Dracula (1931)
- Walter Gasperi

- 29. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Bela Lugosi reist als Graf Dracula von Transsylvanien nach London, wo er bald Spuren seiner Anwesenheit hinterlässt. – Bei Onegate ist Tod Brownings klassischer Horrorfilm auf Blu-ray erschienen.
Während Friedrich Wilhelm Murnau 1922 mit "Nosferatu" Bram Stokers 1897 erschienenen Roman "Graf Dracula" ohne Genehmigung des Autors bzw. seiner Witwe für die Leinwand adaptiert hatte, gilt Tod Brownings Version aus dem Jahr 1931 als erste autorisierte Verfilmung. Gleichzeitig läutete Browning damit auch die Reihe der klassischen Universal-Horrorfilme ein, folgte doch noch im gleichen Jahr James Whales "Frankenstein" (1931) und nur ein Jahr später Karl Freunds "Die Mumie" (1932).
In den Ängsten, die diese Filme, aber auch der von RKO produzierte "King Kong und die weiße Frau" (1933) weckten, kann man auch eine Verarbeitung und Spiegelung des Schwarzen Freitags von 1929 und der anschließenden Weltwirtschaftskrise sehen. Immer wieder ist es hier das Fremde, das in die bürgerliche Ordnung einbricht und diese zu zerstören droht.
Nicht zu übersehen ist bei Brownings Film aber auch, dass nicht nur Stokers Roman, sondern auch Hamilton Deanes und John L. Balderstons Theaterstück "Dracula" als Vorlage diente. Bühnenhaft und statisch wirken nämlich viele Szenen, entwickeln aber durch die sichtlich vom deutschen Expressionismus beeinflusste Schwarzweißfotografie von Kameramann Karl Freund dennoch immer wieder eine dichte Atmosphäre.
Da nimmt man auch die gemalten Wälder und Berge und die unübersehbar im Studio gedrehte Kutschenfahrt durch Transsylvanien hin, denn Browning treibt die Handlung des nur 74 Minuten langen Films so zügig voran, dass manche Szenen schon skizzenhaft wirken.
Auf die Warnung der einheimischen Bevölkerung vor der Walpurgnisnacht und vor Graf Dracula folgt so auch schon die Fahrt des englischen Maklers Renfield zum Schloss und Draculas Kauf eines Anwesens bei London. Mit einer der Kutsche vorausfliegenden Fledermaus, dem halbverfallenen Schloss mit von Spinnweben verhängten Gängen und Zimmern evozieren Browning und Freund dabei wohlige Gruselstimmung.
Knapp gehalten ist auch die Schiffsreise nach London, bei der außer Renfield und dem untoten Dracula die gesamte Mannschaft umkommt. Ganz im Gegensatz zu späteren Dracula-Filmen – wie beispielsweise den Hammer-Produktionen mit Christopher Lee – spart Browning den blutsaugenden und meist sexuell konnotierten Biss des Fürsts der Vampire aus. Man sieht nur, wie er sich einer jungen Blumenverkäuferin nähert, ehe in der nächsten Einstellung schon deren Leiche aufgefunden wird.
Bald schleicht er sich auch ins Haus seines neuen Nachbarn Dr. Seward ein, wo ihm zunächst die Freundin von Sewards Tochter Mina zum Opfer fällt, ehe er Mina selbst unter seinen Einfluss bringt. Wird der Biss im Film nämlich ausgespart, so wird dem hypnotisierenden Blick Draculas eine wichtige Rolle beigemessen.
Nicht gewalttätig ist dieser Dracula, sondern ein Verführer und Bela Lugosi verleiht ihm mit seinem schwarzen Frack unter dem schwarzen Cape entsprechende Vornehmheit. Gleichzeitig strahlt der gebürtige Ungar aber auch eine Fremdheit und subtile Gefährlichkeit aus, die ihn zum Antagonisten des englischen Bürgertums macht. So sehr soll Lugosi diese Rolle verinnerlicht haben, dass er am Lebensende von dem Gedanken besessen sein soll, selbst Dracula zu sein.
Wie in "King Kong" kann man aber auch in "Dracula" eine Metapher für die Angst der schwachen bürgerlichen Männer sehen, ihre Frauen an geheimnisvolle Fremde zu verlieren, die über ungleich größere Verführungskraft und Faszination verfügen als sie selbst.
So lassen Lugosis intensive Ausstrahlung, die immer wieder dichte Atmosphäre, aber auch die Interpretationsmöglichkeiten über inszenatorische Schwächen dieses "Ur-Dracula" hinwegsehen. Ein wesentlich düsterer und auch stärkerer Film gelang Browning allerdings im folgenden Jahr mit dem immer noch schockierenden "Freaks". Während dieser Film immer noch singulär in der Filmgeschichte steht, hat "Dracula" freilich von den Hammer-Filmen über Francis Ford Coppolas "Bram Stoker´s Dracula" (1992) bis zu Luc Bessons "Dracula – Die Auferstehung" (2025) und Radu Judes "Dracula" (2025) inzwischen zahllose Nachfolger und Ableger erhalten.
An Sprachversionen bietet die bei Onegate erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie.
Trailer zu "Dracula" (1931)




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