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  • AutorenbildWalter Gasperi

Following

Mit einem kleinen Film noir um einen erfolglosen Londoner Schriftsteller, der Opfer einer fiesen Intrige wird, startete Christopher Nolan 1998 seine Karriere. – Bei Pandastorm Pictures ist das starke Debüt, das schon viele Elemente der späteren Filme des "Oppenheimer"-Regisseurs enthält, in einem Mediabook mit umfangreichen Extras auf DVD und Blu-ray erschienen.


Spätestens seit seiner "Dark Knight"-Trilogie (2005 – 2013) zählt der 1970 geborene Christopher Nolan zu den absoluten Star-Regisseuren des Kinos. Jeder seiner Filme wird mit Spannung erwartet, große Budgets und Star-Ensembles standen ihm von "Inception" (2010) über "Interstellar" (2014) bis "Oppenheimer" (2023) zur Verfügung.


Ganz klein gehalten ist dagegen noch sein 1998 entstandenes Debüt. Gerade einmal auf 6000 US-Dollar beliefen sich die Produktionskosten. Die Rollen besetzte er weitgehend mit Familienangehörigen wie seinem Onkel Jonathan Nolan und Freunden. Die Wohnung seiner Eltern diente als Drehort und die Schreibmaschine des Protagonisten war Nolans eigene, auf der er auch das Drehbuch schrieb.


Gedreht hat Nolan, der neben Regie und Drehbuch auch für die Kamera und zusammen mit Gareth Heal für den Schnitt verantwortlich zeichnet, in Schwarzweiß und auf 16mm-Film im engen 4:3 Format. Das passt perfekt zur düsteren Film noir-Geschichte, die erzählt wird.


Im Zentrum steht der erfolglose junge Schriftsteller Bill (Jeremy Theobald), der zunächst aus Langeweile beginnt, Leute auf den Straßen zu beobachten und ihnen zu folgen. Geschieht dies zunächst zufällig, so stellt er bald gezielt immer wieder den gleichen Leuten nach, womit das Unheil für ihn beginnt.


Dass irgendetwas schief gelaufen ist, macht schon ein eingeschnittenes Gespräch oder Verhör deutlich, dessen Hintergründe bis kurz vor Ende unklar bleiben. Wie im klassischen Film noir erzählt Nolan so retrospektiv, wirbelt dabei aber auch die Zeitebenen durcheinander.


Eine Wende nehmen Bills Beschattungen, als er in einem Restaurant von einem jungen Mann in Anzug wegen seines Stalkings angesprochen wird. Rasch entpuppt sich dieser Mr. Cobb (Alex Haw) als Seelenverwandter Bills, denn Bills obsessiver Lust an der Beobachtung steht Cobbs Leidenschaft für Einbrüche gegenüber. Nicht um Diebstahl geht es ihm dabei, sondern er will die Leute nur verunsichern, indem er in den Wohnungen unübersehbare Spuren seines Einbruchs hinterlässt.


So zieht er auch Bill in seine Einbruchstouren hinein, bei denen auch die Wohnung einer Blondine heimgesucht wird, in deren Fotos sich Bill auf Anhieb verliebt. So beginnt er auch sie zu beobachten, spricht sie an und trifft sich mit ihr. Für sie übernimmt er schließlich auch unabhängig von Cobb einen Einbruch, muss dann aber erkennen, dass seine Naivität gnadenlos ausgenützt wurde.


Hier finden sich mit dem schwachen Mann, dem böse mitgespielt wird, und der Femme fatale, der er hoffnungslos verfällt, nicht nur typische Film noir-Figuren, sondern Nolan erzeugt mit der unruhigen und nah geführten Handkamera sowie den starken Schwarzweißbildern auch eine typische Film noir-Atmosphäre.


Aber auch das Spiel mit den Zeitebenen, das Nolan in vielen späteren Filmen wie "Memento", "Dunkirk" oder "Oppenheimer" weitertrieb, sorgt für Verunsicherung und hält die Spannung hoch. So klein gehalten die Handlung im Grunde ist und weitgehend mit drei Figuren auskommt, so sind die Zuschauer:innen doch gefordert und müssen die ineinander geschnittenen Teile, die zeitlich nur durch die unterschiedliche körperliche Verfassung und das sich verändernde Aussehen Bills voneinander getrennt werden können, selbst zusammenstellen.


Viel vom späteren Meisterregisseur steckt so schon in diesem gerade einmal 70-minütigen Debüt, das seine ganze Wucht mit der ausgesprochen fiesen Wendung am Schluss entfaltet.


An Sprachversionen bieten die bei Pandastorm Pictures in einem Mediabook erschienene Blu-ray und DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Als Extras gibt es neben einem Audiokommentar von Christopher Nolan, eine alternative chronologische Schnittfassung sowie ein 16-seitiges Booklet mit einem Essay von Marcus Stiglegger.


Trailer zu "Following"




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