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The Death of Robin Hood

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 13 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"The Death of Robin Hood": Michael Sarnoski zertrümmert das Bild vom britischen Volkshelden
"The Death of Robin Hood": Michael Sarnoski zertrümmert das Bild vom britischen Volkshelden

Michael Sarnoski zertrümmert den Mythos vom heldenhaften Kämpfer für die Armen und Schwachen und zeichnet den legendären britischen Volkshelden als skrupellosen Mörder und Plünderer, der im Alter nach Erlösung sucht: Nach einem ebenso bildgewaltigen wie brutalen Beginn verliert die schonungslose Abrechnung in der betulichen zweiten Hälfte deutlich an Kraft und Dichte.


Der Titel nimmt das Ende vorweg. Michael Sarnoski, der sich beim Drehbuch von der im 17. Jahrhundert anonym verfassten Ballade "Robin Hood´s Death" inspirieren ließ, interessiert sich nicht für die legendären Kämpfe des brillanten Bogenschützen und seiner "Merry Men" gegen den finsteren Sheriff von Nottingham, sondern lässt seinen Film Jahrzehnte später und nicht im englischen Sherwood Forest, sondern in Irland spielen.


Ganz im Gegensatz zur Farbenpracht und leichthändig-beschwingten Erzählweise von Michael Curtiz´ und William Keighleys klassischem "The Adventures of Robin Hood" (1937) und zahlreicher Nachfolger setzt Sarnoski von der ersten Einstellung an auf eine düstere Atmosphäre. Hier dominieren nicht nur dunkle Grau- und Blautöne die Bilder von Kameramann Pat Scola, sondern es pfeift auch ein eisiger Wind und die karge Landschaft verstärkt die lebensfeindlich-frostige Stimmung ebenso wie schwermütige irische Lieder.


Statt eines agilen und charmanten Kämpfers ist Robin Hood (Hugh Jackman) ein alter Mann mit ungepflegtem weißem Bart, zerfurchtem Gesicht und verschmutzter Kleidung. Den Mythos von seinen Heldentaten entzaubert er selbst, wenn er die Geschichten als Lügen darstellt und Robin als gottlosen Plünderer und Mörder zeichnet, der sich nie für die Armen und Schwachen interessierte.


Des Kämpfens und Mordens ist er sichtlich müde, doch sein blutiges Geschäft beherrscht er immer noch. Er überwältigt nicht nur eine junge Angreiferin, sondern unterstützt auch seinen langjährigen Gefährten Little John (Bill Skarsgård) im Kampf gegen eine benachbarte Familie, die ihn von seinem Hof vertrieben hat.


Drastisch zeigt Sarnoski die brutale Gewalt, die hier losbricht, wenn Pfeile in Köpfe geschossen, Kehlen aufgeschlitzt, Kiefer zerrissen, eine Hand mit einem Messer gespalten oder eine Fackel in einen Kopf gerammt werden. An Nichts steht "The Death of Robin Hood" an Härte und Düsterkeit Robert Eggers´ Wikingerfilm "The Northman" und Nia DaCostas "28 Years Later: The Bone Temple" nach und man darf sich fragen, ob diese vernichtenden und beklemmenden Blicke auf vergangene und zukünftige Zeiten zumindest teilweise auch Reflexe auf die bedrückende aktuelle Weltlage sind.


Gleichzeitig entwickeln diese dunklen und vielfach nur von Feuern erhellten und mit Inbrunst inszenierten Szenen aber auch große Bildmacht und Kraft. Die Tonlage ändert sich aber markant, als der schwerverwundete Robin Hood von Little John in ein auf einer abgeschiedenen Insel gelegenes Frauenkloster gebracht wird.


Der Gewalt der Männer steht hier die Fürsorge der Priorin Brigid (Jodie Comer) gegenüber. Er, der eigentlich nur noch sterben wollte, um der Gewalt ähnlich wie Gregory Peck in Henry Kings Western "The Gunfighter" endlich zu entkommen, genest hier durch Brigids Pflege nicht nur physisch, sondern findet mit der Übernahme von Verantwortung auch innere Erlösung und Ruhe.


So positiv diese Wandlung für den Protagonisten ist, so problematisch ist sie für den Film an sich. Denn "The Death of Robin Hood" wird in dieser zweiten Hälfte nicht nur ruhiger und sanfter, sondern verliert durch seine Betulichkeit auch an erzählerischer Kraft, sodass Längen vor allem im endlos gedehnten Finale nicht ausbleiben. Gleichzeitig wird hier nach der radikalen Entzauberung des Helden am Beginn auch wieder der klassische Mythos gefeiert, wenn nun Robin Hood selbst die berühmte Geschichte von seiner ersten Begegnung mit Little John erzählt.


Unweigerlich erinnert dieses Ende an John Fords Western "The Man Who Shot Liberty Valance" und dessen Diktum "When the legend becomes fact, print the legend" und macht auch Sarnoskis Stoßrichtung klar: Einerseits soll das Heldenbild zertrümmert werden, andererseits aber auch aufgefordert werden, die positiven  Geschichten, die sich darum ranken, zu bewahren. – So kann "The Death of Robin Hood" auch zu einem kritischen Blick auf die Geschichte und Heldenbilder im Allgemeinen anregen.  



The Death of Robin Hood

USA 2026

Regie: Michael Sarnoski

mit: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Noah Jupe, Murray Bartlett, Elijah Ungvary, Beau Thompson, Faith Delaney, Tabitha Smyth, Fintan Shevlin 

Länge: 123 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems und im Skino Schaan (engl. OmU.)



Trailer zu "The Death of Robin Hood"



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