top of page

Der Tod ist ein Arschloch

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Der Tod ist ein Arschloch": Plädoyer für eine würdevolle und empathische Bestattung
"Der Tod ist ein Arschloch": Plädoyer für eine würdevolle und empathische Bestattung

Michael Schwarz bietet Einblick in die Arbeit des Bestatters Eric Wrede, der mit seinem Team auch auf unkonventionelle Wünsche der Betroffenen eingeht: Ein nie voyeuristischer, sondern respektvoller und trotz des ernsten Themas auch witziger und tröstlicher Dokumentarfilm.


Der Tod ist ein Thema, das in der heutigen Gesellschaft lieber nicht angesprochen, sondern tabuisiert und ausgeblendet wird. Gerade das Lebensende und den Umgang damit hat der Berliner Bestatter Eric Wrede in mehreren Büchern, darunter auch ein Kinderbuch, ins Zentrum gestellt und setzt sich auch in seinem Podcast "The End – Der Podcast auf Leben und Tod" damit auseinander.


Während 2024 Christian Klandt Wredes erstes Buch unter dem Titel "Sterben für Beginner" als Tragikomödie fürs Fernsehen verfilmte, widmet sich Michael Schwarz nun in seinem Dokumentarfilm der alltäglichen Arbeit von "Deutschlands bekanntestem Bestatter" und seinem Team des 2014 gegründeten Berliner Bestattungsinstituts "lebensnah".


Mitten hinein in die harte Realität wirft Schwarz die Zuschauer:innen, wenn zwei Bestatter:innen einen Wohnblock betreten und bald die Frage des Abtransports der Leiche im Sarg oder per Bahre besprochen wird. Als ob sie noch leben würde, wird die Verstorbene dabei direkt angesprochen, während die Kamera von Alexander Griesser außen vor bleibt und das Stiegenhaus sowie die Hausfassade zeigt.


Eröffnet wird damit das sich durch den Film ziehende Spannungsfeld von Respekt und Wahrung der Würde der Verstorbenen auf der einen Seite und offener und ungeschönter Auseinandersetzung mit dem Thema auf der anderen. Schwarz versteht es die Balance zu wahren und jeden Voyeurismus zu vermeiden. Er inszeniert zurückhaltend und unauffällig, verzichtet auch auf Filmmusik, ist andererseits aber auch immer nah dran an den Menschen.


In klugem Aufbau entwickelt der Regisseur, unterstützt von der Montage von Melanie Dietz, die Erzählung im Wechsel von Interviews mit Wrede und seinem Team, die über ihren Weg zum Beruf des Bestatters berichten, und kommentarloser Begleitung der Arbeitsabläufe. Der Bogen spannt sich hier von der behutsamen Reinigung und dem Ankleiden der Leiche über die Vorbereitung der Abschiedsfeier und die Einäscherung im Krematorium bis zu einem Workshop mit Jugendlichen, die über ihre Erfahrungen mit dem Tod sprechen und auch in einem Sarg probeliegen dürfen.


Trotz des ernsten Themas entwickelt "Der Tod ist ein Arschloch" dabei viel Witz, gleichzeitig berührt dieser sehr menschliche Film aber durchgängig durch seinen empathischen und respektvollen Blick, der mit der behutsamen Arbeitsweise der Bestatter:innen korrespondiert. Zentrale Rolle spielen die Treffen mit Betroffenen, mit denen die Form der Trauerfeier besprochen wird.


Bewegend sind dabei vor allem die Szenen mit zwei kurz vor dem Tod stehenden Menschen, die so noch ihre Wünsche bezüglich Musik, Reden, aber auch Bestattungsart und -ort selbst formulieren können. So spannt der Film den Bogen von einem Treffen mit der unheilbar an Krebs erkrankten Bestatterin Gabi Kohn, deren Schicksal auch Wrede nahegeht, bis zu ihrer Verabschiedung in der Kirche und den Weg zur Urnenbeisetzung.


Spürbar wird im achtsamen Umgang mit den Verstorbenen und der feinfühligen Vorbereitung ihrer Bestattung auch, wie hier den Menschen über den Tod hinaus Respekt erwiesen und ihre Würde gewahrt wird. Tröstlich ist dieser warmherzige Film in diesem wertschätzenden Umgang mit Verstorbenen und regt auch zu einer Bestattungskultur an, die die individuellen Wünsche der Verstorbenen berücksichtigt.


Nie wird aber ausgeblendet, dass der Tod ein Ende darstellt, nachdem nichts mehr verändert oder bewegt werden kann – er ist nun mal ein Arschloch. So ruft der Regisseur durch den Blick auf das Unausweichliche gleichzeitig dem Publikum zu, die Lebenszeit, die jedem gegönnt ist, möglichst intensiv zu nützen und zu genießen.

 


Der Tod ist ein Arschloch

Deutschland 2025

Regie: Michel Schwarz

Dokumentarfilm mit: Eric Wrede, Maria Schuster, Katja Seydel, Siv-Marie Wrede, Gabi Kohn

Länge: 79 min.



Läuft in den Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen.



Trailer zu "Der Tod ist ein Arschloch"



Kommentare


bottom of page