printausgabe von "Runway", sondern mit einem Generationenwechsel beim Eigentümer wird das Verlagshaus auch von einem Chef übernommen, dem jedes Interesse an der Modezeitschrift fehlt.
Aber nicht nur Umstrukturierung und Sparmaßnahmen werden angesprochen, sondern auch der Einfluss von Tech-Milliardären, die sich alles leisten können, und zumindest am Rande mit einem sanierten Altbaublock auch die Gentrifizierung New Yorks.
Nach einer rasanten ersten Stunde wird so der Ton melancholisch, wenn Miranda allein durch die berühmte Mailänder Einkaufspassage streift und über den Preis sinniert, den sie für ihren Job bezahlt hat. Wehmütig wird aber auch mit einem Festessen vor Leonardo da Vincis "Das letzte Abendmahl" im Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie die Veränderung der Welt und das Verschwinden des Alten thematisiert.
Schwergewichtig und trübsinnig wird diese Dramödie dennoch nie, sondern Frankel lässt auf ruhige Momente sogleich wieder rasante Montagesequenzen von einer Mailänder Modeshow, bei der Lady Gaga dem Publikum einheizt, und hektischer Telefonate folgen und präsentiert auch mit einer Villa am Comersee und einem Landsitz außerhalb von New York malerische Locations.
Durchaus unterhaltsame 120 Minuten werden so geboten, in denen freilich auch das Product Placement von Modemarken bis zu einer Autofirma nicht zu kurz kommt, doch an Verve und satirischem Biss kann es diese Fortsetzung mit dem Original nicht aufnehmen.
Der Teufel trägt Prada 2
USA 2026
Regie: David Frankel
mit: Meryl Streep, Anne Hathaway, Stanley Tucci, Emily Blunt, Tracy Thoms, Tibor Feldman, Kenneth Branagh, Simone Ashley, Lucy Liu
Länge: 120 min.
Läuft derzeit in den Kinos.
Trailer zu "Der Teufel trägt Prada 2"




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