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Bon Vovage – Bis hierher und noch weiter (On ira)

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 12 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"Bon Voyage - Bis hier und noch weiter": Warmherzige Tragikomödie über Sterbehilfe
"Bon Voyage - Bis hier und noch weiter": Warmherzige Tragikomödie über Sterbehilfe

Ein Roadtrip zu einem Sterbehilfetermin in die Schweiz, doch die 80-jährige Marie traut sich nicht, ihrem Sohn und ihrer Enkelin von ihren Absichten zu erzählen: Enya Baroux ist auch dank eines spielfreudigen Ensembles eine berührende Tragikomödie gelungen, bei der der Humor nicht zu kurz kommt, aber das Thema immer ernst genommen wird.


Das Verbot der aktiven Sterbehilfe in Frankreich lässt Menschen auf Angebote in der Schweiz zurückgreifen. Bewegend erzählte davon schon Stéphane Brizé in "Quelques heures de printemps" (2012) und zuletzt François Ozon in "Tout s´est bien passé" ("Alles ist gut gegangen", 2021). Verlieh schon Ozon seinem Film durch das Plädoyer für Selbstbestimmung Leichtigkeit, so legt Enya Baroux mit ihrem Langfilmdebüt sogar eine von viel Humor durchzogene warmherzige Tragikomödie vor.


Ähnlich wie im Hit "Ziemlich beste Freunde" prallen mit der 80-jährigen Marie (Hélène Vincent), deren schon überwunden geglaubte Krebserkrankung wieder ausgebrochen ist, und dem Mittdreißiger Rudy (Pierre Lottin), der seinen Job als Pfleger zu verlieren droht, Gegensätze aufeinander. Marie möchte nicht nochmals langwierige Behandlungen im Krankenhaus aus sich nehmen und angesichts der schon fortgeschrittenen Krankheit, dann doch langsam sterben, sondern hat sich für ein selbstbestimmtes Lebensende entschieden.


Weil ihr stets in Geldnöten steckender Sohn Bruno (David Ayala) zu einem wichtigen Termin, bei dem die Sterbehilfe fixiert wird, aber nicht erscheint und zudem keinen Führerschein hat, zieht sie Rudy in ihren Plan hinein und bittet ihn, sie in die Schweiz zu fahren. So wird Maries altes Wohnmobil wieder flott gemacht und bald geht es los. Bruno und dessen pubertierende Tochter Anna (Juliette Gasquet) will die Seniorin freilich auch auf diese letzte Reise mitnehmen, wagt ihnen aber nicht die Wahrheit zu sagen, sondern nennt als Grund einen Notartermin wegen eines überraschenden Erbes in der Schweiz.


Der unterschiedliche Wissensstand des Publikums und der Familienmitglieder sowie pointierte Dialoge führen ebenso immer wieder zu witzigen Momenten wie Rudys geliebte Ratte Lenon, für die Bruno gar nichts übrig hat. Nie wird der tragische Hintergrund der Reise aber verharmlost.


Klassische Stationen gibt es mit dem Besuch des Grabs von Maries verstorbenem Mann, einem Stopp am Meer und einem fröhlichen Begräbnis in einer Roma-Community, doch nicht die wechselnden Landschaften oder die äußeren Begegnungen, sondern die Entwicklung der familieninternen Beziehungen steht im Zentrum.


Kommunikationsprobleme gibt es hier nämlich nicht nur zwischen Marie und ihrem Sohn, sondern dieser findet auch lange keinen Draht zu seiner pubertierenden Tochter. Mit viel Wärme und Liebe blickt Baroux, die ihren Film ihrer verstorbenen Großmutter gewidmet hat, auf diese schwierigen familiären Beziehungen, verliert aber nie den Wunsch Maries nach Selbstbestimmung und einem Sterben in Würde aus den Augen.


Doppeldeutig verweist so auch sowohl der deutsche Titel "Bon Voyage", der sich auf den mehrmals gespielten 1980er Jahre-Hit "Voyage, Voyage" bezieht, als auch der Originaltitel "On ira" einerseits auf die konkrete Reise von Südfrankreich nach Zürich, andererseits aber auch auf die Reise aus dem Leben in den Tod. Berührende Momente gewinnen an Gewicht, wenn Sohn und Enkelin von Maries Plan erfahren und auch Wut und Zorn bleiben nicht aus, dennoch bewahrt diese Tragikomödie ihre Leichtigkeit.


Zu verdanken ist dies auch dem lustvoll spielenden Ensemble. Jeder Blick und jede Geste der großartigen Hélène Vincent berührt hier und großartig harmoniert sie mit Pierre Lottin, mit dem sie schon in François Ozons "Quand vient l’automne" ("Wenn der Herbst naht", 2024) spielte und der Rudy viel Wärme, aber auch proletarischen Charme verleiht. Klischeehaft als Loser angelegt ist zwar Bruno, dem man schon ansieht, dass er sein Leben nicht auf die Reihe bringt, doch David Ayala kann dieser Figur doch einige Facetten verleihen, während Juliette Gasquet bewegend Annas Verlorenheit und Sehnsucht nach familiärem Halt und Stütze spüren lässt.


 

Bon Voyage – Bis hierher und noch weiter (On ira)

Frankreich 2025

Regie: Enya Baroux

mit: Hélène Vincent, Pierre Lottin, David Ayala, Juliette Gasquet, Enya Baroux, Gabin Visona

Länge: 97 min.



Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn.



Trailer zu "Bon voyage - Bis hierher und noch weiter" ("On ira")



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