• Walter Gasperi

Foxy Brown


Pam Grier als toughe Afroamerikanerin, die einem Drogenring den Kampf ansagt. Jack Hills 1974 entstandener Klassiker des Blaxploitation-Kinos, der Black Empowerment mit Female Empowerment verbindet, ist bei Studio Hamburg Enterprises auf Blu-ray erschienen.


Der Vorspann gibt mit kräftigen Farben, der tanzenden Protagonistin und ihrem Augenzwinkern den Ton an. Deftiges Kino soll hier geboten werden und man sieht den Einfluss von Roger Corman (Buch zu Corman), dessen American International Pictures "Foxy Brown" produzierte. Nach Horror- und Science-Fiction-Filmen in den 1950er und 1960er Jahren, dem Biker-Film "The Wild Angels" (1966) und dem Drogenfilm "The Trip" (1967) war in den frühen 1970er Jahren das Blaxploitation-Kino angesagt.


Keine realistischen Studien der Situation der Afroamerikaner wurden dabei geboten, sondern die Muster des (weißen) Genrekinos aufgenommen, aber die Rollen- und auch die Geschlechterklischees auf den Kopf gestellt. Hier sind für einmal nicht die Afroamerikaner die Verbrecher, sondern die Weißen und im Zentrum steht mit Foxy Brown eine starke Frau.


Nicht zufällig erinnert ihr Name an Quentin Tarantinos "Jackie Brown", ist der Kultregisseur doch ein begeisterter Fan dieses ebenso engagierten wie trashigen Kinos und besetzte folglich auch die Hauptrolle seines Films mit Foxy Brown-Darstellerin Pam Grier.


Nicht differenziert ausgearbeitet werden hier Figuren und Situationen, vielmehr geht es Schlag auf Schlag und Action wird mit Sex gemischt. Muss in der ersten Szene Foxy Brown noch ihren kleinkriminellen Bruder vor den Handlangern einer Drogenbaronin retten, so wird wenig später ihr Geliebter, der lange Undercover im Drogenmilieu ermittelte, von diesen Killern getötet.


Foxy vertraut freilich nicht auf die Polizei, sondern nimmt die Dinge selbst in die Hand. Über einen Callgirl-Ring gelingt es ihr ins Milieu einzutauchen. Bald stellt sie einen korrupten Richter bloß und rechnet am Ende freilich auch mit den Mördern ihres Geliebten und mit der Bandenchefin ab.


Viel Augenfutter wird hier mit satten Farben und rasantem Erzähltempo geboten, Funk- und Soulmusik sorgen für Hörgenuss, gleichzeitig wird mit der starken und furchtlosen Protagonistin aber auch ein Rollenmodell transportiert, das weibliches und afroamerikanisches Selbstbewusstsein stärken soll und kann. Die Diskriminierung durch die weißen Männer soll man nicht mehr duldend hinnehmen, sondern seine eigene Stärke erkennen und sich zur Wehr setzen.


Wenig stören die teils dürftigen schauspielerischen Leistungen und das offensichtliche Kunstblut, denn Durchschlagskraft gewinnt die Botschaft einerseits durch die charismatische Pam Grier und andererseits durch die mitreißende Machart. Weil man in jeder Szene die Leidenschaft des Filmteams um den weißen Regisseur Jack Hill spürt, hat "Foxy Brown" nichts von seiner Frische verloren und bietet immer noch lustvolle Kinounterhaltung.


An Sprachversionen verfügt die bei Studio Hamburg Enterprises erschienene DVD über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung. Untertitel gibt es keine, die Extras beschränken sich auf Trailer zu zwei weiteren Filmen dieses Labels.


Trailer zu "Foxy Brown"