Teenage Sex and Death at Camp Miasma
- Walter Gasperi

- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Eine junge queere Filmemacherin plant den Reboot einer 1980er Jahre Slasher-Serie und besucht deshalb die damalige Hauptdarstellerin, die abgeschieden am einstigen Drehort lebt: Ein ziemlich abgefahrener Meta-Film, in dem extreme Künstlichkeit und Realismus, Film-im-Film und Realität sowie blutige Slasherszenen und intime Momente ständig ineinander übergehen.
Im Langfilmdebüt "We’re All Going to the World’s Fair" (2020) setzte sich die in den späten 1980er Jahren in New York geborene nonbinäre Jane Schoenbrun mit den Internet-Challenges der frühen 2000er Jahre auseinander. In die 1990er Jahre entführte dann "I Saw the TV Glow" (2024), in dem zwei Teenager aus dem tristen Alltag in die Welt einer wöchentlichen Mystery-Serie flüchten.
Mit dem vollständig auf analogem 16mm- und 35-mm Film gedrehten "Teenage Sex and Death at Camp Miasma", der den Abschluss der so genannten "Screen-Trilogie" bildet, geht Schoenbrun nun bis in die 1980er Jahre zurück, verbindet diese aber gleichzeitig mit der Gegenwart. Mit viel Liebe zum Detail und genauer Kenntnis von Slasher-Klassikern wie "Halloween" (1978) und "Freitag der 13." (1980) wird im Vorspann die Geschichte des damaligen Erfolgs des fiktiven Horrorfilms "Camp Miasma" und das Franchise, das sich mit drittklassigen Fortsetzungen, Spielen und Merchandise-Artikeln daraus entwickelte, nachgezeichnet.
Doch nun plant die junge queere Filmemacherin Kris (Hannah Einbinder), die mit einem Film, in dem sie die Geschichte von "Psycho" aus der Perspektive des Duschvorhangs erzählte, einen Reboot des Originals. Dazu besucht sie die Darstellerin (Gillian Anderson) des Final Girls des ersten Films, die sich nach dem Erfolg von der Schauspielerei zurückgezogen hat und abgeschieden am einstigen Drehort in den Wäldern lebt.
Explizit wird mehrmals auf den vergessenen Stummfilmstar Norma Desmond in Billy Wilders "Sunset Boulevard" Bezug genommen, auch wenn dieser Vergleich hinkt, zog sich diese Billy Presley im Gegensatz zu Wilders Protagonistin doch freiwillig vom Filmgeschäft zurück. Unübersehbar eine Reverenz an Wilders Klassiker ist aber, wie Kris und Billy, die mit sichtlichem Vergnügen von Hannah Einbinder und Ex-"Akte-X"-Star Gillian Anderson gespielt werden, gemeinsam im Haus den alten Slasher-Hit ansehen.
Gleichzeitig vermischen sich aber auch Film-im-Film und Realität zunehmend, wenn Schoenbrun schon bei der Fahrt durch die tief verschneite Winterlandschaft zum abgelegenen Haus mit klassischen Motiven und inszenatorischen Mitteln des Horrorkinos arbeitet. Verstärkt werden diese Verbindungen, wenn sich Kris und Billy zwar einerseits näherkommen, sich andererseits Kris aber auch zunehmend bedroht fühlt: Geistert der Killer von damals, dessen Kopf durch eine helmförmige Metallmaske, die an eine Lüftungsabdeckung oder an eine alte Filmkamera erinnert, verdeckt ist, immer noch durch die Gegend?
Mit dieser Figur kommt auch Homophobie ins Spiel, sind seine Morde doch Rache für das Mobbing, das er als transsexueller Jugendlicher erfuhr. Gleichzeitig steht sein Name "Little Death" auch für den weiblichen Orgasmus, fallen seinen Angriffen doch immer sexuell aktive junge Frauen zum Opfer, während das jungfräuliche Final Girl ihm entkommen oder ihn sogar überwältigen kann.
Lustvoll spielt Schoenbrun so mit den Mustern des Slasher-Films, rückt das Fleisch und die Körperflüssigkeiten, um die es laut Billy in diesen Filmen immer gehe, ins Zentrum. Dey – das Pronomen für nichtbinäre Personen – spürt dabei der Verbindung von Begehren, Sex und Tod nach, stellt aber der repressiv-homophoben Haltung dieser Filme eine bewusst queere Perspektive gegenüber. Aufregend spielt dey aber auch mit extremer Künstlichkeit, wenn beispielsweise der realistischen Inszenierung einer Tankstelle ein märchenhaft verschneiter Wald gegenübersteht, bei dem die Berge im Hintergrund sichtlich nur gemalt sind.
Dazu kommt das Spiel mit Filmkonsum und amerikanischer Esskultur, denn da geht es auch um Dip zu frittierten Hühnchen und in der Tankstelle kauft Kris jede Menge Gummibärchen, Smarties und anderen Junk-Food ein. Aber auch Assoziationen an den Horrorhit "Backrooms" weckt der in Cannes mit der Queer Palm ausgezeichnete Film, wenn die Geschichte verbreitet wird, dass "Little Death" in einer Unterwelt unter dem See weiterlebt und immer wieder zurückkehren wird, um zuzuschlagen.
Zudem rechnet diese an Einfallsreichtum übersprühende Hommage an den Slasher-Film mit einem Telefonat von Kris mit den Produzent:innen mit Hollywood ab. Ihre künstlerische Vision interessiert dort nämlich niemand, sondern sie wurde nur engagiert, um mit einem zeitgemäß woken Reboot einen kommerziellen Erfolg einzufahren.
Teenage Sex and Death at Camp Miasma
USA / Kanada / Großbritannien 2026
Regie: Jane Schoenbrun
mit: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Cherry, Sarah Sherman, Patrick Fischler
Länge: 112 min.
Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Skino Schaan und im Kino Scala St. Gallen.
Trailer zu "Teenage Sex and Death at Camp Miasma"




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