Der Mann, der immer kleiner wurde
- Walter Gasperi

- vor 1 Stunde
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Ein Mann muss feststellen, dass er langsam schrumpft: Bei Leonine Studios ist Jan Kounens 2025 entstandenes, liebevolles Remake von Jack Arnolds "The Incredible Shrinking Man" auf DVD und Blu-ray erschienen.
Einen Klassiker des Science-Fiction- und Horrorfilms schuf Jack Arnold 1957 mit der Verfilmung von Richard Mathesons nur ein Jahr zuvor erschienenem Roman "The Shrinking Man" (1956). Löste in "The Incredible Shrinking Man" ("Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" - Rezension siehe unten) eine radioaktive Wolke die Schrumpfung des Protagonisten aus, so deutet Jan Kounen ein meteorologisches Phänomen als Auslöser an, erklärt dies aber nicht weiter.
Allerdings spielt Kounen mit Wolkenbildern am Beginn und in einem langen Finale mit Bildern von Gestirnen und kosmischen Erscheinungen explizit mit dem Gegensatz zwischen der Weite und Größe des Alls und der Kleinheit des Menschen. Diese wird auch immer wieder mit dem Voice-over des Protagonisten Paul (Jean Dujardin) ins Spiel gebracht, der gerade angesichts seiner Schrumpfung über das Leben sinniert.
Mehr als ein Horrorfilm ist "Der Mann, der immer kleiner wurde" so ein Drama über die menschliche Existenz, über die Schönheit des Lebens, über Verlust und Vergänglichkeit. Letztere wird markant durch Zeitinserts betont, die das langsame Schrumpfen und Verschwinden Pauls aus dieser Welt verdeutlichen.
Gerade aus Kontrasten bezieht der Film dabei seine Wirkung, wird Paul am Beginn doch als stattlicher, 1,80 Meter großer und sportlicher Mann vorgestellt, der ausgiebig im Meer schwimmt, in dessen Weite er freilich wieder winzig und verloren wirkt. Doch bald sind ihm seine Hemden zu groß. Medizinische Untersuchungen lassen keine Krankheit feststellen, sondern nur dass sein ganzer Körper und alle Organe gleichmäßig schrumpfen.
Geschickt rückt Kounen schon früh Details ins Bild, die im Laufe des Films eine ganz andere Bedeutung gewinnen. Dem Schwimmen im endlosen Meer steht so später ein Sturz ins kleine Aquarium gegenüber, die Katze, die zunächst locker vertrieben wird, wird sich als bedrohlich erweisen und eine Spinne, die Paul zunächst nicht tötet, weil sie Insekten vernichtet, wird später sein gefährlichster Feind, scheint sich aber auch an ihre Schonung zu erinnern.
Aber auch die Kellerstiege, das Puppenhaus seiner Tochter (Daphné Richard) und Spielzeugfiguren bekommen mit dem Schrumpfungsprozess eine ganz andere Bedeutung. Eindringlich vermittelt Kounen hier, wie sich die Proportionen verschieben, wie für einen Menschen kleine Hindernisse plötzlich unüberwindlich werden.
Horrormomente fehlen mit der Bedrohung durch die Katze oder die Spinne sowie mit einer Mausefalle nicht, doch im Zentrum steht das langsame Schwinden jeder Kommunikationsmöglichkeit mit seiner Familie und die zunehmende Vereinsamung Pauls. In seiner Schrumpfung kann man dabei auch eine Krise der Männlichkeit, wachsende Minderwertigkeitsgefühle und die Veränderung der Geschlechterrollen sehen.
Werden Paul und seine Frau (Marie-Josée Croze) zunächst als gleichrangige Partner vorgestellt, die auch lustvollen Sex haben, so wird er durch seine körperliche Entwicklung zunehmend abhängig von seiner Frau, wird zum Pflegefall, bis er aus ihrem Leben verschwindet.
Liebevoll kopiert und variiert Kounen, der im Abspann nicht nur Jack Arnold und Richard Matheson, sondern auch Jules Verne, Georges Méliès und der Native American Panshin Biri dankt, mit bestechender Tricktechnik Szenen aus Arnolds Film. So ist dieses Remake eine Hommage an das Original, gleichzeitig sorgt der 62-jährige Franzose vor allem durch das ausführliche philosophische Voice-over, aber auch durch lange ruhige Szenen, die die Befindlichkeit des Winzlings verdichten, für spannende neue Akzente.
Bestechend verengt er dabei auch mit dem Schrumpfen Pauls den Raum. Sieht man ihn zunächst noch im Büro und beim Arzt, beschränkt sich der Film bald nur noch auf das Strandhaus der Familie und dann auf den Keller, der für Paul zu einem Gefängnis wird, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.
An Sprachversionen bieten die bei Leonine Studios erschienene DVD und Blu-ray die französische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel und deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Die Extras beschränken sich auf den Kinotrailer, eine Trailershow zu weiteren bei Leonine Studios erschienenen Filmen und ein 40-minütiges, deutsch untertiteltes Making of, das mit Interviews – vor allem mit Jean Dujardin und Jan Kounen – Einblick unter anderem in die Dreharbeiten und die visuellen Effekte bietet.
Trailer zu "Der Mann, der immer kleiner wurde"




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