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  • AutorenbildWalter Gasperi

Bram Stoker´s Dracula

Mit überwältigender Ausstattung und visuellem Einfallsreichtum verfilmte Francis Ford Coppola 1992 Bram Stokers Roman über den legendären Vampir als opulenten Ausstattungsfilm. Bei Plaion Pictures ist dieser barocke Bilderrausch mit vielfältigen Extras auf Blu-ray und in einem Steelbook auf 4K Ultra HD + Blu-ray erschienen.


Der Bogen der Film über den Fürsten der Finsternis spannt sich von Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu" (1922) über Tod Browings "Dracula" (1931) und Terence Fischers Version von 1958 bis zu einer 2020 entstandenen Miniserie. – Der transsylvanische Fürst ist unbestritten die berühmteste Figur aller Vampirfilme und schwer ist es einem so oft verfilmten Stoff noch neue Fassetten abzugewinnen. Doch schon mit dem Titel "Bram Stoker´s Dracula" deutet Francis Ford Coppola an, dass seine Fassung sich von den anderen Filmen abheben soll.


Nah am Roman will der Amerikaner bleiben, stellt aber doch der Haupthandlung einen Prolog voran, der sich in Bram Stokers 1897 veröffentlichtem Klassiker des Vampirromans nicht findet. Coppola blendet so zunächst ins 15. Jahrhundert zurück und stellt die Geschichte in einen historischen Kontext, wenn er den rumänischen Fürsten Vlad Dracul 1462 in eine Schlacht gegen ein übermächtiges Osmanisches Heer ziehen lässt.


Zwar siegt der christliche Fürst, doch seine Frau Elisabeta (Winona Ryder) begeht Selbstmord, weil sie aufgrund einer gezielten osmanischen Falschmeldung annehmen musste, dass ihr Mann umgekommen ist. Als der Priester die Bestattung der Selbstmörderin verweigert, schwört Dracul wütend Gott und dem Christentum ab, durchbohrt in der Kirche ein Kreuz, aus dem sich Blut ergießt. Erklärt wird so auch die Blutgier Draculas, der 400 Jahre später in London Grundstücke kaufen will.


Weil der erste Makler (Tom Waits) wahnsinnig von der Reise nach Transsylvanien an die Themse zurückkehrte, wird nun Jonathan Harker (Keanu Reeves) ins ferne Rumänien geschickt, um den Vertrag unter Dach und Fach zu bringen. Als Graf Dracul (Gary Oldman) bei Harker aber das Bild von dessen Verlobter Mina (Winona Ryde) sieht, verliebt der Vampir sich sofort in diese, denn sie sieht wie eine Doppelgängerin seiner vor 400 Jahren verstorbenen Frau aus.


Während Harker nun im unheimlichen Schloss festgehalten wird, bricht Dracula selbst per Schiff nach London auf. Dort fällt er einerseits in Gestalt eines Wolfs über die lebenslustige Lucy (Sadie Frost) her und umgarnt andererseits Mina, die rasch dem Charme des mysteriösen Fremden erliegt.


Der Tod Lucys ruft aber den Vampirjäger Van Helsing (Anthony Hopkins) auf den Plan, der sich mit Helfern auf die Jagd Draculas macht und dem Flüchtenden nach Transsylvanien folgt.


Weniger als düsteren Horrorfilm als vielmehr als barocke Kinooper, die in fantastischen Kostümen, die von der japanischen Designerin Eiko Ishioka entworfen wurden, und in spektakulärer Ausstattung schwelgt, inszenierte Coppola seine Verfilmung von Bram Stokers Roman. Im Zentrum steht so auch weniger Draculas Lust am Blut als vielmehr seine tiefe Liebe zunächst zu seiner Frau Elisabeta und dann zu deren Wiedergängerin Mina. Romantik überlagert so die Vampir-Jagd.


Coppola setzt aber nicht nur auf Kostüme, Ausstattung und die großartige Kameraarbeit von Michael Ballhaus, sondern überwältigt auch mit einfallsreicher filmischer Inszenierung. Da lässt er Dracula bald als jungen Mann, bald als verunstalteten Greis, bald als Wolf, dann wieder als durch die Gassen kriechenden grünen Nebel die Menschen heimsuchen.


