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Katanga (Dark of the Sun)

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Katanga": Prototyp des harten Söldnerfilms
"Katanga": Prototyp des harten Söldnerfilms

Eine Gruppe von Söldnern soll im Kongo der frühen 1960er Jahre aus einem von Rebellen beherrschten Gebiet dort lebende Weiße und Diamanten in die Hauptstadt bringen. – Bei Plaion Pictures ist Jack Cardiffs 1968 entstandener Kriegsfilm in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Wenig bekannt ist Jack Cardiffs Kriegsfilm "Katanga" ("The Mercenaries" / "Dark of the Sun"), doch Martin Scorsese und Quentin Tarantino zählen ihn zu ihren Lieblingsfilmen. Tarantino arbeitete deshalb die Filmmusik in seinen Film "Inglourious Basterds" ein und gab Hauptdarsteller Rod Taylor eine kleine Gastrolle.


Trotz seiner geringen Bekanntheit zählt "Katanga", der im Kongo spielt, aber auf Jamaika gedreht wurde, neben Robert Aldrichs "The Dirty Dozen" ("Das dreckige Dutzend", 1967) zu den Prototypen des Söldnerfilms. Unübersehbar ist sein Einfluss auf Brian G. Huttons "Kelly´s Heroes" ("Stoßtrupp Gold", 1970) und Andrew V. McLaglens "The Wildgeese" ("Die Wildgänse kommen", 1977).


Beeinflusst vom Italo-Western und vom Umbruch im Hollywood der 1960er Jahre stehen hier moralisch ambivalente Figuren im Mittelpunkt. Gleichzeitig sind Söldnerfilme wie "Katanga" auch Musterbeispiele für den Exploitationfilm, dient der reale politische Hintergrund mit der Abspaltung der im südlichen Kongo gelegenen rohstoffreichen Provinz Katanga (1960 – 1963) und der Simba-Rebellion (1964 – 1967) doch nur als Ausgangspunkt für eine actionreiche Handlung.


Ansatzlos setzt die Handlung mit der Ankunft des im Original britischen Söldners Bruce Curry (Rod Taylor), der in der deutschen Synchronfassung zum Deutschen Willy Krüger wird, und seines aus dem Kongo stammenden schwarzen Gefährten Ruffo (Jim Brown) auf einem Flugfeld ein. Druck wird aufgebaut, indem das Duo vom Präsidenten des neuen Staates drei Tage Zeit bekommt, um mit einem Zug aus einer von den Simba-Rebellen beherrschten Region nicht nur die dort lebenden Weißen in Sicherheit zu bringen, sondern vor allem Diamanten herbeizuschaffen. Mit letzteren glaubt der Präsident die Unterstützung der Europäer gewinnen und seine labile Position festigen zu können.


Unterstützt werden sollen Curry und Ruffo dabei nicht nur von ausgewählten Soldaten der Regierungstruppen, sondern auch vom deutschen Söldner Captain Henlein (Peter Carsten), der immer noch überzeugter Nazi ist. So bedrohen bald nicht nur Angriffe durch die Rebellen, sondern auch Konflikte zwischen Curry / Ruffo und dem brutalen Henlein, für den der reale deutsche Söldner Siegfried Müller als Vorbild diente, das Unternehmen.


Bald kommt es so auch zu einer heftigen Auseinandersetzung, bei der auch eine Kettensäge eingesetzt wird. Weitgehend optischer Aufputz bleibt dagegen die Französin Claire (Yvette Mimieux), die als Einzige den Angriff der Rebellen auf eine Plantage überlebt hat und im Zug mitgenommen wird.


In gewohnter Manier steigern sich nach Ankunft am Zielort und auf der Rückfahrt nicht nur sukzessive die Bedrohung, sondern auch die internen Konflikte, denn die Diamanten befeuern die Gier Henleins. Zunehmend klarer tritt dabei auch der Charakter der Protagonisten zutage. Gegenpol zum skrupellosen Henlein, der ohne mit der Wimper zu zucken zwei afrikanische Kinder erschießt, ist vor allem Ruffo, der von Anfang an vom Einsatz für sein Land getrieben wird. Entwicklungen machen dagegen Curry und ein alkoholsüchtiger Arzt (Kenneth Moore) durch. Interessiert sie zunächst nur die Bezahlung, entwickeln sie schließlich doch ein moralisches Bewusstsein.


Unglaubwürdig sind zwar nicht nur die wiederholten Wendungen, sondern vor allem, wie Curry gegen Ende mit dem Jeep durch die Steppe rast, um seinen Gegner Henlein zu stellen. Seltsam ist auch, wie sich im Finale die äußere Bedrohung durch die Rebellen plötzlich in Luft auflöst, dennoch hält der Routinier Jack Cardiff, der vor allem als Kameramann ("The Red Shoes", "Black Narcissus", "Pandora and the Flying Dutchman", "The Barefoot Contessa") Berühmtheit erlangte, seinen Film mit knackigen und zumindest für die 1960er Jahre ungewöhnlich brutalen Actionszenen am Laufen.


Wenige, aber prägnante Sätze, in denen mit dem Engagement des Westens, aber auch Russlands und Chinas in Afrika abgerechnet wird, fehlen nicht, dennoch ist nicht zu übersehen, dass nicht nur die politischen Ereignisse nur als Hintergrund dienen, sondern dass auch – abgesehen von Ruffo – die Akteure vom Söldnertrupp über den Vorsteher des Dorfes bis hin zu einem Missionar nur Europäer sind.


Die auf der Seite des Söldnertrupps stehenden Afrikaner bleiben dagegen reine Staffage, während die Rebellen als blutrünstige Wilde gezeichnet werden. Erst ganz am Ende gewinnt mit Corporal Kataki ein Einheimischer an Gewicht, wobei die Schlussszene auch als Aufforderung an die westlichen Mächte gelesen werden kann, die Kontrolle und Macht in Afrika an die Afrikaner:innen abzugeben.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene Blu-ray und DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben der alternativen HD-Restaurierung, dem englischen Trailer und einer Bildergalerie den deutschen Vor- und Abspann, eine dreiminütige Vorstellung des Films unter dem Titel "Trailers from Hell" und ein nicht untertitelter englischer Audiokommentar, in dem sich Larry Karazweski, Josh Olson, Brian Saur und Elric D. Kane angeregt über den Film unterhalten. Dazu kommt ein Booklet mit einem informativen Text von Tobias Hohmann.



Trailer zu "Katanga" ("Dark of the Sun")


 

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