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Telefon (1977)

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Telefon": Unglaubwürdiger, aber spannender Agentenfilm von Don Siegel
"Telefon": Unglaubwürdiger, aber spannender Agentenfilm von Don Siegel

Ein sowjetischer Geheimagent soll einen Stalinisten eliminieren, der in den USA sowjetische "Schläfer" aktiviert und damit Chaos verursacht. Bei Plaion Pictures ist Don Siegels zwar unglaubwürdiger, aber routiniert und spannend inszenierter Agententhriller aus dem Jahr 1977 in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Don Siegel gehörte zu den Meistern des schnörkellosen amerikanischen Spannungskinos. Mit "Invasion of the Body Snatchers" ("Die Dämonischen", 1957) drehte er ein Meisterwerk des Horror-Science-Fiction-Films ebenso wie mit "Madigan" ("Nur noch 72 Stunden", 1968) einen klassischen Polizeifilm, "The Killers" ("Tod eines Killers", 1964) einen kompromisslosen Gangsterfilm, mit "The Shootist" ("Der letzte Scharfschütze", 1976) einen meisterhaften Spätwestern und mit "Escape from Alcatraz" ("Flucht von Alcatraz", 1979) einen hochspannenden, minimalistischen Gefängnisfilm.


Wie souverän der 1912 geborene Amerikaner inszenieren konnte, beweist er schon in der Eröffnungsszene von "Telefon". Nahezu wortlos schildert er eine Geheimdienstoperation im winterlich kalten Moskau – gedreht wurde in Finnland -, bei der der Stalinist Nicolai Dalchimsky (Donald Pleasance) aber entkommen kann.


Weil dieser die aktuelle Entspannungspolitik zwischen den USA und der UdSSR ablehnt, will er vor 15 Jahren in die USA eingeschleuste "Schläfer" aktivieren. Damals nahmen nämlich 51 sowjetische Student:innen in den USA die Identität von Verstorbenen an und begannen ein unauffälliges Leben zu führen. Mit Drogen und Hypnose wurden sie aber so konditioniert, dass sie beim Hören bestimmter Zeilen eines Gedichts von Robert Frost und ihres russischen Namens wie ferngesteuert Sabotageakte an US-Militärstützpunkten durchführen.


Reichlich hanebüchen ist die Ausgangssituation von Walter Wagers Roman "Krieg per Telefon", denn unklar bleibt, wie die Student:innen problemlos die Rolle von Verstorbenen übernehmen konnten und seltsam ist auch, wie sie ihren Sprengstoff über 15 Jahre unbemerkt in ihrem Haus oder einer Tiefgarage lagern konnten.


Sieht man über diese Unglaubwürdigkeiten aber hinweg, entwickelt sich dank Siegels souveräner Inszenierung doch ein spannender Agentenfilm. Um Dalchimsky zu stoppen bzw. zu eliminieren, schickt der KGB nämlich mit Grigori Borzow seinen besten Agenten (Charles Bronson) in die USA, dem dort in der Agentin Barbara (Lee Remick) eine Helferin zur Seite gestellt wird.


Den Reibereien und der langsamen Annäherung zwischen Grigori und Barbara stehen die Aktionen Dalchimiskys gegenüber, der immer wieder neue "Schläfer" aktiviert, dem das Duo aber auch sukzessive näher rückt. Gleichzeitig mischt aber auch der CIA mit, den die Sabotageakte auf teilweise inzwischen bedeutungslose Einrichtungen irritieren.


Große Übersicht beweist Siegel, wenn er so zwischen Moskau, der CIA-Zentrale in Langley, Virginia, den Anschlägen in verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten und den Recherchen des KGB-Agenten wechselt. Der häufige Schauplatz- und Figurenwechsel sorgt dafür, dass das Tempo hochgehalten wird und kein Leerlauf aufkommt.


Mit den Anschlägen wiederum werden Action und Explosionen geboten, während mit dem Duo Grigori-Barbara auch die menschliche Ebene nicht zu kurz kommt. Klassischer Suspense entsteht dabei auch immer wieder durch das Vorwissen der Zuschauer:innen sowohl über die Aktionen Dalchimskys als auch über die Doppelrolle Barbaras.


Im Gegensatz zum US-Paranoia-Kino der 1970er Jahre fehlt hier freilich die gesellschaftliche Erdung. Über einen spannenden, aber doch oberflächlichen Agentenfilm kommt "Telefon" kaum hinaus, beschwört aber mit Ausstattung und kalten Winterbildern doch stimmungsvoll die Zeit der 1970er Jahre, in denen Festnetztelefone und Telefonzellen noch eine zentrale Rolle bei der Kommunikation spielten.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den deutschen Trailer, eine Bildergalerie sowie ein 24-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach, der Einblick in den Roman von Walter Wager und die Unterschiede zur Verfilmung sowie zur Besetzung und Crew des Films und Schwierigkeiten während der Produktion bietet.



Trailer zu "Telefon"



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