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A Useful Ghost

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
"A Useful Ghost": Einfallsreiche thailändische Geisterkomödie mit sozialkritischen Akzenten
"A Useful Ghost": Einfallsreiche thailändische Geisterkomödie mit sozialkritischen Akzenten

Eine Tote kehrt als Geist in einem Staubsauger zurück, während ein anderer Verstorbener ein 15 Jahre zurückliegendes Massaker in Erinnerung ruft: Ratchapoom Boonbunchachoke mischt in seinem in Cannes preisgekrönten Spielfilmdebüt groteske romantische Liebesgeschichte und Gesellschaftskritik zu einem erzählerisch und visuell vor Einfallsreichtum sprühenden, aufregenden Kinostück über Vergessen, Verdrängung und die Notwendigkeit der Erinnerung.


Wie gegenwärtig Geister in Thailand im alltäglichen Lebens sind, zeigte schon Apichatpong Weerasethakul in "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben" (2010) oder "Cemetery of Splendor" (2015). Im Gegensatz zu diesen Filmen schlägt Ratchapoom Boonbunchachoke in seinem Spielfilmdebüt zumindest am Beginn ungleich leichtere und komödiantischere Töne an.


Gesellschaftskritik wird zwar geübt, wenn die schwangere Gattin des Junior-Chefs einer Elektrofirma aufgrund der Luftverschmutzung stirbt, doch Witz macht sich breit, wenn sie als Geist in einem knallroten Staubsauger als Seelenbehälter zurückkehrt. Nicht nur, wie dieses sprechende Elektrogerät in der Aufnahme des Krankenhauses, in dem ihr verletzter Mann liegt, auf den Beginn der Besuchszeit wartet, sorgt für einen herrlich schrägen Moment, sondern auch, wie es dann im Krankenzimmer den Geliebten mit dem Schlauch liebkost und an ihm rummacht.


Dazu kommt die trocken-lakonische Erzählweise und die Selbstverständlichkeit, mit der die Präsenz der Geister hingenommen wird. Langsam materialisiert sich für den Ehemann der Geist durch seine Liebe , doch der Schwiegermutter ist diese lebende Tote ebenso ein Dorn im Auge wie einer Gruppe von buddhistischen Mönchen, die sie so schnell wie möglich loswerden wollen.


Dabei möchte der Geist doch nur Gutes tun und befreit mit seiner Saugkraft einen Arzt ebenso von Staubkörnern wie die Elektrofirma der Familie von den bösen Geistern, die sie seit dem Tod eines Arbeiters heimsuchen. Was auf den ersten Blick als gute Tat erscheint, kippt aber ins Negative, wenn zur Beseitigung der Geister die Erinnerungen der Lebenden durch Elektroschocktherapie ausgelöscht werden.


Im Grunde ist diese Geschichte aber nur eine Binnenhandlung, die von einem angeblichen Staubsaugermechaniker erzählt wird, den der junge Krong gerufen hat, da sein Staubsauger nachts immer wieder hustet. Omnipräsent ist so einerseits die Luftverschmutzung, andererseits kommt mit dieser Begegnung aber auch ein queerer Aspekt in "A Useful Ghost" und schließlich auch die Erinnerung an ein nationales Trauma, wenn dieser Geist vom Massaker an für die Demokratie protestierenden Demonstranten im Jahr 2010 erzählt.


Was als Komödie beginnt, entwickelt sich so zunehmend zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit dem Erinnern und dem Vergessen. Geht es einerseits um die Bedeutung der Erinnerung in der Liebe und den Wunsch den Verstorbenen mit seiner Erinnerung zurückzuholen, werden andererseits Umweltprobleme ebenso wie ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und der Umgang mit der Geschichte kritisiert.


Sukzessive an Gewicht gewinnt so das nationale Verbrechen, das der Geist auch aus dem Gedächtnis des verantwortlichen Ministers löschen soll, während die Opfer des Massakers dieses gerade ans Licht zerren und dem Vergessen entreißen wollen. Dem komödiantischen Beginn steht so dann auch am Ende eine ebenso blutige wie furiose Racheszene gegenüber, die sich auch vor den Filmen Quentin Tarantinos nicht verstecken muss.


Nicht nur die Verbindung von mehreren Handlungssträngen fordert so zwar die Zuschauer:innen, sondern auch die zahlreichen Anspielungen auf thailändische Verhältnisse, doch mit seinem erzählerischen und visuellen Reichtum sowie mit seiner faszinierenden Geistergeschichte reißt dieser von kräftigen Farben dominierte Film auch immer wieder mit und bietet ein ebenso schräges wie ungewöhnliches Filmerlebnis, zu dem sich im aktuellen Kinoprogramm nichts Vergleichbares findet.



A Useful Ghost

Thailand / Singapur / Deutschland / Frankreich 2025

Regie: Ratchapoom Boonbunchachoke

mit: Davika Hoorne, Witsarut Himmarat, Apasiri Nitibhon, Wanlop Rungkumjud, Wisarut Homhuan

Länge: 130 min.

 


Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kino. TasKino Feldkirch im Kino GUK: Do 13.8., 18.15 Uhr - thailändische OmU.



Trailer zu "A Useful Ghost"


 

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