Eine rasende Kutschenfahrt entlang einem Abgrund jagen Harker ebenso einen Schrecken ein wie danach im transsylvanischen Schloss die von Spinnennetzen übersäten Räume und Unmengen an Ratten. Aber auch bei der Begegnung mit mehreren Vampirinnen, die ihn verführen, kippt das Lustgefühl rasch in Entsetzen.


Mit kühner Parallelmontage verschmelzt Coppola immer wieder die Handlung in Transsylvanien und in London. In Überblendungen lässt er die Augenpartie Draculas in Detailaufnahme vom Himmel auf London blicken und seinen Schatten über die britische Hauptstadt werfen und der Blick auf das Auge einer Pfauenfeder geht über in einen Tunnel, durch den ein Zug Richtung Transsylvanien rast.


Lustvoll spielt Coppola mit filmischen Erzählweisen, wenn er die den Film eröffnende Schlacht als Schattenspiel mit sich vor blutrotem Himmel abstechenden Kämpfern inszeniert und beispielsweise auch bei den Eisenbahnszenen die Künstlichkeit betont.


Der Verweis auf das parallel zur Handlung des Films Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Kino nützt der Altmeister dabei auch, um mit Stilmitteln des Stummfilms wie Irisblende, Fischauge oder monochromatischer Farbgebung zu spielen, zitiert aber beispielsweise in der Kutschenfahrt Harkers oder beim Blick auf Draculas Schiff auch Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu".


Aber auch mit dem Erzählen an sich wird gespielt, wenn nach der Einleitung durch einen Off-Erzähler, immer wieder Briefe von Harker an Mina gelesen werden, wenn Mina auf einer Schreibmaschine schreibt und Dr. Seward seine Erkenntnisse auf einen Phonographen spricht.


An den Rand gedrängt wird bei diesem visuellen und erzählerischen Überschuss das Thema vom Gegensatz von rational-wissenschaftlicher Welt und irrationalen Kräften, das geographisch mit den Polen London und dem abgelegenen Schloss in den Karpaten korrespondiert. Doch vermag dieser Vampir- und Liebesfilm so dramaturgisch und inhaltlich auch nicht wirklich zu überzeugen, so bietet er doch in höchstem Maße opulente Kinounterhaltung, die auch bei mehrmaligem Sehen immer wieder neue Entdeckungen ermöglicht.


An Sprachversionen verfügt diese Veröffentlichung von Plaion Pictures, das den Film nicht nur auf Blu-ray, sondern auch in einem Steelbook auf 4K-Ultra HD + Blu-ray anbietet, neben der englischen Original- und der deutschen Synchronfassung mehrere weitere Sprachfassungen. Untertitel gibt es nicht nur in Deutsch, englisch und französisch, sondern auch in zahlreichen weiteren Sprachen.


Die Extras umfassen neben zwei Trailern jeweils deutsch untertitelte Audiokommentare einerseits von Francis Ford Coppola und andererseits von seinem Sohn Roman Coppola, der als Visual Effects- und Second Unit Director fungierte, und dem Makeup Supervisor Greg Cannom. Dazu kommen – ebenfalls jeweils deutsch untertitelt - eine kurze Einführung Coppolas, ein 30-minütiges Making of, das begleitet von Interviews mit Coppola, den Schauspieler:innen sowie dem Maskenbildner Greg Cannom auf die Dreharbeiten blickt, aber auch die Geschichte der Dracula-Figur beleuchtet.


Weiters gibt es deutsch untertitelte Features zur Kostümbildnerin Eiko Ishioka (15 Minuten) sowie zum Prozess der visuellen Gestaltung, in den anhand der verschiedenen Storyboards Einblick geboten wird (10 Minuten). Aber auch eine Sammlung von zwölf in der Endfassung nicht enthaltenen Szenen (insgesamt 30 Minuten) sowie ein 15-minütiges, nicht untertiteltes, aber gut verständliches Interview mit Francis Ford Coppola und seinem Sohn Roman zur Zusammenarbeit und zur Entstehung des Films fehlen nicht.



Trailer zu "Bram Stoker´s Dracula"



 

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