• Walter Gasperi

Venedig 2022: Neue Filme von Aronofski, Hogg, Inarritú, Panahi und weiteren Regiegrößen


Morgen beginnt das 79. Filmfestival von Venedig (31.8 - 10.9. 2022). Der Wettbewerb ist dich bepackt mit großen Namen. Auffallend ist die starke Präsenz der USA, Frankreichs und Italiens, während andere Regionen kaum vertreten sind.


Eröffnet wird das Festival mit Noah Baumbachs Don DeLillo-Verfilmung "White Noise". Gewissermaßen wird mit dieser US-Produktion schon die Richtung für die folgenden zehn Tage vorgegeben: Großes (US-)Kino will man bieten und die "White Noise"-Stars Adam Driver und Greta Gerwig sollen auf ein Schaulaufen auf dem roten Teppich unter anderem mit Cate Blanchett, Timothée Chalamet, Ana de Armas und Adrien Brody einstimmen.


Leichter als Cannes tut sich Venedig freilich bei der Auswahl, denn der künstlerische Leiter Alberto Barbera nimmt im Gegensatz zu seinem französischen Kollegen Thierry Fremaux auch Netflix-Produktionen gerne in den Wettbewerb auf. Nicht nur "White Noise" ist hier zu nennen, sondern auch Andrew Dominiks Marilyn Monroe-Biopic "Blonde" und Alejandro Gonzalez Inarritús "Bardo (or False Chronicle of a Handful of Truths)".


Was auffällt ist die ausgesprochen starke Präsenz der USA. Denn neben "White Noise" und "Blonde" konkurrieren auch noch Darren Aronofskis "The Whale", Luca Guadagninos "Bones and All", Laura Poitras´ Dokumentarfilm "All the Beauty and the Bloodshed" und "TÁR", mit dem sich Todd Field nach einer 16-jährigen Kinopause mit seinem dritten Spielfilm zurückmeldet, um den Goldenen Löwen.


Dazu kommen noch mehrere US-amerikanische Ko-Produktionen wie "The Banshees of Inisherin" von Martin McDonagh, dem zuletzt mit "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" ein ebenso starker wie auch an den Kinokassen erfolgreicher Film gelang. Aber auch Joanna Hoggs neuer Film "The Eternal Daughter" oder Frederick Wisemans "A Couple" laufen als US-Koproduktionen. - Insgesamt sind elf der 23 Wettbewerbsfilme US-Produktionen oder US-Koproduktionen.


Dieser Übermacht hat auch das in Venedig gewohnt stark vertretene Italien kaum etwas entgegenzusetzen. Mit neuen Filmen von Gianni Amelio ("Il Signore delle Formiche") und Emanuele Crialese ("L´Immensita") schickt man aber immerhin zwei Altmeister ins Löwen-Rennen, um die es aber in den letzten Jahren still wurde.


Gespannter darf man da fast auf Susanna Nicchiarelli sein, die sich nach der Sängerin "Nico" und der Tochter von Karl Marx in "Miss Marx" in "Chiara" der Heiligen Klara von Assisi widmet, sowie auf Andrea Pallaoro, der in "Monica" von einer Frau erzählt, die nach Hause zurückkehrt, um sich um ihre sterbende Mutter zu kümmern.


Stark präsent ist auch Frankreich mit vier Filmen. Neben Alice Diops "Saint Omer" und der Netflix-Produktion "Athena" von Constantin Costa-Gavras Sohn Romain Gavras wurden Rebecca Zlotowskis "Ohters People´s Children" und Roschdy Zems "Our Ties" in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen eingeladen.


Mit den USA, Frankreich und Italien ist dann der Wettbewerb auch schon weitgehend abgedeckt. Aus Großbritannien wurde noch Florian Zellers "The Father"-Nachfolgefilm "The Son" sowie aus Japan Koji Fukadas "Love Life" eingeladen. Dazu kommen aus Argentinien Santiago Mitres "Argentina, 1985" und aus dem Iran "Beyond the Wall" von Vahid Jalilvand und "No Bears" von Jafar Panahi, auf den man besonders gespannt sein wird, da Panahi erst letzte Woche vom Regime verhaftet wurde.


Geographisch kann man den Wettbewerb somit kaum als ausgewogen bezeichnen, aber vielleicht rechtfertigt die Qualität der Filme ja diese Schwerpunktsetzung. Auffallend ist freilich, dass sich die US-Dominanz auch in der Sparte "Out of Competition" fortstetzt.


Hier gibt es zwar auch unter anderem neue Filme des Philippinos Lav Diaz ("When the Waves Are Gone") und des Italieners Paolo Virzi ("Siccita"), aber den Ton geben mit fünf Produktionen auch hier die Amerikaner an. Der Bogen spannt sich dabei von einem neuen Film von Action-Spezialist Walter Hill ("Dead for a Dollar") über Ti Wests "Pearl" und Olivia Wildes "Don´t Worry Darling" bis zu Bill Pohlads Biopic über die Musiker Donnie und Joe Emerson ("Dreamin´ Wild") und Paul Schraders "Master Gardener". Dass Schraders Film außer Konkurrenz läuft, liegt wohl daran, dass der Amerikaner in Venedig einen Ehrenlöwen bekommt und somit nicht auch noch am regulären Löwen-Wettbewerb teilnehmen kann.


Spannende Namen gibt es aber auch im Bereich der Dokumentarfilme, die "Out of Competition" gezeigt werden. "Nuclear" von Oliver Stone findet sich hier ebenso wie "In viaggo" von Gianfranco Rosi und "The Kiev Trial" von Sergei Loznitsa.


Und Raum für spannende Entdeckungen bietet auch die Sparte "Orizzonti", in der unter anderem Tizza Covis und Rainer Frimmels neuer Film "Vera", in dem das Duo die erfolglose Schauspielerin Vera Gemma, Tochter von Leinwandlegende Giuliano Gemma, porträtiert, und mit "The Happiest Man in the World" der neue Film der "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya"-Regisseurin Teona Strugar Mitevska präsentiert werden.


Internationales Film Festival Venedig