The Uprising – Für die Freiheit


Paul Greengrass zeichnet den englischen Bauernaufstand des Jahres 1381 nach: Zahlreiche, teils auch sehr brutale Actionszenen halten den Film am Laufen, doch fehlende Figurenzeichnung lässt kaum wirkliche Spannung aufkommen.
Mit seinen Thrillern um den Agenten Jason Bourne ("Die Bourne Verschwörung", 2004; "Das Bourne Ultimatum", 2007; "Jason Bourne", 2016) landete der Brite Paul Greengrass Kassenschlager, doch auch mit packenden Filmen zur Zeitgeschichte wie der Nachzeichnung des nordirischen Blutsonntags von 1972 in "Bloody Sunday" (2002) und des dramatischen, von Terroristen am 11.9. 2001 entführten United Airlines Flug 93 in "Flug 93" ("United 93", 2006) sowie dem Piratendrama "Captain Phillips" (2013) gelang ihm packendes Kino.
Mit nah geführter Handkamera und schnellen Schnitten zog er die Zuschauer:innen unmittelbar ins Geschehen hinein und brachte auch in das Actionkino eine quasidokumentarische Note. Nicht nur auf diese Stilmittel, sondern auch auf Actionszenen vertraut Greengrass nun auch in "The Uprising".
Mit zwei Inserts verankert er die Handlung im England des Jahres 1381 und weist darauf hin, dass die Pest die Hälfte der Bevölkerung hingerafft hat. Auch ein von Andrew Garfield gespielter Bauer, der nur "Ploughman", "Der Pflüger", genannt wird, verlor so seine ganze Familie.
Der wolkenverhangene graue Himmel, schmutzige Erdfarben und die zerschlissenen Kostüme, die die ersten Szenen bestimmen, dominieren den ganzen Film. Eine bedrückende Stimmung liegt so über dem Historiendrama, die zur düsteren Handlung passt.
Weil die Staatskassen aufgrund des Hundertjährigen Kriegs (1337 – 1453) leer sind, suchen die Berater des erst 14-jährigen und von Alpträumen geplagten Königs Richard II. (Woody Norman) nach neuen Möglichkeiten sie zu füllen: Reiches Bürgertum kann nicht mit Abgaben belegt werden, da es dafür Mitspracherecht fordern würde, aber auch die Kirche lehnt jede Belastung ab, sodass das einfache Volk als Opfer bleibt, das ausgepresst werden soll.
Prägnant zeichnet Greengrass, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, Richard II. als unsicheren Jugendlichen und Marionette seines Kabinetts. Er ist die spannendste Figur des Films, ist er doch der einzige Charakter, der eine markante Entwicklung durchmacht.
Enttäuschend blass bleiben dagegen nicht nur Richards Berater, sondern auch der fiktive Ploughman, der sich gegen die Obrigkeit erhebt, als er Zeuge des brutalen und gnadenlosen Vorgehens der königlichen Steuereintreiber wird, seine Mitstreiterin Alycr (Thomasin McKenzie), die auf die Funktion der weiblichen Begleiterin reduziert ist, und auch die historischen Anführer des Aufstands Wat Tyler (Cosmo Jarvis), ein ehemaliger Soldat, und John Ball (Jamie Bell), ein exkommunizierter Priester.
An Vertiefung und Feinschliff fehlt es aber auch bei der Handlungsführung. Statt differenziert Konflikte herauszuarbeiten, werden mit dem brutalen Vorgehen der Obrigkeit Emotionen geschürt, bis die Bauern zum Gegenschlag ausholen. Da wird mal in Zeitlupe und dann wieder in Zeitraffer mit Mistgabel, Sense und Sichel auf die Gegner eingestochen und reichlich Blut fließt auch, wenn mit Äxten Köpfe abgeschlagen werden. Die zahlreichen Actionszenen halten "The Uprising" zwar am Laufen, doch kein Moment wird verdichtet, sondern oberflächlich werden die Ereignisse nachgezeichnet und echte Spannung kommt kaum auf.
Unübersehbar ist auch, dass Greengrass im historischen Geschehen die heutige gesellschaftliche Kluft und Protestbewegungen wie die Gelbwestenbewegung in Frankreich spiegeln will. Doch durch die Reduktion auf Actionszenen und die fehlende Komplexität in der Konfliktschilderung stellt sich nie die brennende Aktualität ein, die dieser Historienfilm durchaus entwickeln hätte können.
The Uprising – Für die Freiheit
Großbritannien / USA / Deutschland 2026
Regie: Paul Greengrass
mit: Andrew Garfield, Katherine Waterston, Thomasin McKenzie, Tom Hollander, Cosmo Jarvis, Stephen Dillane, Jamie Bell, Woody Norman, Jonny Lee Miller
Länge: 128 min.
Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems und im Skino Schaan.
Trailer zu "The Uprising - Für die Freiheit"




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