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Dreams - Gefährliches Verlangen (2025)

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Dreams - Gefährliches Verlangen": Erotisches Beziehungsdrama, das das Machtgefälle zwischen den USA und Mexiko auslotet
"Dreams - Gefährliches Verlangen": Erotisches Beziehungsdrama, das das Machtgefälle zwischen den USA und Mexiko auslotet

Der Mexikaner Michel Franco lotet in seinem Beziehungs- und Migrationsdrama nicht nur das Machtgefälle zwischen den USA und Mexiko aus, sondern auch das innerhalb einer wohlhabenden US-amerikanischen Familie: Jessica Chastain brilliert in der Hauptrolle, doch Francos kalter Blick und die distanzierte Inszenierung lassen nur wenig Emotionen und Spannung aufkommen.


Mit dem dystopischen Drama "The New Order – Die neue Weltordnung", in dem die gesellschaftliche Spaltung in eine Eskalation der Gewalt mündet, gelang dem 1979 geborenen Mexikaner Michel Franco vor sechs Jahren der internationale Durchbruch. In "Dreams" rückt er nun ausgehend von der erotischen Beziehung zwischen der wohlhabenden Amerikanerin Jennifer (Jessica Chastain) und dem deutlich jüngeren mexikanischen Migranten Fernando (Isaac Hernández) das Machtgefälle zwischen Mexiko und den USA ins Zentrum.


Von außen blickt die Kamera zunächst auf einen in der hitzeflirrenden Einöde stehenden LKW. Mit einem Schnitt geht der Tag in die Nacht über und aus dem Innern des Wagens hört man Hilferufe, ehe die Kamera den Blick in den mit Migrant:innen vollgepferchten Container gewährt.


Als die Heckklappe geöffnet wird, gelingt Fernando die Flucht und er schlägt sich nach San Francisco durch. Unterkunft findet er dort in der luxuriösen Wohnung Jennifers. Schon in Mexiko, wo Jennifer im Rahmen einer Stiftung ihrer Familie ein Kulturprojekt für junge Künstler:innen betreut, haben sie eine Affäre begonnen, doch in ihrer Heimat will sie nicht zu dem jungen Tänzer stehen.


Sie genießt zwar den leidenschaftlichen Sex mit ihm, verheimlicht ihn aber vor Bekannten und ihrer Familie. Andererseits reagiert sie verärgert, wenn Fernando mit einem Kellner spanisch spricht und sie sich ausgeschlossen fühlt. Während sie sich aber gegenüber dem illegalen Migranten in einer Machtposition befindet, spielt sie in ihrer eigenen Familie eine untergeordnete Rolle. Da agiert der Vater (Marshall Bell) als gönnerhafter Patron, während der Sohn (Rupert Friend) für ihn die Geschäfte führt. Jennifer wird dagegen nur als die "schöne Tochter" vorgestellt, die sich als Philanthropin um ihr mexikanisches Künstlerprojekt kümmern darf.


Scharf lotet Franco nicht nur diese Machtverhältnisse aus, die nur beim Sex aufgehoben werden, sondern deckt auch trocken die Rolle der Migrant:innen in der US-Gesellschaft auf: Als Billiglohnkräfte im Reinigungs- und Gastronomiebereich sind sie zwar gern gesehen, doch wenn sie in einer Tanz-Kompanie zum Star aufsteigen, kommt rasch Neid auf.


Klischees bedient der Mexikaner allerdings, wenn der zwar reichen, aber innerlich erkalteten Jennifer die Vitalität des jungen Mexikaners gegenübergestellt wird. So klinisch sauber und steril ihre in Weiß getauchte Wohnung ist, so perfekt ist auch ihre persönliche Fassade, wenn sie in nahezu jeder Szene mit einem anderen exklusiven Hosenanzug oder Kleid auftritt. Während sie sich so über ihre Kleidung definiert, wird Fernando, der oft in ärmellosen Shirts inszeniert wird, durch seinen muskulösen Körper und seine Beweglichkeit beim Tanz charakterisiert.


Dadurch dass Fernando, der vom mexikanischen Ballettstar Isaac Hernández gespielt wird, nicht aus einfachen, sondern durchaus gehobenen mexikanischen Verhältnissen stammt, wird aber auch klar, dass es hier nicht nur um ein soziales Gefälle geht, sondern dass auch die Staatsbürgerschaft eine zentrale Rolle spielt. Da mag er als Balletttänzer auch bald einen Mentor finden, so muss er doch aufgrund der illegalen Migration stets die Abschiebung durch ICE fürchten.


Bestechend durchleuchtet Franco diese Beziehungen und Abhängigkeiten und mit beeindruckender Kälte und Unnahbarkeit spielt Jessica Chastain, die auch als Executive Producer am Film beteiligt ist, Jennifer. Doch durch den kalten Blick und die nüchterne Inszenierung bleibt man immer distanzierte Beobachter:in. Weil man aber so keine emotionale Bindung zu den Figuren aufbauen kann, flacht auch die Spannungskurve nach intensivem Beginn ab.


Daran kann auch ein Perspektivenwechsel gegen Ende des Films nichts ändern, mit dem das Machtverhältnis zumindest vorübergehend umgekehrt wird, ehe ein für Franco typischer, lange nachwirkender brutaler Akt den Schlussakzent setzt: "Dreams" bleibt eine kühle am Reißbrett entworfene Versuchsanordnung, die zwar mit eleganter Inszenierung beeindruckt und zum Nachdenken anregt, aber auch kalt lässt.



Dreams

USA / Mexiko 2025

Regie: Michel Franco

mit: Jessica Chastain, Isaac Hernández, Rupert Friend, Marshall Bell, Hugo Costa Ramos, Nadia Flamenco

Länge: 98 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen.



Trailer zu "Dreams - Gefährliches Verlangen"



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