The Piano Tuner - Tuner
- Walter Gasperi

- vor 18 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Ein Klavierstimmer mit absolutem Gehör findet im Knacken von Safes einen lukrativen, aber zunehmend gefährlichen Zweitjob: Daniel Roher gelang mit seinem Spielfilmdebüt ein leichthändiges Heist-Movie, das mit einem furiosen Sounddesign intensiv in die Wahrnehmung des Protagonisten versetzt.
Einst strebte Niki White (Leo Woodall) eine Karriere als Pianist an, doch aufgrund seiner Hyperakusis, einer Überempfindlichkeit seines Gehörs, musste er diesen Traum aufgeben. Unerträglich sind für ihn nun nicht nur lautes Klavierspiel, sondern auch Alltagsgeräusche. Nur mit Kopfhörern kann er sich durch New York bewegen, doch aufgrund seines absoluten Gehörs ist er als Klavierstimmer ein Ass, hört er doch jeden falschen Ton. Mit dem alten Harry (Dustin Hoffman), der zunehmend sein Gedächtnis verliert, fährt er mit einem Lieferwagen durch New York und stimmt in Konzertsälen und Villen, in denen die edlen Musikinstrumente oft nur als Dekoration dienen, Pianos.
Dabei lernt er nicht nur die asiatischstämmige Ruthie (Havanna Rose Liu) kennen, die Komposition studiert, sondern trifft auch auf eine osteuropäische Bande, die vorgibt Sicherheitssysteme in Villen einzubauen, in Wahrheit aber Wertsachen aus den Tresors entwendet. Schwer nachvollziehbar ist allerdings, dass dies den Eigentümern aufgrund ihres übermäßigen Reichtums gar nicht auffallen soll, denn immerhin werden die Safes auf brachiale Weise mit Schweißgerät und Schneidbrenner aufgebrochen.
Niki freilich kann diesen Job auf smartere Weise erledigen, kann er mit seinem feinen Gehör doch jeweils erkennen, wenn die richtige Zahl einklickt. Als sein Mentor Harry ins Krankenhaus eingeliefert wird, nimmt er folglich Aufträge als Tresorknacker an, um Harrys Krankenhausschulden zu bezahlen. Gleichzeitig entwickelt sich auch eine Liebesgeschichte zu Ruthie, die sich mit ihrer Komposition auf ein wichtiges Vorspiel vorbereitet.
Leichthändig verbindet Daniel Roher, der vor drei Jahren für "Navalny" (2022) den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewann, in seinem Spielfilmdebüt romantische Liebesgeschichte und Heist-Movie und bettet seinen Film stimmungsvoll ins Ambiente von New York ein. Auch der Soundtrack sorgt mit seinem Mix aus Klaviermusik und jazzigen Tönen für einen beschwingten Erzählton.
Vertrauen kann Roher aber auch auf ein lustvoll aufspielendes Ensemble, das von Leo Woodall angeführt wird. Eine Nebenrolle spielen nur Dustin Hoffman, der nach starker Präsenz am Beginn bald nur noch bei Nikis Besuchen im Krankenhaus zu sehen ist, und Jean Reno, der erst ganz am Ende auftaucht. Dennoch setzen die beiden Stars mit ihrer Ausstrahlung und ihrem feinen Sinn für Humor einprägsame Akzente.
Als unangenehm rassistischen Unterton kann man ansehen, dass die Verbrecherbande einen osteuropäischen Hintergrund hat, doch davon abgesehen ist Roher ein Thriller gelungen, der nach von Witz durchzogener, charmanter erster Hälfte im zweiten Teil nicht nur actionreicher wird, sondern auch zunehmend härtere und ernstere Töne anschlägt. Denn immer tiefer wird Niki in die Aktivitäten der Bande hineingezogen, während er doch wieder aus diesem kriminellen Job aussteigen will.
Mit etwas zu vielen Zufällen arbeitet Roher dabei zwar gegen Ende und auch eine forcierte Parallelmontage wirkt überzogen und trägt nur bedingt zur Spannungssteigerung bei. Fulminant ist aber durchgängig das Sounddesign des britischen Tontechnikers Johnnie Burn, der schon 2024 für seine Arbeit an Jonathan Glazers Auschwitz-Film "The Zone of Interest" mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.
Mindestens gleichwertig steht hier angesichts des besonderen Gehörs des Protagonisten nämlich der Ton neben der Bildebene. Durch ihn versetzt Burn die Zuschauer:innen intensiv in die Wahrnehmungswelt Nikis und vermittelt dessen Fähigkeit beim Stimmen von Pianos und beim Knacken von Safes ebenso intensiv und faszinierend wie die körperlichen Schmerzen, die laute Alltagsgeräusche wie ein Brandmelder oder eine Tröte auslösen.
Leerlauf vermeidet der 33-jährige kanadische Regisseur auch dadurch, dass er die Handlung immer wieder mit rasanten Schnitten, Zeitraffer und Detailaufnahmen des Räderwerks der Safes vorantreibt, doch nie verstellt die äußere Handlung den Blick auf die Charaktere. Ein spannendes Dreieck ergibt sich hier nämlich mit der ehrgeizigen Pianistin Ruthie, dem brutalen Gangsterboss, den gleichzeitig ein Holocaust-Trauma belastet, und Niki, der nie darüber hinweggekommen ist, dass sein Traum von einer Karriere als Pianist in seiner Jugend gerade durch sein außergewöhnliches Gehör zerplatzt ist. – So erzählt "The Piano Tuner" verpackt in einen ungewöhnlichen Thriller auch anschaulich und bewegend von Fluch und Segen einer zweischneidigen Gabe.
Tuner – The Piano Tuner
Kanada / USA 2025
Regie: Daniel Roher
mit: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Lior Raz, Havana Rose Liu, Tovah Feldshuh, Nissan Sakira, C.S. Lee, Jean Reno
Länge: 109 min.
Läuft jetzt in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems und im Cinema Dornbirn.
Trailer zu "The Piano Tuner - Tuner"




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