• Walter Gasperi

Tod eines Killers - The Killers (1964)


Zwei Killer wollen die Hintergründe ihres soeben verübten Auftragsmords aufdecken. Don Siegels 1964 entstandenes hartes und schnörkelloses Remake von Robert Siodmaks klassischem Film noir ist bei Koch Films in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen und bietet als Bonus auch die Erstverfilmung.


Schon für die Erstverfilmung von Ernest Hemingways 1927 erschienener Kurzgeschichte war Don Siegel 1946 zunächst als Regisseur vorgesehen, wurde dann aber durch Robert Siodmak ersetzt. Dieser machte daraus ein zutiefst fatalistisches Meisterwerk des Film noir, das aufgrund seiner komplexen Rückblendenstruktur auch als "Citizen Kane of Noir" gilt.


18 Jahre später kam Siegel dann doch noch zum Zug. Fürs Fernsehen sollte er das Remake drehen, doch aufgrund der Härte und des Zynismus seines Films entschied sich NBC für eine Kinoauswertung. Auch vom Ton her ist das Remake anders angelegt: Evozierte 1946 allein schon Schwarzweiß eine fatalistische Affäre, so drücken hier knallige Farben dem Film den visuellen Stempel auf.


Wie Geschäftsleute treten die beiden Killer Charlie (Lee Marvin) und Lee (Clu Gulager) auf. Sie sind stets perfekt gekleidet mit Anzug und Krawatte, verbergen ihre Augen aber hinter dunklen Sonnenbrillen. Mit einer Spiegelung in einer dieser Sonnenbrillen lässt Siegel seinen Film einsetzen und folgt Charlie und Lee durch den Hof eines Blindenheims. Dass sie keinen Spaß verstehen, zeigt sich schon beim zunächst psychischen und dann auch physischen Terror, den sie gegenüber der blinden Sekretärin ausüben.


Gewarnt wird zwar noch der Blindenheim-Lehrer Johnny North (John Cassavetes) vor diesen beiden eiskalten Männern, doch er versucht nicht zu fliehen, sondern lässt sich ohne Gegenwehr erschießen. Stutzig macht das Charlie, denn der Auftrag war auch überraschend gut bezahlt. Die Hintergründe möchte das Duo deshalb aufdecken, denn North war einst auch an einem Überfall auf einen Geldtransport beteiligt, bei dem eine Million Dollar erbeutet wurde. Mit diesem Geld könnte sich Charlie locker zur Ruhe setzen.


Vom Blindenheim führt so der Weg der beiden Killer nach Florida, wo sie mit entsprechendem Druck den ehemaligen Freund und Mechaniker des einstigen Rennfahrers North zum Reden bringen. In New Orleans steuert einer der damaligen Räuber ein weiteres Puzzleteil zur Geschichte bei. In Kalifornien machen Charlie und Lee schließlich den einstigen Kopf der Bande (der spätere US-Präsident Ronald Reagan in seiner letzten und vielleicht besten Rolle) und dessen Frau Sheila (Angie Dickinson) ausfindig. In weiteren Rückblenden bieten diese weitere Einblicke in die damaligen Ereignisse und den Überfall.


Schnörkellos und kompakt ist das inszeniert. Nicht nur das Auftreten der Gangster, sondern auch das Erzähltempo und die metallenen Klänge von Henry Mancinis Musik verleihen diesem Gangsterfilm Härte. Dunkle Bilder von einer verregneten nächtlichen Großstadt wie sie für den Film noir typisch sind, braucht Siegel dazu nicht. In helles Sommerlicht ist sein Film getaucht, eine Rennbahn und eine Gokart-Bahn zählen zu seinen Schauplätzen. – Es ist ein modernes, alltägliches Amerika, doch schon in den bewusst künstlichen Rückprojektionen kann man ein Zeichen dafür sehen, dass der Schein trügt und sich hinter der heilen Oberfläche Verbrechen und verhängnisvolle Leidenschaften verbergen.


Mitleidlos ist der Blick Siegels dabei, kalt schildert er, wie North durch die obsessive Liebe zu Sheila, die ihn nur benützt, und Gier die Menschen ins Verderben stürzt. Aber auch für die Killer kann es kein Happy-End geben. Wie der Geldkoffer aufplatzt und der Wind die Scheine durch den gepflegten Vorstadt-Garten weht, so zerplatzen auch Charlies Träume.


Keine Helden gibt es hier, es sei denn die beiden Killer, die kompromisslos ihren Weg gehen. Vorläufer des Killer-Duos in Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" kann man darin sehen. Wegweisend war "Tod eines Killers" aber zunächst einmal für den Polizei- und Gangsterfilm der 1960er und 1970er Jahre, in den er mit seiner Härte und seinen brutalen Protagonisten eine neue Note und einen neuen Stil brachte. In seiner "Dirty Harry"-Serie wird Siegel diese Gangrichtung mit Clint Eastwood fortsetzen.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben dem englischen Trailer und einer Bildergalerie ein etwa zehnminütiges, deutsch untertiteltes Interview mit Don Siegel, in dem er nicht nur über seinen Stil und über seinen Ärger mit den Studios spricht, sondern auch darüber, dass er gerne Komödien und Liebesfilme drehen würde und viele Filme nur wegen des Geldes gemacht hat. Highlight des Bonusmaterials ist aber zweifellos eine weitere Blu-ray mit Robert Siodmaks legendärer Erstverfilmung.


Trailer zu "Tod eines Killers - The Killers"