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The Invite

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 47 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"The Invite": Von einem großartigen Ensemble getragenes Kammerspiel
"The Invite": Von einem großartigen Ensemble getragenes Kammerspiel

Ein Abendessen mit Nachbarn fördert die Beziehungskrise eines langjährigen Paares zutage: Olivia Wilde gelang mit dem Remake des spanischen Films "Sentimental" ein dynamisches und von einem großartig harmonierenden Ensemble getragenes Kammerspiel.


2020 verfilmte der Katalane Cesc Gay sein fünf Jahre zuvor erschienenes Theaterstück "Els veïns de dalt / Los vecinos de arriba" unter dem Titel "Sentimental". Bald folgten Neuverfilmungen in Frankreich ("Et plus si affinités", 2023), Südkorea ("Witjip saramdeul - The People Upstairs", 2025) und in der Schweiz mit Sabine Boss` Komödie "Die Nachbarn von oben" (2022). Für 2027 wird schon eine niederländisch-belgische Adaption mit dem Titel "De bovenburen" angekündigt, doch zuvor kommt mit "The Invite" noch eine amerikanische Variante ins Spiel.


Zumindest zwei Gründe dürfte es für die Beliebtheit dieses Stoffes geben: Einerseits lässt sich dieses Kammerspiel, das sich auf vier Figuren beschränkt und weitgehend in einer Wohnung in Echtzeit spielt, recht billig produzieren, andererseits werden mit der Beziehungskrise, den Frustrationen und versteckten Sehnsüchten, die während eines Abendessens zutage treten, Probleme und Themen angesprochen, die vielen Menschen wohl sehr vertraut sind.


Mit verschwommenen Bildern von einem gemeinsamen Klavierspiel und dem Gelächter der beiden Protagonist:innen Angela (Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) evoziert Wilde knapp ein Bild der glücklichen Zeit des Paares. Doch wie das Vorspanninsert von Oscar Wilde "One should always be in love. That is the reason one should never marry" schon signalisierte, ist diese Unbeschwertheit und Leichtigkeit nach 15 Ehejahren verfolgen.


Enttäuschungen und Frustrationen bestimmen den Alltag. In den Rückenschmerzen Joes äußert sich seine psychische Verfassung physisch. Lustlos unterrichtet der Mittvierziger, der einst von einer Musikerkarriere träumte, seine unmotivierten Schüler:innen an einer mittelmäßigen Musikschule und kämpft sich anschließend mit seinem Faltrad über die Hügel von San Francisco nach Hause.


Mit dieser Auftaktszene wird "The Invite" geographisch verankert, ehe während der folgenden gut 100 Minuten die Wohnung des Paares der einzige Schauplatz des Films bleiben wird. Missmutig betritt Joe die Wohnung und statt einer freundlichen Begrüßung oder eines Kusses von Angela folgt nur die Aufforderung, die Schuhe auszuziehen.


Doch auch sie verdrängt nur ihre Enttäuschung, dass sie aus ihrem Kunststudium und ihrem Leben nie mehr gemacht hat, dadurch dass sie die Wohnung stets neu dekoriert: die schöne Fassade soll aufrechterhalten werden, doch die Probleme in der Beziehung, die im Grunde nur noch die abwesende zwölfjährige Tochter zusammenhält, werden nicht angesprochen.


Wenig erfreut ist Joe darüber, dass Angela die Nachbarn zum Abendessen eingeladen hat. Die Verärgerung steigert sich zum Streit, den die Gäste, die offensichtlich schon länger vor der Tür standen, mithören konnten. Die spanische Sexualtherapeutin Pina (Penélope Cruz) und der ehemalige Feuerwehrmann und jetzige Masseur Hawk (Edward Norton) sind das pure Gegenteil von Angela und Joe.


Sie sind erst seit einem Jahr zusammen und stören mit ihrem lauten Liebesspiel regelmäßig die Nachtruhe der Nachbarn. Rasch wird freilich spürbar, dass sich hinter dem Ärger darüber Neid steckt, dass in der eigenen Beziehung schon lange nichts mehr läuft.


Vom Smalltalk treibt Wilde ihrem nach der Teeangerkomödie "Booksmart" (2019) und dem stylischen Thriller "Don´t Worry, Darling" (2022) immer weiter und lässt Pina und Hawk mit ihrer Offenheit die Enttäuschungen und versteckten Sehnsüchte von Angela und Joe aufdecken.


So eng dabei der Raum mit der Beschränkung auf die Wohnung ist, so sorgt die 42-jährige Amerikanerin mit schnellem Schnitt (Adam Newport-Berra), einem abwechslungsreichen Soundtrack, der sich auch bei Georges Bizets "Carmen" bedient, und immer wieder wechselnden Personenkonstellationen dennoch für Dynamik. Da wechselt Wilde in dem auf analogem 35mm Film gedrehten Seelenstriptease immer wieder in genau getaktetem Rhythmus zwischen Totalen, die auch die innere Distanz zwischen den Figuren vermitteln, und Großaufnahmen, lenkt den Fokus bald auf diese Figur, bald auf jene.


Getragen wird so ein intensives Kammerspiel aber immer von seinen Schauspieler:innen. Großartig harmonieren hier die Regisseurin Olivia Wilde, Seth Rogen, Penélope Cruz und Edward Norton. Geschliffen sind die rasanten Dialoge und bruchlos geht gegen Ende auch der bissige Witz in berührende Szenen über. Denn da kommt nicht nur ein Todesfall ins Spiel, sondern auch die beklemmende Beziehungskrise, die zuvor immer wieder mit Witz überspielt wurde, wird nun ausgelotet. Dennoch lässt Wilde ihren Film nicht deprimierend enden, sondern setzt eine Szene an den Schluss, die auf einen Neubeginn durch Aufarbeitung der gemeinsamen Situation hoffen lässt.



The Invite

USA 2026

Regie: Olivia Wilde

mit: Seth Rogen, Edward Norton, Olivia Wilde, Penélope Cruz

Länge: 107 min.



Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems. - Ab 13.8. in den Schweizer Kinos.



Trailer zu "The Invite"


 

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