It´s Never Over, Jeff Buckley
- Walter Gasperi

- vor 14 Minuten
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Amy Berg zeichnet mit viel Archivmaterial und Interviews Leben und Karriere des früh verstorbenen amerikanischen Singer-Songwriters Jeff Buckley (1966 – 1997) nach: Ein durch seinen empathischen Blick bewegender Dokumentarfilm, der immer nah an seinem Protagonisten bleibt.
Der 1966 in Kalifornien geborene Jeff Buckley gehört zwar nicht zum sogenannten Klub 27 der mit 27 Jahren verstorbenen Musiker:innen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Amy Wynehouse, überlebte diese Gruppe mit seinem Tod im Mai 1997 aber nur um etwa drei Jahre. Im Unterschied zu seinen Kolleg:innen starb der Singer-Songwriter und Gitarrist auch nicht durch Drogenmissbrauch, sondern durch einen tragischen Badeunfall.
Nur ein Album veröffentlichte Buckley in seinem kurzen Leben, doch die 1994 erschienene LP "Grace" gilt als enorm einflussreich. Seine Coverversion des Leonard Cohen-Songs "Hallelujah" wurde sein größter Erfolg und 2008 listete die Zeitschrift Rolling Stones Buckley auf Rang 39 der 100 größten Sänger aller Zeiten. Den Led Zeppelin-Leadsänger Robert Plant zählte er ebenso zu seinen Vorbildern wie Nina Simone, Judy Garland und Edith Piaf. Dementsprechend vielfältig war sein Gesang, konnte ebenso leise wie laut sein.
Amy Berg zeichnet Buckleys Leben und Karriere mit den gleichen Mitteln nach, mit denen sie schon bei ihrem Janis Joplin-Dokumentarfilm "Janis – Little Girl Blue" (2015) arbeitete. Wieder kombiniert sie Interviews mit der Mutter, Freund:innen und Wegbegleiter:innen des Singer-Songwriters mit einer Fülle von teilweise bislang unveröffentlichtem Archivmaterial. Der Bogen spannt sich dabei von Fotos aus der Kindheit über Mitschnitte von Auftritten bis zu Tonaufnahmen von Buckley. Quasi von selbst erzählt sich so die Geschichte und auf Off-Kommentar kann Berg verzichten.
Großen Fluss und Intensität entwickelt "It´s Never Over, Jeff Buckley" durch die sorgfältige Einarbeitung des Archivmaterials und die großartige Kombination der Bild- und Tonebene, während animierte Szenen für poetische Momente sorgen. Berg bleibt dabei nicht nur immer nah dran an Buckley, sondern sorgt mit ihrem empathischen Blick auch dafür, dass diese Lebensgeschichte einem nahegeht und berührt.
Einblick in die Kindheit als Sohn einer alleinerziehenden Teenager-Mutter wird so ebenso geboten wie in den nur kurzen Kontakt als Achtjähriger mit seinem Vater, dem erfolgreichen Folksänger und Singer-Songwriter Tim Buckley, der bald nach der Begegnung 1975 an einer Überdosis Heroin starb.
So spart Berg die private Ebene nie aus, feiert aber doch vor allem mit vielen und langen Musikszenen Buckleys herausragendes Talent und zeichnet den Weg vom kleinen New Yorker Sin-é-Club zur großen Tournee durch die USA, Europa, Australien und Japan nach. Spürbar wird in dem einfühlsamen Dokumentarfilm aber auch der Druck, unter dem der Musiker nach dem Erfolg von "Grace" stand, denn zunehmend massiver drängte das Studio auf ein zweites Album. Doch kurz vor der Aufnahme ertrank der 30-Jährige in Memphis, Tennessee beim Schwimmen im Wolf River.
It´s Never Over, Jeff Buckley
USA 2025
Regie: Amy Berg
Dokumentarfilm mit: Jeff Buckley, Mary Guibert, Ben Harper, Rebecca Moore, Aimee Mann, Joan Wasser
Länge: 106 min.
Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos.
Spielboden Dornbirn: Di 5.5., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
Trailer zu "It´s Never Over, Jeff Buckley"




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