The End of Oak Street
- Walter Gasperi

- vor 4 Minuten
- 3 Min. Lesezeit

Dinosaurier in einer US-Vorstadt der 1980er Jahre: David Robert Mitchell macht aus dieser Ausgangssituation spannendes Blockbusterkino, in dem Suspense und Action mit einem Familiendrama verknüpft wird.
Wenn die Kamera von Mike Gioulakis aus der Vogelperspektive auf ein Straßenfest in einer US-Vorstadt des Jahres 1982 herabgleitet, beschwört David Robert Mitchell mit Sackhüpfen, Wasserballonwerfen und Vätern am Grill nostalgisch die Stimmung dieser Zeit. Unweigerlich an Steven Spielbergs "ET" erinnern die mit BMX-Rädern durch die Straßen fahrenden Kinder und Teenager und auch die Familiengeschichte, die bald ins Zentrum rückt, erinnert an Spielberg.
Denn im Gegensatz zur heilen Oberfläche streiten sich Denise (Anne Hathaway) und Greg Platt (Ewan McGregor) wiederholt, sodass der etwa 14-jährige Sohn Brian (Christian Convery) panische Angst vor einer Scheidung hat. Seine etwas ältere Schwester Audrey (Maisy Stella) wiederum träumt davon, bald auf ein College zu gehen und die Vorstadt hinter sich zu lassen.
Große Verunsicherung löst aber bald ein kosmisches Ereignis aus, bei dem Mitchell sukzessive die Anzeichen steigert. Da irritiert zunächst eine seltsame Pflanze in einem Garten, dann beschwert sich der Nachbar der Platts über einen riesigen Haufen Kuhscheiße in seinem Garten und zudem gibt es nachts seltsame Lichterscheinungen.
Langsam bricht so in die zumindest oberflächliche Idylle der Schrecken ein, wenn die Vorstadt der 1980er Jahre plötzlich inmitten eines urzeitlichen Walds steht, durch den gefräßige Dinosaurier streifen. Werden diese in klassischer Horror-Tradition zunächst nur fragmentiert oder als Schatten gezeigt, präsentieren sie sich bald in ihrer ganzen Größe auf der Leinwand – und vor den Platts.
Flucht scheint unmöglich, Verbarrikadierung im Haus ist auf Dauer auch nicht zielführend, denn Vorräte schwinden langsam und zudem setzen die Dinos den Bewohner:innen zunehmend heftiger zu. Unlogisch ist freilich, wie die mächtigen Urzeit-Riesen einerseits problemlos Autos plattdrücken oder an die Wand schieben, andererseits aber Mühe haben einfache Wohnungstüren aufzubrechen.
Weitgehend konzentriert auf die Familie Platt entwickelt Mitchell so die Handlung im Wechsel von packenden Saurierszenen, bei denen der Witz mit zwei riesigen Echsen beim Sex auch nicht ausbleibt, und ruhigen Familienszenen, in denen sich angesichts der äußeren Bedrohung neuer Zusammenhalt entwickelt. Praktisch nur als Statisten treten weitere Figuren auf, die im Hintergrund von den Dinosauriern gejagt und getötet werden. Ordnungskräfte wie Polizei oder Armee, die in solchen Katastrophenfilmen sonst immer eine zentrale Rolle spielen, bleiben ganz außen vor.
Gekonnt arbeitet Mitchell dafür immer wieder mit Suspense, wenn die Zuschauer:innen im Gegensatz zu den Protagonist:innen schon die Gefahr sich nähern sehen und beispielsweise ein schlangenartiger Dinosaurier durchs Haus kriecht, und sorgt auch mit der großen Vielfalt der perfekt animierten Saurier für Spannung. Auf Ironie wird verzichtet, dennoch bewahrt "The End of Oak Street", der auch mit dem klassischen Soundtrack von Michael Giacchino ans Kino der 1980er Jahre anknüpft, trotz der ausgesprochen bissigen Saurier Leichtigkeit.
Liebevolle Referenzen an Hitchcocks "Die Vögel" gibt es hier ebenso wie an Tierhorrorfilme wie "Der weiße Hai" (1975) oder "Der Horror-Alligator" (1980) und natürlich an Spielbergs "Unheimliche Begegnung der dritten Art" und "Jurassic Park" (1993). Doch nie sind diese Anspielungen aufgesetzt, sondern ergeben sich immer aus der Handlung.
Ganz heutig ist dagegen die Rollenverteilung in der Ehe, wenn Denise als starke Frau gezeichnet wird, die schon lange an einem Buch über eine Frau schreibt, die plant die Familie zu verlassen, während der heimlich zum Alkohol greifende Greg Protoyp der auch durch Jobverlust erschütterten Männer ist.
Lässt man sich somit auf die Prämisse des Films ein und akzeptiert man auch die kühnen Wendungen, die Mitchell in seinem nach dem Coming-of-Age-Drama "The Myth of the American Sleepover" (2010), dem Horrorfilm "It Follows" (2014) und dem Film noir "Under the Silver Lake" (2018) vierten Spielfilm gegen Ende schlägt, so bietet "The End of Oak Street" ebenso bildmächtiges wie spannendes 1980er Jahre Retro-Kino, das nicht nur Spektakel bietet, sondern auch von Familienkonstellationen und Familiendynamik erzählt.
The End of Oak Street
USA 2026
Regie: David Robert Mitchell
mit: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella
Länge: 100 min.
Läuft derzeit in den Kinos.
Trailer zu "The End of Oak Street"




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