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"Wuthering Heights" - Sturmhöhe

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 6 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

"Wuthering Heights - Sturmhöhe": Emily Brontës berühmter Roman als bildmächtige Geschichte einer von Sex und Abhängigkeit bestimmten toxischen Beziehung
"Wuthering Heights - Sturmhöhe": Emily Brontës berühmter Roman als bildmächtige Geschichte einer von Sex und Abhängigkeit bestimmten toxischen Beziehung

Emerald Fennell erzählt in ihrer freien Adaption von Emily Brontës berühmtem Roman die Liebesgeschichte der Tochter eines englischen Gutsbesitzers und eines Außenseiters bildmächtig als von Sex und Abhängigkeit bestimmte toxische Beziehung.


Schon 1920 wurde Emily Brontës 1847 erschienener Roman "Wuthering Heights" erstmals verfilmt. 1939 folgte William Wylers klassische Adaption mit Laurence Olivier und Merle Oberon in den Hauptrollen. Auch Luis Bunuel und Jacques Rivette nahmen sich mit "Abismos de pasión" ("Abgründe der Leidenschaft" (1954) bzw. "Hurlevent" ("Sturmhöhe", 1985) des Stoffes an und Andrea Arnold legte 2011 nicht nur eine schroffe und raue Verfilmung vor, sondern brachte auch erstmals (?) den Aspekt des Rassismus ins Spiel, indem sie das Findelkind Heathcliff nicht nur als sozial ausgegrenzt, sondern - wie im Roman beschrieben - auch als dunkelhäutigen Afrikaner oder Roma zeichnete.


Bevor man in Emerald Fennells Adaption etwas sieht, hört man Laute, die an Sex denken lassen, doch die Bilder brechen brutal mit dieser Vorstellung. Zu sehen ist nämlich eine Hinrichtung, bei der ein Mann am Galgen zuckt und er noch eine Erektion hat, ehe er stirbt. Vorgegeben wird mit diesem drastischen Einstieg das Spannungsfeld von Sex und Gewalt, von Leidenschaft und Schmerz, das diesen Film bestimmt.


Zeugin der Hinrichtung ist in der johlenden Menge unter anderem die kleine Catherine. Ihr trunksüchtiger Vater bringt ihr bald von einem seiner Gasthausbesuche einen etwa gleichaltrigen Jungen quasi als Spielzeug auf den Gutshof Wuthering Heights mit. Catherine gibt dem Findelkind den Namen Heathcliff und gemeinsam wachsen sie heran.


Man spürt die enge Beziehung zwischen den beiden Kindern, doch immer bleibt Heathcliff ein Außenseiter und wird von Catherines Vater brutal geschlagen. Sichtbar ist auch, wie sehr sich die beiden begehren, doch als Heathcliff (Jacob Elordi) mithört, dass Catherine (Margot Robbie) den reichen Nachbarn heiraten will, flieht er vom Hof. Erst einige Jahre später kehrt er als reicher Mann zurück, kauft das inzwischen völlig heruntergekommene Gut Wuthering Heights und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit der verheirateten und schwangeren Catherine.


Emerald Fennell, der vor sechs Jahren mit "Promising Young Woman" eine großartige schwarzhumorige Satire gelang, beschränkt sich nicht nur auf den ersten Teil von Emily Brontës Roman, sondern hat Heathcliff mit Jacob Elordi auch wieder mit einem eindeutig weißen Schauspieler besetzt und blendet so die Rassismusthematik des Romans aus. Andererseits ist aber die Haushälterin Nelly, die als Intrigantin gezeichnet wird, mit der vietnamesischstämmigen Amerikanerin Hong Chau besetzt. Gegen mögliche Kritik an solchen Eingriffen wappnet sich Fennell freilich von vornherein, wenn sie erklärt, dass sie den Titel unter Anführungszeichen setze, da "Wuthering Heights" keine Verfilmung des Romans sein wolle, sondern nur eine Version davon.


So interessiert die britische Regisseurin auch das gesellschaftliche Gefälle zwischen Catherine und Heathcliff höchstens am Rande, sondern richtet den Fokus ganz auf das Spannungsfeld von Begehren und Abhängigkeit. In der rauen Heidelandschaft, die Kameramann Linus Sandgren eindrucksvoll ins Bild rückt, kann man ein Spiegelbild der ungezügelten Triebe der Protagonist:innen sehen.


Gegenpol dazu stellt der fast schon klinisch saubere Hof von Catherines Mann dar, in dem die Tapeten farblich auf ihre Hautfarbe abgestimmt sind, riesige Erdbeeren verzehrt werden, überdimensionierte Colliers getragen werden und Catherine in ein enges Korsett gezwängt wird. Den Erdfarben der Natur steht hier kaltes Weiß gegenüber, vor dem sich die leuchtend roten Kostüme ebenso markant abheben wie mächtige weiße Schleier in der weiten Landschaft.


Auf visuellen Effekt zielt Fennell ab. Ein eindrucksvolles Bild gelingt ihr so auch, wenn Heathcliff vor leuchtend rotem Himmel vom Hof flieht, und Kostüme und Ausstattung erinnern immer wieder an Sofia Coppolas poppigen "Marie Antoinette". Gesteigert wird die Kraft der stylischen Bilder dabei durch die Musik, vor allem durch die Songs der britischen Popsängerin Charli xcx.


Die grelle Bildebene korrespondiert mit der weitgehend auf die obsessive Leidenschaft beschränkte Beziehung zwischen Catherine und Heathcliff. Für Romantik ist hier kaum Platz, sondern immer wieder treffen sie sich zum schnellen Sex, bei dem Fennell freilich sehr keusch bleibt, um ja nicht die Altersfreigabe zu gefährden. Der Zurückhaltung bei diesen konkreten Sexszenen stehen andererseits aber wieder ziemlich deutliche sexuell konnotierte Bilder gegenüber, wenn Catherine beispielsweise einem in Aspik liegenden Fisch ihren Finger ins Maul steckt, wenn Heathcliff von seinen Fingern zerschlagene Eier abschleckt oder Teig geknetet wird.


Noch intensiver als zwischen dem Liebespaar werden Triebhaftigkeit und Besessenheit aber bei Catherines Schwägerin Isabella spürbar, die Heathcliff völlig verfallen ist und sich von ihm schließlich wie eine angekettete Hündin halten lässt. Eindrücklich vermittelt Fennell so die irrationale Kraft der Leidenschaft, die hier auch und vor allem Leiden schafft, doch tiefer dringt "Wuthering Heights" nie, sondern bleibt im visuellen Exzess stecken und ist so insgesamt doch ziemlich hohl.



Wuthering Heights

USA / Großbritannien 2026

Regie: Emerald Fennell

mit: Margot Robbie, Jacob Elordi, Alison Oliver, Hong Chau, Martin Clunes, Shazad Latif, Ewan Mitchell

Länge: 130 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems, im Cineplexx Lauterach und im Kino Bludenz. FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 8.4., 18 Uhr + Do 19.4., 19.30 Uhr (engl. OmU.)



Trailer zu "Wuthering Heights - Sturmhöhe"



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