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Resurrection

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
"Resurrection": Bildmächtige Traumreise durch die Filmgeschichte
"Resurrection": Bildmächtige Traumreise durch die Filmgeschichte

Bi Gan lässt in seinem 2025 in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichneten dritten Spielfilm einen Träumenden durch die Filmgeschichte und die chinesische Geschichte des 20. Jahrhunderts reisen: Ein bildgewaltiger, vor Einfallsreichtum überbordender, 160-minütiger Brocken von einem Film, der sich in seiner traumartigen Erzählweise einem rationalen Zugang verweigert.


Seit den Anfängen der Filmgeschichte werden Querverbindungen zwischen Film und Traum hergestellt und Filmemacher wie Luis Bunuel und David Lynch ließen auch immer wieder fließend Traum und filmische Realität ineinander übergehen.


In der dystopischen Zukunft von Bi Gans "Resurrection" haben die Menschen unsterbliches Leben erlangt, indem sie aufs Träumen verzichten. Vampirhaft leben sie aber nun ohne echte Gefühle, doch einige sogenannte Fantasmer verweigern sich diesem Leben und träumen weiter. Verfolgt werden diese von einer namenlosen Agentin (Shu Qi), die im Körper eines dieser Fantasmer (Jackson Yee) einen Projektor findet, mit dem sie dessen Träume wie einen Film in Gang setzt.


Durchs ganze 20. Jahrhundert spannt Bi Gan dabei den Bogen, feiert einerseits eine vergangene Ära der Filmgeschichte und arbeitet andererseits bruchstückhaft die chinesische Geschichte auf. Im engen 4:3-Format und mit Zwischentiteln erweckt der 37-jährige Chinese so die Stummfilmzeit zum Leben. Mit schiefwinkligen Bauten und Schattenspielen zitiert er Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu" und Robert Wienes "Das Cabinet des Dr. Caligari", aber auch "Der begossene Gärtner" der Brüder Lumière und knüpft mit einer Opiumhöhle, die wiederum von den Spielhöllen in Fritz Langs "Dr. Mabuse" inspiriert sein könnte, an ein ikonisches chinesisches Setting des frühen 20. Jahrhunderts an.


Wenn im zweiten Kapitel der Ton einsetzt, sich das Bild auf Breitwand weitet und der Fantasmer als Monster auf einer Bahre liegt, dann weckt das Assoziationen an James Whales "Frankenstein", während sich Bi Gan mit einer Verfolgungsjagd in einem Spiegelkabinett unübersehbar vor Orson Welles´ "The Lady from Shanghai" verbeugt. Film noir-Stimmung evozieren in diesem in den 1930er oder 1940er Jahren spielenden Abschnitt aber auch die düsteren von Blau- und Grautönen bestimmten Bilder, während im dritten Kapitel mit der brutalen Folterung des Fantasmers an den kommunistischen Terror der 1950er und 1960er Jahre erinnert wird.


In einem Gespräch vor einem buddhistischen Tempel kann man aber auch eine Reverenz an die Rahmenhandlung von Akira Kurosawas "Rashomon" sehen, während ein verfallener, an eine Kathedrale erinnernder Bau Assoziationen an Andrej Tarkowskijs "Nostalghia" wecken kann. So rezipiert Bi Gan in diesem Bilderrausch nicht nur die Kinogeschichte, sondern aktiviert mit den filmgeschichtlichen Zitaten beim Publikum auch die Erinnerung an eigene Filmerfahrungen.


Bis zur Silvesternacht 1999 spannt der Chinese den Bogen und mischt dort in einer fulminanten, 35-minütigen Plansequenz Gangster- und Liebesfilm. Während dabei die Licht- und Farbdramaturgie an die Filme Wong Kar-wais anknüpft, kehrt "Resurrection" mit dem Ende wieder zum Vampirfilm und zu "Nosferatu" zurück und lässt den Tod in die titelgebende Auferstehung übergehen.


Rational lässt sich dieser visuell und an erzählerischem Einfallsreichtum überbordende Trip durch die Filmgeschichte und das 20. Jahrhundert nicht fassen. Einlassen muss man sich auf die überwältigenden Bilder, auf das Spiel mit Zitaten, mit Licht und Farbe. Selbstzweckhaft wird das aber nie, sondern durchgängig reflektiert Bi Gan nicht nur über die Vergänglichkeit, sondern feiert diese auch.


Denn da wird nicht nur dem kalten ewigen Leben, das mit einer nicht brennenden Kerze verglichen wird, das leidenschaftliche Träumen gegenübergestellt, das die Menschen wie eine Kerze verzehrt, sondern auch mit Buddha-Statuen, die bei der kleinsten Berührung zerfallen, und der Reminiszenz an eine längst vergangene Epoche der Filmgeschichte wird diese Hinfälligkeit ebenso wie die Kraft des Träumens und des Kinos beschworen.


Ermüdend kann man dieses ausufernde Fabulieren finden, bei dem nichts auf den Punkt gebracht wird und Actionszenen neben poetischen Momenten und brutale Gewalt neben humoristischen Szenen stehen, doch gleichzeitig ist das ein aufregendes Kinostück, das in kein Schema passt und in seinem Wagemut und seiner Überfülle einerseits Lust auf ein zweites Sehen weckt, andererseits auch schon jetzt gespannt auf den nächsten Film des maßlosen Kinovisionärs Bi Gan warten lässt.



Resurrection

China / Frankreich 2025

Regie: Bi Gan

mit: Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue, Chen Yongzhong

Länge: 160 min.



TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Di 28.7., 20.15 Uhr + Do 30.7., 18.15 Uhr (Mandarin mit deutschen Untertiteln)



Trailer zu "Resurrection"



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