• Walter Gasperi

Zerrissen und zerbrechlich: Zum 100. Geburtstag von Montgomery Clift


Montgomery Clift (1920 - 1966)

Neben James Dean und Marlon Brando gehörte Montgomery Clift in den 1950er Jahren zu den Stars, die nicht nur die Art des Spiels, sondern auch das männliche Rollenbild im Hollywoodkino revolutionierten. Am 17. Oktober wäre der schon 1966 im Alter von nur 46 Jahren verstorbene Star 100 Jahre alt geworden.


140 Rollen-Angebote soll der am 17. Oktober 1920 in Omaha, Nebraska geborene Montgomery Clift zwischen 1948 und seinem frühen Tod im Juli 1966 erhalten haben, doch er spielte nur in 17 Filmen. Zahlreiche Angebote von der Hauptrolle in Billy Wilders "Sunset Boulevard" über Elia Kazans "On the Waterfront" ("Die Faust im Nacken") und "East of Eden" bis zu John Hustons "Moby Dick" lehnte er ab, weil ihn die Charaktere zu wenig interessierten.


Sehr gezielt wählte er seine Rollen aus, zog vielfach auch das Theater dem Kino vor. Schon als 15-Jähriger spielte er seine erste Hauptrolle am Broadway in "Fly Away Home", seine erste große Filmrolle hatte er 1948 an der Seite von John Wayne in Howard Hawks´ "Red River". Wie in diesem Western der pragmatisch denkende junge Matthew Garth die Herrschaft des autokratisch bestimmenden, älteren Tom Dunson bricht und sich die Ankunft eines neuen Zeitalters ankündigt, so brachte auch Clift mit seinen jungen Kollegen einen neuen Wind ins Hollywoodkino.


Er bricht in seinem Spiel mit den klassischen Hollywoodhelden, bezeichnete Hawks und Wayne auch als "Faschisten" und interessierte sich für gebrochene und zerrissene Charaktere. Wie Brando und Dean hatte er in Lee Strasbergs legendärem Actor´s Studio gelernt und sich mit dem Method Acting immer wieder ganz in seine Charaktere eingelebt.


Wochenlang habe er sich deshalb in ein Kloster zurückgezogen, um in Alfred Hitchcocks "I Confess" (1953) einen katholischen Priester überzeugend spielen zu können und für seine Rolle als ehemaliger Boxer, der als Soldat nach Pearl Harbour versetzt wird, in Fred Zinnemanns mit acht Oscars ausgezeichnetem "From Here to Eternity" (1953) nahm er monatelang Boxunterricht. Gleichzeitig ließ er in sein Spiel aber immer auch seine private Biographie einfließen von der von einer krankhaft ehrgeizigen Mutter bestimmten Kindheit bis zu seiner verheimlichten Homosexualität.


Wie er in Hollywood als schweigsamer und verschlossener Außenseiter galt, so spielte er auch immer wieder sensible und zerbrechliche Charaktere. Seine erste Oscarnominierung erhielt er für seine Darstellung eines amerikanischen Soldaten, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eines Flüchtlingskindes annimmt, in Fred Zinnemanns "The Search" (1949).


Im gleichen Jahr brillierte er auch an der Seite von Olivia de Havilland in William Wylers "The Heiress" (1949). Die zweite Oscar-Nominierung folgte aber zwei Jahre später für seine Leistung in George Stevens "A Place in the Sun" (1951), in der Clift an der Seite von Elizabeth Taylor spielte, die zu seinen wichtigsten Wegbegleitern und engsten Freundinnen zählte.

Zwei weitere Nominierungen folgten für "From Here to Eternity" und Stanley Kramers "The Judgement of Nuremberg" (1961), in dem Clift gratis eine Nebenrolle übernahm, da ihm die Thematik wichtig war.


Einen tragischen Knick erfuhr Leben und Karriere des Stars 1956, als er während der Dreharbeiten zu "Raintree County" einen schweren Autounfall erlitt. Schwer verletzt überlebte Clift, doch Schnittwunden entstellten sein Gesicht und die Fixierung des vierfach gebrochenen Kiefers verursachte starke Schmerzen, die er durch Alkohol und Tabletten zu betäuben versuchte.


Herausragend unter den acht Filmen, die nach dem Unfall entstanden, ist John Hustons im Rodeo-Milieu spielender "The Misfits" (1961), der nicht zuletzt dadurch Berühmtheit erlangte, dass sowohl Clark Gable als auch Marilyn Monroe kurz nach Ende der Dreharbeiten verstarben. Förmlich zerbrochen am maskulinen Huston ist Clift dagegen während der Dreharbeiten zu "Freud" (1962). Huston verwarf nämlich nicht nur Jean-Paul Sartres Drehbuch für dieses Biopic, sondern beschimpfte und beleidigte auch seinen schwierigen und neurotischen Star.


Immer mehr gab sich Monty dem Alkohol und Drogen hin, einzig Elizabeth Taylor konnte ihm Hoffnung machen mit einer Verfilmung von Carson McCullers "Reflections in a Golden Eye", in der sie, Clift und Richard Burton trotz der bitteren Erfahrungen mit "Freud" unter der Regie von John Huston die Hauptrollen spielen sollten. Doch kurz vor Drehbeginn wurde der erst 46 Jahre alte Schauspieler am 23. Juli 1966 tot in seiner Wohnung in New York aufgefunden. – Seine Rolle in "Reflections in a Golden Eye" übernahm bezeichnenderweise Marlon Brando.


Im Gegensatz zu Brando und Dean mag Clifts Ruhm ziemlich verblasst sein, doch unbestritten ist, dass dieses Trio die Schauspielkunst entscheidend geprägt und das Spiel von Stars wie Jack Nicholson, Robert DeNiro und Al Pacino entscheidend beeinflusst hat. - Und ein neuer Dokumentarfilm soll seine tragische Lebensgeschichte wieder in Erinnerung rufen.


Trailer zu "Making Montgomery Clift"